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Die Blumen des Bösen

20 Mai 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Les Fleurs du Mal

Vor  über 155 Jahren erschien in Paris mit dem Gedichtband „Les Fleurs du Mal“ das Manifest moderner Lyrik von Charles Baudelaire. Er schuf damit das epochale Werk der literarischen Moderne, das in formaler und thematischer Hinsicht die emotional gefärbte Bekenntnislyrik der Romantik überwand. Er reagierte mit seinen 1857 erschienenen Gedichten auf etwas, was Heine ein Jahr zuvor das „Ende der Kunstperiode“ genannt hatte. Besondere Kennzeichen waren bei ihm die suggestiven Bilder und Metaphern, einhergehend mit rhythmischer Sprache und genauer Komposition seiner Gedichtformen.

Sein dichterisches Hauptwerk befasst sich primär mit dem Großstadtmenschen und dessen Erlebnissen, was er als L` Ennui bezeichnet und als eine mit Widerwillen, Unlust und Verdruss verbundene Entfremdung gegenüber dem Dasein charakterisiert. Die unter dem Titel Tableaux parisiens in einem Zyklus von sechs Gruppen zusammengestellten Gedichte enthalten Bilder, Träume und Visionen von Paris, der „schrecklichen Landschaft“, das bevölkert ist von Blinden und Bettlern, Buckligen und Greisen, die selbst auf Grund ihres Grauens den Beobachter noch faszinieren können. Sie selbst spiegeln das Ringen des Dichters um seine Identität wider und geben Hinweise auf seine eigenen Aufschwünge, Abstürze und seine daraus resultierende Resignation. Die finalen Gedichte des Zyklus beschreiben seine letzte Reise, die in den Tod, welche die Erlösung vom L`Ennui erbringen soll und die ihm auf dem Grund des Unbekannten die Sehnsucht nach dem Ideal verheißen soll.

Charles Baudelaire wird am 9. April 1821 in Paris geboren. Sein Vater ist bei der Geburt bereits 62 Jahre alt und stirbt kurze Zeit später. Die 30 Jahre jüngere Mutter heiratet ein zweites Mal einen amusischen General, der mit größter Strenge den Sohn erzieht. Der Sohn wird wegen Unbotmäßigkeit vom Gymnasium verwiesen, beginnt ein Jurastudium, ohne die Vorlesungen zu besuchen. Wegen seines Umgangs mit Literaten und Prostituierten verordnet ihm sein Stiefvater zur Strafe eine längere Seereise. Kaum wieder zurück in Paris nimmt er sein ungebundenes Leben wieder auf und verbindet sich mit einer Mulattin, einer exotischen Schönheit mit zweifelhaftem Ruf. Mit ihr, der Venus Noire de Fleur du Mal lebt er lange Jahre in wechselnden Verhältnissen zusammen, wird von der Familie entmündigt und lebt in ständiger Geldnot. Durch späteren Rauschgiftkonsum verstirbt der Dichter bereits mit 46 Jahren in einem Pariser Hospital.

Als Schriftsteller beginnt Baudelaire ab 1885 hervorzutreten; als Lyriker mit dem gelegentlichen Abdruck von Gedichten sowie vor allem als Kunstkritiker. 1857 erscheinen seine jahrelang vorher angekündigten Fleurs du Mal, ein Band mit 100 Gedichten, der jedoch wegen Verletzung der öffentlichen Moral vom Staatsanwalt zunächst konfisziert wird und in dem die weitere Veröffentlichung von sechs als anstößig bezeichneten Gedichten verboten wurde.

Seine literarische Wirkung entfaltete sein Werk erst auf die Generation der jüngeren symbolistischen und impressionistischen Dichter, wie Arthur Rimbaud, Paul Verlaine und Stephane Malarme. Die erste deutsche Übersetzung eines Teils seiner Gedichte stellte Stefan George 1891 in handschriftlicher Form mit 25 Exemplaren her. Die Tragweite der Fleurs du Mal zeigte sich später dann besonders an der Wende des 20. Jahrhunderts, als der Paradigmenwechsel in der Lyrik manifest wurde.

(wz)

Charles Baudelaire „Les Fleurs du Mal“

ISBN-10: 3257209991

ISBN-13: 978-3257209990

Quelle: photoopia.com/University of Adelaide/public

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