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Laufen & Wadenprobleme bds.

17 August 2016 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
Quelle: sv:Användare:Chrizz

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Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler und ehemalige Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und ehemaliger Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit Jahren das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde regelmäßig für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines Läufers mit Wadenproblemen vor.

F.G. fragt:
Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,
bin 38, bei 170 cm wiege ich ca. 77 kg. Ich habe früher jahrelang regelmäßig Hantel- und Lauf-Training betrieben, aber kein Maximalkrafttraining, z.Zt. mache ich Spinning-Biking, Golf, Klimmzüge sowie Bauchmuskeltraining. Vor 3 Monaten habe ich wieder mit Lauftraining und zwar auf dem neu erstandenen Laufband begonnen, moderat, ca. 2-3x/Woche, je 10-20 min. Seitdem habe ich hier und nur beim Laufband-Training oft richtig fiese Wadenschmerzen (zunächst krampfartig, danach sehr heftig und ziehend, nicht immer zur selben Zeit auftretend, manchmal erst nach einer halben Stunde oder aber auch schon nach 5 Minuten). Ich muss dann das Laufen sofort beenden, Spiningbiking ist aber nach Abbruch des Laufens ohne Schmerzen weiterhin möglich. Durch starkes Dehnen der Wade kann ich den Schmerz provozieren, nachdem dieser aufgetreten war. Auch vergeht der Schmerz nicht nach Sekunden oder Minuten, er dauert ein bis mehrere Tage an, dabei allmählich abnehmend. Latent spüre ich die schmerzende Stelle manchmal noch nach fünf bis sechs Tagen beim normalen Gehen, vor allem, wenn ich eine Treppe hinabsteige oder mit dem Fuß abrolle. Bis ich wieder joggen kann, braucht es dann ca. ein bis drei Wochen. Fange ich früher wieder an, kann ich fast sicher sein, dass der Schmerz umgehend zurückkommt. Ich hatte dieses Problem früher nie, wog auch vor 10 Jahren nur unwesentlich weniger. Habe es mit Diclofenac probiert – kein Effekt, Magnesium-Trinklösung – ebenfalls keine Auswirkung, Dehnen vor und nach dem Laufen – keine Auswirkung, Schuhwechsel – keine Auswirkung, mir gehen die Ideen aus. Können Sie mir daher bitte einen Tipp geben, vielen Dank für Ihre Mühe?!? – Mit freundlichen Grüßen.

 

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:
Zunächst einmal gilt es herauszustellen, dass Ihr Beschwerdebild ja offensichtlich nur sportartspezifisch auftritt. Dies spricht eigentlich gegen eine schwerwiegende internistische Grunderkrankung als Ursache (vor allem Durchblutungsstörungen in den Becken-Beinschlagadern im Gefolge einer ausgeprägten „Gefäßverkalkung“). Und Raucher, Bluthochdruck- oder Zucker-Patient werden Sie ja auch nicht sein? Was ist daher zu hinterfragen und ggf. zu tun:

  • Bei der laufsportspezifischen Belastung bedingt die sogenannte Flugphase (für Millisekunden haben beide Füße keinen Bodenkontakt) ein durchaus respektable orthopädische Belastung der gesamten unteren Extremität (wie ich Sie verstanden habe, treten Ihre Probleme ja symmetrisch in beiden Waden auf?). Ein zusätzliches Belastungsmoment stellt das spezifische Anforderungsprofil des Laufbandtrainings dar. Bekanntlich laufen Sie ja gegen die Laufrichtung an, was beim wechselseitigen Aufkommen Ihrer Füße Ihnen ein zusätzliches Drehmoment beschert. Im Fachjargon spricht man hier auch von Adaptierern und Non-Adaptierern, je nachdem, wie der jeweilige Proband biomechanisch klar kommt. Die Beschaffenheit der Lauffläche des Laufbandes spielt hier ebenfalls noch eine Rolle. Im Klartext: Sie sollten sich umgehend um einen Termin bei einem orthopädischen Schuhmacher bemühen, der Sie bzgl. Beinachse und Fußstatik gezielt checkt. Sollten Sie beispielsweise einen Vorfuß-Varus (Tendenz zur Übersupination, einen Senk-Knickfuß (Tendenz zur Überpronation) oder ein bewegungseingeschränktes Großzehengrundgelenk (v.a. bei Hallux rigidus) aufweisen, wären das Anknüpfungspunkte, die Ihr sportartspezifisch fokussiertes Problem durchaus plausibel machen. Hier müssten Sie dann durch entsprechende Einlagenversorgung gegensteuern und erst dann wieder und nicht vorher einen Laufversuch auf dem Laufband starten.
    Merkregel: Möglichst 2 Paar Laufschuhe im Wechsel tragen, verschmutzte Laufschuhe gehören niemals in die Waschmaschine (Weichmacher in der Sohle werden zerstört), auch Laufschuhe altern und sind für etwa 2000 Laufkilometer ausgelegt). Generell interessant wäre dann natürlich auch die Frage, ob das geschilderte Beschwerdebild auch beim Joggen auf normalem Untergrund im Wald oder auf der Straße auftritt und dann, wie es Ihnen bei Bergaufläufen ergeht?
  • Überprüfung Ihrer Ernährungs- & Trinkgewohnheiten: Sollten Sie ein ausgesprochener Obst-, Gemüse- und Salatmuffel sein, auch unter Alltagsbedingungen stark schwitzen, generell wenig trinken und Ihr Mineralwasser nicht nach dem Inhalt sondern eher nach dem Preis kaufen, sollten Sie hier langfristig und gezielt gegensteuern.
  • Checken Sie auch bitte gelegentlich Ihre aktuelle Versorgungssituation bzgl. Eisen, Jod, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren (Labortest mit Bestimmung von TSH – wg. Schilddrüse, Ferritin – wg. Eisendepots und 25-OH-Vitamin D).
    Beachte: Gemäß neuesten BRD-Ernährungsanalysen kommen übrigens mehr als 80% der männlichen Erwachsenen und über 90% der erwachsenen Frauen nicht auf die empfohlene Vitamin D-Versorgung mittels täglicher Ernährung. Bei chronischer Fischabstinenz sollten Sie zusätzlich unbedingt und hochdosiert langkettige Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA) zuführen, d.h. täglich ≈ 1 Gramm. Ein angenehm nussig schmeckendes Präparat in Pulverform ist hier Biomol Omega-3 power®, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Vor allem haben Sie dann auch kein unangenehmes Aufstoßen wie bei den Fischölkapseln.
  • In Ihrer augenblicklichen muskulären Belastungssituation wäre bei Ihnen auch die flankierende Einnahme von Traumeel® S Tabletten erhältlich in der Apotheke zu erwägen, sportmedizinisch-traumatologisch seit Langem bewährt. Das Präparat würde ich bei Ihnen zunächst einmal für 4 Wochen einsetzen, natürlich nachdem Sie parallel die biomechanisch-ernährungsphysiologischen Rahmenbedingungen geändert haben. Die empfohlene Einnahme liegt bei 3 – 4 mal 2 Tabletten täglich, langsam unter der Zunge zergehen lassen. Das Präparat ist gut verträglich, bei evtl. bestehender Pollenallergie sollten Sie aber bitte Rücksprache bei Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer behandelnden Ärztin nehmen.

Ja, dann hoffe ich, dass meine Anregungen und Überlegungen für Sie zielführend sein mögen & Sie recht bald wieder Ihrem Lauftraining frönen können, ggf. eben nicht mehr auf dem Laufband.

Herzliche Grüße

„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
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