- androgon - http://www.androgon.com -

Extremhindernisläufer Knut Höhler

Knut Höhler (40_1) [1]

INTERVIEW mit Extremhindernisläufer Knut Höhler, dem 3 maligen Sieger des „Tough Guy Race“ in Wolverhampton/GB „2011 – 2013“

Hallo Knut, schön dass Du Dich heute bereiterklärt hast, uns ein Interview zu geben!

 

Welchen Sport hast Du als Kind und Jugendlicher getrieben?
Ich bin mit 6 Jahren als Wettkampfschwimmer ins Sportlerleben gestartet. Das habe ich bis etwa 18 fortgeführt, bis ich zum Triathlon gewechselt bin. Zwischendurch habe ich allerdings noch viele andere Dinge ausprobiert, wie Fussball, Basketball, Mountainbike und auch Bogenschießen.

Welche Sportart bevorzugst Du neben dem Laufsport heute?
Wenn ich am Meer wohnen würde, würde man mich jeden Tag mit meinem Kiteboard auf dem Wasser finden. Da ich das leider nicht mache, muss ich mich auf die Ferien und Wochenenden beschränken. In letzter Zeit verbringe ich relativ viel Zeit im Fitnessstudio mit Functional Training, obwohl ich eher ein Outdoor-Typ bin. Im Winter gehe ich gern Skilanglaufen.
Wichtig ist eigentlich nur, dass es anstrengend ist und trotzdem Spass macht.

Was für ein Typ bist Du?
400-Meter-Läufer oder eher Marathon-Mann?
Ganz klar Marathon. Sprinten konnte ich noch nie.

Was ist Deine schnellste Zeit auf 10.000m?
32 flach. Immer wenn ich schneller laufen wollte, ist mir was dazwischengekommen (-;

Nimmst Du Dir genügend Zeit für Sport?
Hast Du feste Rituale für Dein Training?
Wenn ich nicht täglich trainiere, dann liegt das meistens nicht an zu wenig Zeit, sondern eher, dass ich mal keine Lust habe. Sonst trainiere ich meistens täglich. Besondere Rituale habe ich nicht. Ich gehe einfach raus.

Wie sieht Deine mentale Vorbereitung auf einen Wettkampf aus?
Ich habe keine großartige mentale Strategie. Ich versuche einfach locker zu bleiben, nicht zu verkrampfen. Wenn ich die Strecke schon kenne, visualisiere ich sie.

Du bist 3-facher Sieger des Tough Guy Race in Wolverhampton|GB, dem Austragungsort der inoffiziellen Europäischen Meisterschaften in der neuen Sportart Extremhindernislauf (Obstacle Course Racing) und giltst in der Szene als der erste Deutscher Profi.
Wie kam es dazu?
Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich hatte mich spontan für den Strongman Run 2008 angemeldet, um mal etwas anderes auszuprobieren. Auch für mich unerwartet habe ich auf Anhieb gewonnen. Danach hat sich meine Karriere und die Zusammenarbeit mit Brooks wie von alleine entwickelt. Wenn etwas Spass macht und man erfolgreich ist, gibt es keinen Grund damit aufzuhören.

Leider hast Du Dich im November 2013 bei einem Lauf (World Toughest Mudder) in den USA stark verletzt. Wie ist das passiert? Ist Extremhindernislauf gefährlich?  Wirst Du beim „World Toughest Mudder“ wieder starten?
Das World Toughest Mudder lässt sich nicht mit den Rennen, die ich zuvor bestritten habe vergleichen. Zum einen war da natürlich die Herausforderung 24h am Stück zu laufen und zum anderen waren die Hindernisse deutlich schwerer zu bewältigen. Sie setzen eine ganz andere Physis voraus, um sie fehlerfrei und vor allem verletzungsfrei zu bewältigen.

Meine Verletzung passierte nach etwa 7h und 65km als ich für einen Augenblick unkonzentriert war. An einem der einfacheren Hindernisse, bei dem man sich an einer schrägen Holzwand aus etwa 4m Höhe abseilen musste, ist mir das Seil aus der Hand gerutscht. Ich bin dann noch etwas unglücklich gelandet und ich habe es direkt im Knöchel knacken gespürt.

Als ich dort am Boden lag und wusste, dass es nicht mehr weitergeht, wollte ich nie wieder an einem Hindernisrennen teilnehmen. Diese Stimmung hat allerdings nur etwa 3 Tage angehalten. Jetzt bin ich heißer als jemals zuvor. Zum World Toughest Mudder will ich definitiv zurückkehren. Gar nicht unbedingt um zu gewinnen, sondern vor allem um das Rennen zu beenden.

Klar bergen Hindernisrennen im Allgemeinen ein gewisses Risiko, aber insgesamt lässt es sich gut kalkulieren. Bei größeren Höhen und unebenen Boden, kann immer etwas passieren. Ich denke jeder, Trailläufer oder Kletterer, weiß wovon ich spreche. Durch die richtige Vorbereitung und etwas Konzentration, lassen sich die Risiken aber auf ein erträgliches Minimum reduzieren. Ich bin mir sicher, dass es auf den deutschen Fussballplätzen eine deutlich höhere Verletzungsquote gibt, als bei den Hindernisrennen.

Sind die deutschen und europäischen Läufe anders als die amerikanischen Formate wie z.B. der „Spartan Race“ und/oder der „Tough Mudder“?
Was unterscheidet den „World Toughest Mudder“ von anderen Extremhindernisläufen?
Bei den amerikanischen Läufen liegt der Fokus mehr auf dem ganzheitlichen Athleten. Beim StrongmanRun oder Tough Guy reicht es eigentlich schnell laufen zu können und halbwegs gut über die Hindernisse zu kommen. Bei den Amerikanern braucht man dagegen auch viel Armkraft um z.B. zu hangeln, Seile hochzuklettern oder um sehr hohe Wände zu überwinden. Außerdem ist der Strom deutlich stärker!!! Beim WTM habe ich bei einigen Hindernissen Schwierigkeiten gehabt sie korrekt zu absolvieren. Das ist mir zuvor noch nie passiert. Pussy Lanes etc. gibt es auch nicht. Sondern als Strafe z.B. 30 Burpees.

Wir haben Deinen Laufkalender angesehen – es ist wieder eine lange Serie an Läufen geplant. Was denkst Du, wann bist Du wieder richtig fit – wann wird Dein erster scharfer Einsatz sein? Wie hast Du Dich mit deinem Gipsfuss „fitgehalten“ – hast Du ein Spezialtraining entwickelt?
Ziel war es zum Strongman Run im Mai wieder konkurrenzfähig zu sein. Dies war allerdings auch ein sehr hartes Stück Arbeit, da ich erst im März 2014 wieder mit einem ordentlichem Lauftraining beginnen konnte. Zum Testen habe ich vorher noch bei dem einen oder anderen Wettkampf teilgenommen. Bei der Spartan Race Deutschlandpremiere in München würde ich im Format „SPARTAN SPRINT“ Zweiter.

Mit dem Gips habe ich so gut es ging versucht weiter zu trainieren. Ich war viel im Fitnesstudio, habe dort so gut es ging Kraft und Ausdauer trainiert, z.B. am Handbike. Mit einem wasserfesten Gips bin ich Schwimmen und Aquajoggen gegangen. Nachdem ich die ersten 3 Wochen quasi nur gelegen habe, habe ich mich über jede Art von Bewegung gefreut.

Wie sollte sich jemand auf einen Extremhindernislauf vorbereiten, der vorher klassischen Breitensport betrieben hat?
Das wichtigste ist natürlich das Laufen. Das wird gerne mal vergessen. Viele der Hindernisläufe haben ja Streckenlängen von etwa 20km. Das heißt den einen oder anderen Kilometer sollte man schon in den Beinen haben. Aber im Gegensatz zum klassischen Halbmarathon gibt es ja immer kurze Laufpausen in Form der Hindernisse. Daher ist der Strongman Run lauftechnisch für einen Laufanfänger nicht unbedingt schwerer zu bewältigen als ein Halbmarathon. Ansonsten ist Krafttraining vor allem in Form von Core – Stabilität sehr hilfreich. Bei all dem Krabbeln und Klettern sind Muskeln von Vorteil. Dies kann entweder im Fitnessstudio trainiert werden oder ganz klassisch mit Liegestütz und Klimmzügen.

Welche sportliche Leistung bewunderst Du? Hast Du Vorbilder, an denen Du Dich orientierst?
Ein richtiges Vorbild habe ich nicht. Ich bewundere jedoch alle Sportler, die mit Leidenschaft ihre Ziele verfolgen und auch Rückschläge verkraften.

Welche sportliche Herausforderung würde Dich noch reizen?
Ich würde gerne einmal durch den Ärmelkanal schwimmen. Dies ist schwerer als auf den Mount Everest zu steigen und ich schwimme eigentlich gar nicht so gerne. Trotzdem reizt es mich.

Welches war Dein längster Lauf oder Marsch? Zeit wie Strecke?
Im Wettkampf ca. 7h für den K78 des SwissAlpine und meine 7h beim WorldToughestMudder. Im Training etwa 5h im 4:30min/km Schnitt.

Wo würdest Du hinlaufen, wenn Du könntest?
Wenn ich könnte, würde ich es so wie Forrest Gump machen: Einfach loslaufen, so weit die Füße tragen. Durch Wüsten, über Berge, ans Meer.
Wenn ich keine Lust mehr habe, halte ich einfach an, wenn ich weiter laufen will, laufe ich weiter. Zwischendurch von anderen Menschen begleitet werden und Land und Leute kennenlernen.
Ob dies quer durch Europa, Amerika, Afrika, Australien oder Asien oder überall, spielt eigentlich keine Rolle, überall gibt es viele schöne Orte fernab der normalen touristischen Attraktionen.

Könntest Du Dir ein Leben (nur) als Profisportler vorstellen?
Wenn ich familiär unabhängig wäre, könnte ich mir dies gut vorstellen. Ich habe aber im letzten Jahr festgestellt, dass ich ungern längere Zeit für Trainingslager oder Wettkampfreisen von zu Hause weg bin. Zudem fehlt mir etwas die geistige Herausforderung, obwohl ich beim Sport ganz gut das Hirn ausschalten kann.

Wie Du uns im Vorfeld schon berichtest hast, hast Du ab Februar 2014 in Deinem eigentlichen Beruf anfangen zu arbeiten. Du bist fertiger Arzt – was ist Deine Tätigkeit? In welchem Fachgebiet hast Du promoviert?
Ich arbeite als Assistenzarzt der Unfallchirurgie am Uniklinikum Göttingen. Die Promotion ist noch in Arbeit. Es geht um Schilddrüsenoperationen.

 

Vielen Dank für Deine Zeit und das schöne Interview. Wir wünschen Dir hiermit ein schnelles Comeback und viel Erfolg für die Saison 2014 sowie einen guten Start in Dein Berufsleben als Arzt!

(rz)

 

Fotogalerie „Tough Guy Race“

Sportliche Vita Knut Höhler :

Als Kind und Jugendlicher war ich zunächst nur Schwimmer, bis ich im Alter von 18 Jahren mit dem Triathlonsport begonnen habe. Hier konnte ich schnell Erfolge feiern, unter anderem als Team-Junioreneuropameister 2002. Bis 2009 war ich anschließend für Hannover 96 und das HansGrohe Team Schwarzwald in der Triathlon Bundesliga unterwegs. Einige ETU Europacup Starts absolvierte ich in dieser Zeit ebenso.

Auf Grund von notorischem Zeitmangel, wegen Studium und Familie, begann ich langsam meinen Trainingsschwerpunkt auf das Laufen zu verlegen und entdeckte 2008 durch einen glücklichen Zufall den Fisherman’s Friend Strongman Run. Von Anhieb begeistert (und erfolgreich), blieb ich dieser jungen Sportart, die Amerikaner sagen „Obstacle Course Racing“ dazu, treu.

 

Fotogalerie „Fisherman’s Friend Strongman Run“

Sportliche Siege:
3x Sieger Tough Guy Race 2011 – 2013 Wolverhampton/GB
4x Sieger Fisherman’s Friend Strongman Run Deutschland 2008-2010, 2012
Sieger Men’s Health Urbanathlon Hamburg 2010 + 2011
Sieger Lake Run 2010
Sieger Bieg Katorznika 2009 Polen

 

Fotogalerie „Imagebilder | Urbanathlon Hamburg | Tough Mudder“

Weitere Informationen: www.knut-hoehler.de [45]

 

Bildquelle: BROOKS SPORTS GmbH, androgon.com