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…dann wird uns der Panzer ein ehernes Grab

7 November 2010 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Wir stellen vor „Lebanon“ – Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig

1982: Der erste Tag des Libanonkriegs. Vier junge, unerfahrene Soldaten, die mit ihrem Panzer eine Stadt hinter den feindlichen Linien auskundschaften sollen. Doch sie kommen von ihrer Route ab und bleiben liegen. Die Rekruten rechnen jeden Augenblick mit einem Angriff. Es bleibt ihnen nichts übrig, als in ihrem stählernen Gefängnis abzuwarten. Doch die klaustrophobische Enge des Panzers wird für die Vier zusehends unerträglich.

Der Film zeigt die Geschichte von Shmulik; es ist der 6. Juni 1982, der erste Tag des Libanon- Krieges, der israelische Rekrut tritt seinen Dienst als Panzerschütze an. Es ist sein erster Einsatz, er ist 20, die anderen vier, mit denen er im Einsatz ist, kennt er nicht.

Plötzlich wird es ernst. Der Panzer wird zum Gefängnis der vier blutjungen, unerfahrenen Soldaten, die bisher sonst nur auf Fässer geschossen haben.

Was draußen geschieht, erlebt der Zuschauer allein über die Zielfernrohr- Perspektive des Panzerschützen.

Der Film zeigt das Geschehen, mit Ausnahme der ersten und der letzten Szene, ausschließlich aus der Sicht von vier jungen Soldaten. Allein durch das Sichtgerät können die Zuschauer die unsichere Umgebung wahrnehmen und durch ein Zielfernrohr können sie „den Opfern direkt in die Augen blicken“, so der Regisseur Samuel Maoz. Der Wahnsinn des Krieges als Kammerspiel in einem Panzer. Der zermürbende Lärm der schwerfälligen Kampfmaschine; Hitze, Gestank und Angst sind in diesem Film fast körperlich spürbar.

Es ist seine Geschichte – Regisseurs Samuel Maoz hat mit seinem Spielfilmdebüt persönliche Erinnerungen verarbeitet. Er selbst war als junger Rekrut im Libanon-Feldzug eingesetzt. Samuel Maoz hat 25 Jahre gebraucht, um diesen Film machen zu können. „Um mir selbst verzeihen zu können – egal was du tust, du wirst töten“ , so Maos Worte zu seiner Erfahrung im Krieg. Der Regisseur Samuel Maoz verfolgt mit seinem autobiografischen Kriegsfilm ein ehrgeiziges Ziel: „Krieg darstellen, wie er ist.“

Daher blendet er, mit dem begrenzten Sichtfeld, bewusst den politischen Kontext des Israel-Libanon-Konfliktes aus. Denn es geht ihm nicht um die konkreten Ereignisse des Libanon-Krieges, sondern um „die blutenden Seelen der jungen Soldaten, die fast noch Kinder sind“.

Ein intensiver, starker Film über Soldaten in einem Panzer, der jeder Panzer auf der Welt sein könnte. Maos versucht den Film nicht über den Verstand, sondern über den Bauch und das Gefühl zu vermitteln; der Zuschauer soll dabei sein – die Opfer durch das Fadenkreuz sehen und den Auftrag erfüllen oder selbst zum Opfer werden. Kein Film für schwache Nerven – schonungslos hart und schockierend – die zivilen Opfer, die klaustrophobische Enge, die Orientierungslosigkeit der überforderten Soldaten.

Quelle: Senator Film Verleih

„Lebanon“ seit 14.10.2010 in den deutschen Kinos

http://www.lebanon.senator.de/

http://www.lebanon.senator.de/lebanon.html#/Film

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