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Der Prophet Amerikas

29 April 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Mark Twain, ein Nachruf zum 105. Todestag

Mark Twain, eigentlich Samuel Langhorne Clemens (* 30. November 1835 in Florida, Missouri; † 21. April 1910 in Redding, Connecticut), der zu seinen Lebzeiten berühmteste Prosaschriftsteller Amerikas, der heute wohl etwas in Vergessenheit geraten ist, wurde in erster Linie mit seinen unvergesslichen, humoristischen Geschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn als Autor von jugendlichen Abenteuern weltweit bekannt. Als Vertreter des amerikanischen Realismus ist er darüber hinaus besonders wegen seiner witzigen, von Lokalkolorit und genauen Beobachtungen geprägten Beschreibung der sozialen Verhältnisse und seiner scharfzüngigen Kritik an der amerikanischen Gesellschaft hervorgetreten. In seinen Werken beschreibt er den alltäglichen Rassismus, wobei seine Protagonisten die Heuchelei und Verlogenheit der herrschenden Verhältnisse zu durchschauen vermögen.

Mark Twain wurde 1835 geboren und verbrachte seine Kindheit in dem kleinen Städtchen Hannibal am Missisippi. In den autobiographischen Erzählungen befasst er sich mit den Streichen und Abenteuern seiner dort erlebten Kindheit, als eine bunte Mischung aus Dampferanlegestelle und Friedhof, Flussinsel und Stränden, aus Trunkenbolden und Sklavenhändlern. Mit 18 begann er ein rastloses Wanderleben quer durch die Vereinigten Staaten und ging unterschiedlichsten Tätigkeiten nach, war Setzer an der Ostküste und im mittleren Westen, Schiffer auf dem Missisippi, Silbergräber und Journalist in Nevada und San Francisco. Das bunte Kaleidoskop seiner beruflichen und abenteuerlichen Unternehmungen verarbeitete er literarisch in seinen vielen Traktaten.

In seinen letzten Lebensjahren machten sich, bedingt durch schwere Schicksalsschläge wie der Verlust seiner Frau und der Tod zweier seiner Töchter, Bitterkeit, Lebensüberdruss und Besorgnis bei ihm bemerkbar. Dies führte zu einer allgemein kritischeren Haltung den USA gegenüber. Er sah besonders die bürgerlichen Freiheiten gefährdet und verfasste zahlreiche politische Kampfschriften gegen den Aristokratismus der Südstaaten im Bürgerkrieg und pessimistische Abhandlungen über die Tendenzen des sogenannten „Goldenen Zeitalters“ , das er in seinem einzigen Roman „The Gilded Age“ (1873) beschrieb.

Auf seinen vielfältigen Lesereisen, die ihn ins Mittelmeer bis nach Palästina führten und auch mehrmals in Deutschland Station machen ließen, hat er oft seinen Spott und Witz selbst über gekrönte Häupter ausgeschüttet, was kein geringerer als George Orwell zum Anlass nahm, ihn als Hofnarr zu titulieren. Letztlich aber konnte er dann 1906 bereits prophetisch als Verfechter des „American Way of Life“ verkünden: „Wir werden Europa amerikanisieren, und in nicht allzu langer Zeit den Job vollendet haben“.

Vier Jahre später starb er am 21. April 1910, vier Jahre darauf verging Europa das Lachen (Zitat nach Spiegel).

(wz)

 

Quelle: ImageShack Corp/Spiegel

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