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Plan B

11 Januar 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Was machen, wenn der Motor streikt?

Mal wieder „fünf vor Zwölf“, viel zu spät dran. Eigentlich erwartet einen der Vorgesetzte pünktlich zum Meeting, um über die Zahlen des letzten Quartals zu sprechen. Aber: daraus wird wohl nix. Warum? Nun: erst mal Platz genommen im klassischen Saab Cabrio mit Baujahr 1993. Beim Starten dann die Warnung im Display: eine rote Warnlampe in Form einer Ölkanne zeigt an: kein Öldruck vorhanden. An eine Fahrt zur Arbeit ist nicht zu denken…

Die Vorgeschichte: Angefangen hat es mit einer simplen Reparatur am Vortag. Austausch eines Thermostats. Ja, das ist ja einfach – warum sollte Mann damit zu einer Fachwerkstatt fahren und überteuerte Preise bezahlen? „Selbst ist der Mann“, heißt es doch so schön. Oder: „Hilf Dir selbst“?! Na dann mal los: Altes Thermostat ‚raus, neues ‚rein! Super, das war ja einfach! Beim Abschluss der Selbsthilfe passiert es dann: „Knack“ – ein Geräusch, das nichts Gutes verheißt. Und das Stück abgebrochener Stahl in den Händen bestätigt die Vermutung! „Sch…“- Schraube überdreht, und das auch noch am Zylinderkopf! Was nun? Einfach so lassen und weiterfahren? Nein, sicher nicht. Nun, dann „mal eben schnell“ ausbohren das Ganze und ein neues Gewinde ‚rein drehen, bestimmt kein Hexenwerk! Gesagt, getan. Hm, hat alles geklappt! Ein gutes Gefühl… Dann nur noch „mal eben“ die Späne aus dem Bohrloch pusten. Druckluftschlauch angesetzt, und siehe da: „…ähhh – warum zum Teufel kommen mir die Späne beim Pusten nicht aus dem Loch entgegen geflogen, sondern vielmehr Wasser ruckartig aus dem abgezogenen Kühlerschlauch vorne?“ Ein Blick mit der Taschenlampe gibt Aufschluss! An der Stelle, wo eine Trennwand sein sollte, ist nun – man ahnt es schon- genau: Nix mehr – gähnende Leere.

Ergebnis der Bohraktion: „Loch sauber nach hinten durch gebohrt! „Na super“. Wer an dieser Stelle Dank Hemisphärenspezialisierung, seine linke Gehirnhälfte aktivieren würde und eine Zwischenbilanz zieht, würde feststellen, dass gerade ein Schaden von eventuell mehreren Tausend Euro entstanden ist.

Aber zum Glück gibt es ja noch die rechte kreative Hälfe des Gehirns, die schnell nach einer Lösung verlangt. Also: Stahlpaste zur Hand, Schrauben festgezogen, und die Späne im Motorblock ignoriert! Nun starten: Motor läuft. Alles klar. Das war ja einfach! Eine Probefahrt muss ja auch noch sein. Und weil man’s genau wissen will- auch ein Stück Autobahn. 200 Sachen sind auch drin. Klasse, so will Mann das doch haben! Nochma‘ Glück gehabt… Nix klappert, nix rasselt, Auftrag umgesetzt!

Soviel zur Vorgeschichte!

Denn da sitze ich nun einen Tag später am Morgen im geliebten Klassiker: will zur Arbeit, mein Chef und meine Kollegen warten, und das Auto demonstriert mir mit dem Warnsignal: „da is was faul!“ Und derweil dämmert es der rechten Gehirnhälfte, dass sie lieber mal auf die leisen Botschaften der linken Hälfte gehört hätte. Nun denn, trotzdem ein Startversuch. „Neeeeeeeeeeeeiiiiiiiiin!“ Da ist es: ein lautes Klappern, Rasseln und sonstige Geräusche, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Aber jetzt heißt es: keine Panik, bloß nicht die Nerven verlieren. Überlegen, was ist zu tun? Die rechte Gehirnhälfte sendet an die linke: „Gib mir ein Zeichen!“ Und dann kommt die sehnsüchtig erwartete Information. Elegant schlängelt sie sich durch die Gehirnwindungen und erreicht unversehrt die Synapsen… „Geh doch einfach zu Deiner zweiten Garage, und setze Dich in Dein Sonntagsauto, einen „Saab Sonett III“.

Auch wenn die Sonne gerade nicht scheint, Du wirst – wenn auch zu spät – wenigstens in der Firma ankommen. Und auf dem Weg zur Arbeit denke ich über den Spruch „Selbst ist der Mann“ noch einmal genauer nach und freue mich an einem Montagmorgen, den Sonntag quasi durch eine unfreiwillige Ausfahrt im Sonntagsauto ein wenig verlängert zu haben.

(sh)

Bildquelle: R.Wildhaber/pixelio.de/abbottracing.net

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