Home » Literatur

Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi

21 November 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Zum Todestag des großen russischen Schriftstellers

Am 20. November 1910 starb der große russische Schriftsteller Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi, der für die Russen weit mehr war, als ein großer Denker, Religionsphilosoph, Humanist und moralische Institution. Vielmehr galt er als die Inkarnation der unergründlichen russischen Seele. Wie in einem seiner großen Romane hatte der todkranke 82-jährige sein Ableben selbst inszeniert – auf seiner letzten Flucht von seinem Adelsgut in Jasmaja Poljana bei Tula, ca.200km südlich von Moskau, als er im Dienstzimmer einer kleinen Bahnstation nach einer Lungenentzündung verstarb.

Mitten in den Irrungen und Wirrungen des 19. Jahrhunderts, in denen in Russland erst mit Verspätung die Modernisierung des despotischen zaristischen Systems sich allmählich durchsetzte, begann langsam ausgehend von Puschkin die Hochblüte der russischen Literatur mit den großen Autoren des russischen Realismus: Turgenjew, Dostojewski, Tolstoi, danach Gorki und Tschechow, denen allen gemeinsam war, dass sie ihre literarischen Stoffe aus dem eigenen Volksleben entnahmen.

Tolstoi wurde als Spross einer alten Adelsfamilie geboren, studierte an der Universität Kasan orientalische Sprachen. Nach dem Wechsel zur juristischen Fakultät brach er das Studium 1847 ab, um zu versuchen, die Lage seiner 350 geerbten Leibeigenen im Stammgut der Familie in Jasnaja Poljana mit Hilfe von Landreformen zu verbessern. Zugleich aber führte er das an amourösen Abenteuern reiche Leben in Moskauer Salons. Davon angewidert begab er sich auf den Spuren seines verehrten Lehrers Puschkin in den Kaukasus und nahm später am Krimkrieg als Offizier teil. Nach Reisen ins europäische Ausland kehrte er auf sein Gut zurück und heiratete ein deutschstämmiges 18-jähriges Mädchen aus bürgerlicher Familie, Sophia Andrejewna Behr, mit der er 8 Kinder hatte und bis zum Lebensende auf seinem Gut zusammenlebte.

Seine ersten Schreibversuche sind vor allem durch autobiografische Werke gekennzeichnet, die sich auf seine zuvor geschilderten ersten Erlebnisse und Reisen bezogen. Später drängten sich immer stärker seine moralisch pädagogischen und sozialrevolutionären Anliegen in den Vordergrund. Tolstoi wollte ein Tatchristentum vorleben und wandte sich gegen die traditionelle Ehe und Kirche, die bis zu seinem Ausschluss aus der Kirche führten.

Sein gesamtes schriftstellerisches Werk umfasste mehr als 50 Titel. Als einzigartig sind jedoch seine geradezu epischen Romane zu betrachten, wie z. B. das mehrfach verfilmte Epos „Krieg und Frieden“ , das den Widerstand der Russen gegen Napoleon in historisch vielschichtiger Dimension wiedergibt; ein Roman, der allein vom Umfang her zuvor Hervorgebrachtes sprengte. Die tragische Liebe einer verheirateten Frau aus bester Gesellschaft zu einem galanten Offizier in „Anna Karenina“, hat in ihrer Dramatik bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Nicht zuletzt diese beiden Romane begründeten seinen Weltruhm und brachten ihm den Nobelpreis ein (im Jahre 1901), den er durch seine immer radikaler werdende soziale Einstellung jedoch ablehnte. Seine schriftstellerische Genialität blieb davon allerdings unberührt.

(wz)

http://www.youtube.com/v/nNpNYkcZk-w

 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (3 votes, average: 4,67 out of 5)
Loading...