- androgon - http://www.androgon.com -

Bhutan – The Last Secret

unnamed7 [1]Bhutan  – The Last Secret – 200km – 6 Stationen

Du bist noch nie durch das glücklichste Land der Erde gelaufen?
Bhutan, das einzige Land der Erde, dass  die gesellschaftliche Entwicklung an der Glücklichkeit des gesamten Landes misst.

Hans Schmid war dabei!

Anreise:
Ich sitze gerade im Flugzeug von Tokio nach San Francisco. Meine Reise begann sehr früh heute morgen in Bangkok. Dort hatte ich unerwartete 2 Tage Zwischenaufenthalt. Das war nicht geplant. Ich dachte ich hätte nur 12 Stunden Pause zwischen Flügen und wollte eigentlich auf einer Bank im Flughafen übernachten. Doch ein paar Laufkameraden wollten in ein günstiges Hotel in der Nähe des Flughafens. Da hing ich mich dran und hatte wenigstens ein paar Stunden guten Schlaf. Um 4 Uhr war ich wieder startklar und auf dem Weg zurück zum Flughafen. Noch einen Blick auf den Flugplan und da kam die große Überraschung – es war Sonntag, aber mein Flug war für Dienstag geplant. Keine Ahnung wie das passieren konnte. Ich bin eigentlich ja auch kein Anfänger mehr. Zuerst war ich verärgert doch dann sagte ich mir, dass ich doch schon immer Bangkok kennenlernen wollte. Also 2 Tage Sightseeing in Bangkok.
Es scheint Hunderte von Tempeln in Bangkok zu geben. Ich begnügte mich mit dem Bekanntesten, dem Temple of The Emerald Bhudda and Grand Palace. Weil ich nur in kurzer Hose unterwegs war musste ich für die Besichtigung eine lange Hose mieten (gegen Pfand). Dies hatte sich aber wirklich gelohnt. Die Bauwerke sind wirklich eindrucksvoll; die Anlage riesig und alles glänzt in Gold.

Mein bevorzugtes Transportmittel waren die Tuk Tuk (Rickschas). Interessant, billig und wendig in dem Mordsverkehr. Die Floating Gardens liegen etwas außerhalb. Davon war ich enttäuscht. Ich dachte, dass sei so eine Art schwimmender Wochenmarkt, wo die Bauern ihre Früchte und Gemüse anbieten. Statt dessen ist dies eine reine Touristen-Attraktion, wo alle Souvenirs verkaufen wollen.

Der Weekend Market ist das schon anders. Dort kann man praktisch alles kaufen – billig. Touristen und Einheimische kaufen dort ein. Und kaufen kann man wirklich alles. Kleidung der Luxusmarken (natürlich gefälscht) bis zu Hunden, Schlangen, Fischen und alle Sorten Vögel. Der Tierschutzverein dürfte dort aber nicht reinschauen. Deshalb ist Fotografieren auch verboten.
Politisch ist Thailand immer noch ein Krankenfall. Das Militär regiert weil die Politiker sich nicht einigen können. Nachts gibt es immer noch eine Ausgangsperre.

Es ist Anfang der Regenzeit und das Wetter ist heiß und schwül.
Die ganze Stadt scheint von jungen Leuten zu wimmeln. Die jungen Mädchen meist in kurzen Hot Pants.
Das Essen schmeckt in Thailand. Ich habe gleich zweimal abends einen ganzen gegrillten Fisch verzehrt; nach einem bestimmten Ritual, das mir die nette Kellnerin demonstrierte. Und bei der Hitze wurde selbst ich zum Biertrinker…

Vorbereitung:
Der eigentlich Grund meiner Reise ist ja Bhutan. Das stand schon lange auf meinem Wunschzettel. Als ich dann über den „Bhutan – The Last Secret“ 6 Tage Etappenlauf erfuhr war ich mit dabei. 200 km in 6 Tagen mit Höhenunterschieden von 10.000 m rauf und 8.000 m runter.

Bhutan ist nicht billig. Es gibt nur die landeseigene Fluglinie, die den schwierigen Flughafen in Paro anfliegt und sich dies auch entsprechend honorieren lässt. Außerdem wird jedem Touristen ein Tagessatz berechnet, der normalerweise Unterkunft, Transport und Essen deckt. Getränke und Luxusartikel gehen extra. Wie das alles aber letztlich verrechnet wird, ist und bliebt ein Rätsel.

Den ersten und letzten Tag haben wir im Hotel verbracht. Während dem Lauf schliefen wir dreimal im Zweimann-Zelt, einmal auf dem Fußboden in einem unbewohnten neuen Haus und einmal in einem 100-Jahre alten Bauernhaus, alle zusammen wie die Sardinen, auf dem Fußboden.
Unsere beste Untekunft war allerdings in einem Kloster auf 3500 m Höhe, in dem wir kleine Räume mit den jungen Mönchen Teilen durften. Da ging es eng her.
Wie tolerant der Buddhismus wirklich ist, wurde anschaulich gezeigt, als selbst unsere Läuferinnen ihre Zellen mit den jungen Mönchen teilten durften/konnten. Für die Mönche war dieser Lauf bestimmt das Ereignis des Jahres. Die Bedingung für die Unterkunft im Kloster war auch nur ein Fußball-Freundschaftsspiel auf einem kleinen holprigen Fußballplatz hinter dem Kloster, das allen großen Spaß bereitete.
An diesem Tag mussten wir dann allerdings noch über 2 Pässe laufen von je 3600m und 3400m. Wir liefen also meist im Mittelgebirge der Himalayas.

Bhutan ist eine demokratische Monarchie mit einem sehr beliebten jungen König. Es grenzt im Norden an China (Tibet) und im Süden an Indien. Die Bhutanesen sind sehr darauf bedacht, ihre Unabhängigkeit und eigene Kultur zu bewahren. Es ist ein wirklich besonderes Land mit ganz außergewöhnlichen Kleidung und Architektur. Die bemalten Häuser erinnern ein bißchen an die Chalets der Alpen. Bis vor 60 Jahren gab es noch keine Straßen, bis heute auch noch keine Verkehrsampeln. Ein Polizist in seinem kleinen Häuschen regelt den Verkehr auf der Hauptkreuzung. Doch auch hier lässt sich der Fortschritt nicht ganz verdrängen. Fast jeder besitzt ein Handy. Die Einfuhr von Autos wurde gebremst weil hierfür die Infrastruktur einfach nicht gegeben ist; dennoch ist Lebensqualität wichtig.

Aber in Buthan soll es nicht um Geld gehen. Das Motto des Landes ist „Groß National Happiness“ statt dem üblichen Messwert „Groß National Product“.
Die Leute sind sehr freundlich, aufgeschlossen und lassen sich gerne fotografieren; besonders natürlich die Kinder.

Der Lauf:
Unsere Laufgruppe war sehr international. Die größte Gruppe bildete Deutschland mit 8 Läufern, ein Teilnehmer war aus der Schweiz, es gab ein paar Engländer, dazu noch Japaner, Franzosnen, Spanier, Kanadier, Italiener. Auch waren Singapore, Südafrika und auch ein Einheimischer vertreten. Dieser konnte zwar am ersten Tag fast nicht mithalten, weil es unheimlich heiß war, er steigerte sich dann aber jeden Tag und blieb dabei.
Mein Zimmer- und Zeltgenosse war Michael aus Nürnberg. Die Laufstrecke war sehr gemischt; teilweise auf Teerstraßen in der Nähe von Städten, dann wieder Geröllstraßen in freier Wildbahn.
Manchmal ging es durch Reisfelder, die man auf einem schmalen Mäuerchen laufen mußte und dabei die Entscheidung treffen sollte, entweder ins trübe Wasser oder in einen (wie erkläre ich es…) kleinen Abfall hinunterzufallen. Eine Läuferin wurde sogar von einem Bullen in den Reisfeldern angegriffen.
Weiter war es interessant, die Frauen bei der Arbeit in den Reisfeldern zu beobachten. Natürlich waren sie nicht ganz so attraktiv wie Sophia Loren (oder war es Gina Lollobrigida?) in „Bitterer Reis“.
Am besten gefielen mir jedoch die schmalen Pfade hoch in den Bergen, wo man winzige Walderdbeeren am Wegesrand pflücken konnte. Die Baumgrenze liegt sehr hoch, selbst bei 3600m lief man noch durch Wälder und Almen (?).

Bhutan ist das Land der bellenden Hunde. Die haben wir öfters mal bei Nacht verflucht, wenn wir unsere Ruhe brauchten und diese dann ihr Nachtkonzert aufführten. Hunde gibt es überall, meist nur Straßenhunde, allgemein scheinen sie aber gut genährt zu sein. Scheinbar gibt es jetzt eine Kampagne, viele zu kastrieren, damit die Bevölkerung nicht ganz überhand nimmt.
Am letzten Tag ging es nochmals kräftig rauf auf 3000m Höhe, wo das berühmte Kloster „Tiger’s Nest“ in eine steile Felsenwand gebaut wurde. Das war schon eine einmalige Zielkulisse. Und wir waren natürlich froh, dass wir es geschafft hatten.

Ergebnisse:
Von den 35 Läufer, die gestartet waren, haben nur 3 eine oder mehrere Etappen wegen Verletzung oder Erschöpfung verpasst und sind demnach nicht im Ziel angekommen.
Dabei waren Ehepaare, Vater und Tochter, eine ganze Familie mit Eltern und Sohn. Alle sind wir gut miteinander ausgekommen und hatten viel Spaß trotz der körperlichen Anstrengung. Es war ein Genuss, die letzte Nacht in einem Luxus Hotel mit heißer Dusche und weichem Bett verbringen zu können.
Zur Siegerehrung kamen sogar 2 Minister der Regierung. Ich wurde ein wenig ins Rampenlicht gerückt, weil ich der Älteste war. Ich war aber nur froh, dass ich alles gut überstanden hatte; ohne Verletzung und ohne Magen- oder Höhenprobleme. Eine einzige Blase habe ich erst am Ende beim Duschen entdeckt.
Auch das Laufen lief gut. Abgesehen von den Spitzenläufern rennt man bei so einem Lauf ja nicht wie verrückt. Immerhin habe ich es auf Platz 12 geschafft.

Fazit:
In der Retrospektive hatten wir ein Riesendusel mit dem Wetter; am Anfang hieß es „Regen an jedem Tag“. Letztlich hatten wir einen gelegentlichen Spritzer und auch Hitze, aber insgesamt ausgezeichnete Wetterbedingungen. Vielleicht auch Dank der Gebetsmühlen, die wir unterwegs angetrieben haben? Auch als Finisher Medaille gab es eine Mini Gebetsmühle.

Ein schönes Land, ein toller Lauf, gute Laufkameraden – ICH WAR GLÜCKLICH – was will man mehr?

(HS – Hans Schmid)

Weitere Informationen unter: www.global-limits.com [2]

Quelle und Bildquelle:
Hans Schmid (HS)