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Sparta – Ein antikes Erziehungsmodell?

17 April 2014 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Sparta – Ein Erziehungsmodell?

Immer wenn der Zeitgeist in seiner Entfaltung an Grenzen stößt oder mit den vorherrschenden Verhältnissen nicht zurechtkommt, wie z. B. in unserer postmodernen Zeit, wo die Eliten in Politik, Wirtschaft und Kultur elementar versagt haben, wird nach „wahren“ Vorbildern gesucht. Wie etwa mit historischen Ereignissen in Form von herausragenden Taten einzelner Persönlichkeiten oder der Gründung von Gemeinwesen. Ein solcher Mythos stellt z. B. der Stadtstaat Sparta dar, der als eine Ausnahmeerscheinung in seiner kriegerischen Mannhaftigkeit noch heute faszinieren kann, wie kaum eine zweite Erscheinung im antiken Griechenland.

Die gewaltige Kraft, die von diesem Stadtstaat in zahlreichen Behauptungskämpfen aufgebracht werden musste, gründete zu einem wesentlichen Teil in dem einzigartigen Erziehungssystem, dass Sparta zu seiner Jahrhunderte langen, unbestrittenen Vormachtstellung in Griechenland verhalf.

Viele antike Beobachter suchten eine Erklärung für diesen beispiellosen Erfolg, für die Unbesiegbarkeit der spartanischen Armee und Stabilität seiner Verfassung und fanden sie in einer einzigartigen inneren Ordnung, in einer besonderen Treue zu den Gesetzen, in einer streng reglementierten bürgerlichen Lebensweise und in einer uns heute fast totalitär anmutenden Erziehung der Jugend.

Wie sahen diese Erziehungskriterien im einzelnen aus, von denen der Historiker Plutarch schon in der Antike bemerkte: „Niemand durfte leben wie er wollte; in der Stadt hatten die Spartaner wie in einem Feldlager eine genau festgelegte Lebensweise und eine Beschäftigung, die auf das öffentliche Wohl ausgerichtet war, da sie dachten, sie gehörten ganz dem Vaterland und nicht sich selbst.“

Generell regelte die spartanische Gemeinschaft rigoros das Leben der Menschen. Ziel der Erziehung (Agogé) war es , staatstreue Bürger zu erziehen. Diese bedingungslose Treue führte Sparta zu der zuvor beschriebenen Machtposition im antiken Hellas.

So wurden schon Neugeborene einer Kommission vorgestellt, die dann entschied, ob das Kind am Leben bleiben durfte. Erschien das Kind als nicht “lebensfähig”, weil es z.B. zu schwach war, wurde es ausgesetzt und verhungerte dann fast immer elendig. Dem akzeptierten Kind wurde ein Stück Land für die Zukunft zugesprochen.

Bis zum 8. Lebensjahr lebten die Jungen in ihrer Familie. Sie wurden von Ammen erzogen. Schon hier begann die Abhärtung für das spätere Leben in der Gemeinschaft. Gehorsam, Furchtlosigkeit und Beherrschung der eigenen Gefühle wurden gelehrt.

Danach wurden sie in eine Gruppe, eine so genannte “Herde” aufgenommen. Hier lebten sie in der Gemeinschaft, übten sich in kriegerischen Disziplinen und beugten sich bedingungslos den Eirenes, den Befehlshabern der Gruppe. Auch hier galt es, die Kinder abzuhärten. So mussten sie oft bei jeder Jahreszeit nackt die Übungen durchführen. Ihre Unterkünfte waren mehr als einfach. Verstöße gegen die Disziplin wurden durch Prügel geahndet. Die Jungen wurden auch gezwungen, ihre Nahrungsmittel zu stehlen. Wer ertappt wurde, erhielt Prügel. Nicht, weil er gestohlen hatte, sondern, weil er sich hatte fangen lassen.

Die Jungen wurden auch in der Debattierkunst geschult. Die Reden sollten kurz und treffend sein, daher auch der Ausdruck “lakonische” Rede und Sprache.

Das Zusammenleben der Jungen, ihre Bindung an erwachsene Männer führte oft zu homoerotischen Verbindungen, die von der Gesellschaft und auch der Religion geduldet und gefördert wurden. Ihren kulturellen Ursprung hatte diese Form der spartanischen Manneszucht wohl aus der Zeit der dorischen Wanderung. Denn ein Stamm konnte nur überleben, wenn seine Krieger überlegen waren infolge von besonderem Mut und Kameradschaft .

Die Vererbung der Tugend (Arete) vom Vater auf den Sohn war für den Bestand der Gesellschaft von besonderer Bedeutung. So wurde es üblich, dass die älteren Krieger als Mentor den jüngeren Männern zur Seite standen. Der Ältere war der Erzieher des Jüngeren und war auch dem Vater des jungen Mannes rechtlich gleichgestellt. Dieses Verhältnis wurde auch für das Militär genutzt, indem die beiden Männer Seite an Seite kämpften.

Von der jugendlichen Erziehung in der Agoge wechselte der junge Mann in eine so genannte Zeltgemeinschaft, die ebenfalls zu einer festen Gruppenbindung beitragen sollte. Bis zum 60. Lebensjahr blieb der Mann für das Militär dann tätig und war stimmberechtigt in der Volksversammlung.

Ein Kennzeichen der Zeltgemeinschaften (Syskenien) waren die gemeinsamen Mahlzeiten ihrer Mitglieder. Diese Zeltgemeinschaften bildeten auch die kleinste militärische Einheit. Die Gemeinschaft entschied auch darüber, wer aufgenommen wurde oder auch ausgeschlossen wurde. Wer seine finanziellen Beiträge zur Gemeinschaft nicht mehr aufbringen konnte, wurde z.B. ausgeschlossen. Der Spartiate verlor dann auch seine Bürgerrechte. Auch Feigheit im Krieg konnte zum Ausschluss führen.

Manche dieser rigorosen Erziehungsvorstellungen mögen in der heutigen, an wahren Autoritäten defizitären Zeit angebracht sein, um den in der Adoleszenz befindlichen jungen Mann eine gewisse Richtschnur für sein Handeln zu geben. Um jedoch den Übergang zur Reife des Erwachsenen in gelungener Weise zu vollziehen, erscheint es allerdings wichtiger, dem Jugendlichen ein hohes Mass an Sicherheit, Verlässlichkeit und das Vorleben einer geordneten Welt zu vermitteln.

(wz)

Bildquelle: Das frühe Sparta/Leonidas an den Thermopylen/Louvre

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