Home » Zeitgeist

Unternehmen Barbarossa 2010

27 Dezember 2010 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Unternehmen Barbarossa 2010

Nach nur 2½ Tagen Sinnlichkeit wird nun zum Sturm gerüstet. Die Apokalypse ist weithin spürbar. All die vom Christkind (Verantwortlicher West) und vom Weihnachtsmann (Verantwortlicher Ost) Enttäuschten, die Heere der Unglücklichen verbannt auf die Sitzgarnituren der Wohnzimmer. Das Familienidyll von „Küsschen“ bis „für den besten Vati der Welt“. Scheinbar ohne Ende diese Tragik. Tage, Stunden, Minuten und Sekunden die unentrinnbar nicht zu vergehen wollende Zeit.

Doch die Rache wird kommen so wie das nie geglaubte Ende manch familiärer Nachmittage. Der aufgestauten Wut folgt die Entlastung. Druck erzeugt Gegendruck.Miese Geschenke der Frau, von Oma fünf Stofftaschentücher mit Initialen und überhaupt.

Enttäuscht wieder zusammengesetzte Präsente sind die Munition des gelangweilten Kaufbürgers, Umtausch die Waffe. Und so prallen die Heere des Konsums erneut aufeinander. Die mit dem Schild: „Freundlichkeit hat einen Namen: Peggy Schmitz“ im Abwehrkampf gegen die ohne Namen. Soldaten des Schattens. Voller Entschlossenheit, genährt durch das Daheimhocken mit Frau und Kind. Zum Äußersten bereit. Ladenöffnung entspricht Ablaufzeit. Blitzkrieg! Und so beginnt die Schlacht tief im gegnerischen Raum. Der Kampf um das einzig Wahre in der zivilisatorischen Hochkultur unserer Zeit. Gemein, wenn das angeblich äußerst teure Geschenk eher als Schleuderware zu bezeichnen ist und ein Umtausch extreme finanzielle Aufwendungen birgt.

Kommen dann Vati oder Mutti mit deutlich weniger Geld aus dem vermeintlich erfolgreichen Feldzug, so wird den Daheimgebliebenen berichtet wie einst von Opa mit Ostmedaille. Denen haben wir es gezeigt! …nicht mit uns! …so richtig den Hintern versohlt. Haha. Tja, hätte Peggy was vernünftiges gelernt….Da schauen die Kinder mit großen Kulleraugen und offenen Mündern wie niederträchtig die Welt nach Weihnachten wirklich ist. Und so senkt sich der Pegel langsam auf Normalnull. Die Heere fließen ab wie das Wasser aus der Badewanne. Die Verwundeten sind rasch verschwunden. Was folgt ist eine Frontbegradigung bis zum nächsten Jahr. Die Zeit zwischen den Jahren kann man so wunderbar nutzen.

(sb)

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (4 votes, average: 4,75 out of 5)
Loading...