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Immaterielle Seele

5 Februar 2015 Ein Kommentar PDF Drucken Drucken

emahoDer Wunsch nach Unsterblichkeit

Aus Anlass des gerade abdrehten Science-Fiction Thrillers “Phönix“, dessen Hauptdarsteller Beat Martin kürzlich von androgon interviewt wurde, werden von unserem Männermagazin zu der Thematik der Unsterblichkeit des Menschen  verschiedene  Artikel zu den frühen Vorstellungen  bis zu den Möglichkeiten seiner Realisierung folgen. Der nachfolgende Überblick gibt einen Eindruck von ersten historischen Befunden und philosophisch/religiösen Betrachtungen.

Der uralte Menschheitstraum vom ewigen Leben hat auch heute in unserer Moderne nicht an Attraktivität eingebüßt. Durch neue medizinische Techniken, die Gentechnologie und die Digitalisierung werden zukünftige Entwicklungen in Aussicht gestellt, mit denen offenbar der Tod besiegt werden kann. Hinzu kommt, dass vielfach von der Sciencefiction-Szenerie unseren Zeitgenossen große Hoffnungen suggeriert werden, dass bald ein Zeitalter anbrechen wird, wo diese Vision kurz vor der Realisierung steht.

Historisch gesehen, waren selbst die Steinzeitmenschen mit Ihren Grabbeigaben bis zu den Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens von einem Weiterleben nach dem irdischen Dasein überzeugt; und auch in der Antike unseres Abendlandes waren die Götter bereit, ihre Zeitgenossen in ihren Kreis der Unsterblichen aufzunehmen, wenn sie entsprechende gott-gefällige Leistungen  während ihres Lebens erbracht hatten. Paradiesische Zustände versprechen ebenfalls die großen drei Weltreligionen bis zum heutigen Tag. Bei allen steht im zentralen Mittelpunkt ihres Glaubens die Unsterblichkeit der Seele und das ewige Leben nach dem Tod. Im Christentum ist zusätzlich die Auferstehung des Leibes von besonderer Aktualität. Auffällig ist die extreme Gewalt , die zur Zeit von einzelnem fundamentalistischen Gruppierungen des Islam bis hin zum Selbstmord  ausgeübt werden, um ins Paradies zu gelangen.

Bei der philosophischen Betrachtung der Unsterblichkeit des Menschen wird zumeist die christliche Sicht von der Immortalität der Seele mit der griechischen Lehre  in Zusammenhang gebracht. Platon, der große griechische Philosoph, hatte ein schlüssiges Bild vom Leben nach dem Tod. Er glaubte an eine immaterielle Seele, die unseren materiellen Körper belebt und ohne Körper weiterhin existieren kann. Nach dem Tod geht die Seele dann in ein sogenanntes Reich der Ideen über, wo alles schön und gut wie auch ewig ist.  Hier kann sie sich ohne jede Störung durch den Körper  an den Ursprung ihres Seins erinnern, als sie noch mit dem Göttlichen vereint war, dem Urzustand  vom  Paradies .

Schon zu seiner Zeit wurde Platons Hypothese von seinem eigenen Schüler Aristoteles widersprochen, für den die Vision eines reinen Seelenlebens ohne Körper bezogen auf die Existenz als Person nicht vorstellbar war. Auch in der heutigen Moderne findet dieser Dualismus zwischen Körper und Seele keine Akzeptanz, zumal dem Menschen in der heutigen Zeit sowohl geistige wie auch körperliche Eigenschaften zugesprochen werden. Als körperlose Seele im platonischen Paradies wären wir wohl kaum in der Lage uns in unserer ursprünglichen körperlichen Form im Reich des Paradieses wieder zu erkennen. Auch in der Philosophie der östlichen Völker; wie etwa dem Buddhismus und Hinduismus ist der Glaube an ein Leben nach dem Tode wesentlicher Bestandteil ihres Denkens. Mit der Reinkarnation, der Wiedergeburt der unsterblichen  Seele in einem neu in Erscheinung  tretenden Wesen – Mensch oder  Tier  –  geht der gestorbene Mensch in eine neue Existenz  über. Die meisten Menschen werden auf Grund ihres sündhaften Lebens einer geringeren Rangstufe zugeordnet, nur die Priester können sich entscheiden, auf welchem Niveau sie wieder in Erscheinung zu treten wünschen.  Während im Christentum die personale  Identität im Leben  nach dem Tode von entscheidender Bedeutung ist, findet dieser Aspekt im östlichen Denken keine Berücksichtigung, da die Seele sich nach einer Erlösung von den Bedürfnissen und Leiden des irdischen Lebens sehnt und ins Nirwana eingehen möchte.

In der heutigen vom rationalen Denken geprägten Neuzeit , in der die Religionen mit Ausnahme des Islam immer mehr an Bedeutung verloren haben,  wird in verschiedenen wissenschaftlichen Ansätzen bereits die Erforschung der Unsterblichkeit des Menschen in Angriff genommen. Dazu hat vor allem der zuvor erwähnte technologische Fortschritt auf Seiten der Medizin sowie der Digitalisierung neue revolutionäre Schritte unternommen..

Über die Option der Kryonik, die in dem von androgon diskutierten Filmprojekt „ Phönix“ zuvor vorgestellt wurde (s. Interview mit Hauptdarsteller Beat Martin), soll durch das Einfrieren des menschlichen Körpers oder des Gehirns als Sitz des Bewusstseins eine Konservierung über längere Zeiträume hin erreicht werden, um diesen in der Zukunft wieder  zu beleben. Das Ziel des Verfahrens besteht darin, die Kryonik-Patienten zukünftig mit den in der Zwischenzeit neu entwickelten Techniken von ihren Krankheiten zu heilen bzw.  der Alterung entgegenzuwirken.

Ein weiterer ähnlicher  Ansatzpunkt von Seiten der Medizin beruht auf der Hypothese, dass das menschliche Altern im Wesentlichen auf ungünstige biochemisch-physiologische Prozesse zurückzuführen ist und diese  zum Stoppen gebracht werden müssen, um damit unsterbliche Verhältnisse zu schaffen. Hierzu existiert bereits ein größeres Forschungsprojekt, das von den USA aus in Kooperation mit internationalen Instituten weltweit durchgeführt wird.

Mit Hilfe der Digitalisierung wird zur  Zeit unter dem Begriff Mind-Uploading die Auslagerung Bewußtseins-relevanter Teile des Gehirns in digitale Systeme zu speichern versucht, um diese analog wie bei der Kryonik  zukünftig in einer virtuellen Welt neu zu erwecken.

Die Redaktion von androgon beabsichtigt in einigen weiteren Artikeln detaillierter auf diese Zukunftstechnologien einzugehen und zum Stand ihrer potentiellen Realisierung  Stellung zu beziehen.

(wz)

Interview mit Beat Marti  vom 09.01.2015 – Der Wunsch nach Unsterblichkeit

Bildquelle: http://www.emaho.ws/

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