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Wegbereiter der klassischen Archäologie

29 Dezember 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Heinrich Schliemann
Der Entdecker des legendären Troja starb vor 125 Jahren

Sein Name ist untrennbar mit dem Mythos Troja verbunden: Heinrich Schliemann (1822-1890), der sich große Verdienste bei der Wiederentdeckung von vorklassischen Kulturen in Griechenland und Kleinasien erworben hat, starb am 26.12.1890 in Neapel und wurde wenig später in Athen, der Heimat seiner zweiten Frau Sophia, beigesetzt. Auch wenn seine Ausgrabungsmethoden noch heute umstritten sind, gilt er als ein Wegbereiter und Pionier der Archäologie.

Geboren wurde Schliemann im mecklenburgischen Neubuckow und wächst später im Pfarrhaus seines Vaters auf. Hier soll er schon mit acht Jahren nach der Lektüre eines Buches zur Weltgeschichte für Kinder davon geträumt haben, das legendäre Troja zu finden. Zunächst brachten ihn jedoch verschiedene Schicksalsschläge von diesem Traum ab. So starb z. B. seine Mutter frühzeitig und er musste aus Geldmangel den Besuch des Gymnasiums abbrechen und danach eine Kaufmannslehre beginnen, die er aber aus gesundheitlichen Gründen bald abbrechen musste. Völlig verarmt, versucht er später im Ausland ein neues Leben zu beginnen und nach Venezuela auszuwandern. Jedoch strandet sein Schiff vorzeitig vor der holländischen Küste, so dass er notgedrungen eine Stelle als Kaufmannsgehilfe annehmen muss. Dabei erlernt er nebenbei verschiedene Fremdsprachen.

1846 geht Schliemann dann als Kaufmann nach St. Petersburg, wo er mit einem schwunghaften Warenhandel sowie mit spekulativen Goldgeschäften in den USA zu großem Reichtum gelangte. Mit dieser finanziellen Basis im Rücken kommt ihm erneut die Idee von Troja in den Sinn. Mit Homers Ilias als Kompass, an dessen Schilderung er sich akribisch orientiert, beginnt der mittlerweile 48jährige seine ersten Ausgrabungen in der heutigen Türkei auf dem unscheinbaren Hügel von Hissarlik, unter großem Spott der Gelehrten seinerzeit. Aber tatsächlich stößt er auf erste Siedlungsreste, die er als das sagenhafte Troja identifiziert sowie auf einen größeren Fund in Form einer Steintruhe mit goldenen Ketten, Armreifen, Diademen und weiteren Schmuckstücken, die er später als „Schatz des Priamos“ des legendären Königs von Troja bezeichnet. Heute gilt jedoch als sicher, dass diese Funde mehr als 1000 Jahre älter sind als das Troja Homers. Zudem gilt aus archäologischer Sicht als bedenklich, dass Schliemann eine 16 m tiefe und 40 m breite Schneise bei seinen Grabungen in den Boden getrieben hat, die alles darüber liegende Erdreich zerstörte, inklusive wichtiger archäologischer Schichten.

Trotz dieser von wissenschaftlicher Seite bereits zu seiner Lebenszeit geäußerten Kritikpunkte hat Schliemann als ein bemerkenswerter Autodidakt die Archäologie vor mehr als 100 Jahren hoffähig gemacht und dazu beigetragen, dass die klassische Archäologie als kultur- und geschichtswissenschaftliche Disziplin ihre Anerkennung gefunden hat, u. a. auch in Form des Heinrich-Schliemann-Instituts für Alterswissenschaften an der Universität Rostock. Darüber hinaus beherbergt das ehemalige Pfarrhaus – sein Geburtshaus – im mecklenburgischen Ankershagen das nach ihm benannte Heinrich-Schliemann-Museum, in dem man Fundstücke seiner Ausgrabungen besichtigen kann.

(wz)

Quelle: n-tv.de

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