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1000 Kilometer über den Baikalsee

5 Februar 2015 Ein Kommentar PDF Drucken Drucken

Kulow_2013Eisig, Einsam und Gefährlich | Das Baikalsee -Abenteuer

Team-androgon drückt den beiden Extremsportlern vom  6. Februar bis 15. März 2015 die Daumen!

Die deutschen Extremsportler Stefan Schlett (53) „Team-androgon„, und Wolfgang Kulow (65) starten mit dem Fahrrad ein zweites Abenteuer über den zugefrorenen Baikalsee. Was Wolfgang Kulow beim ersten Versuch gelernt hat: Allein ist es zu gefährlich!

Das kann Wolfgang Kulow nicht auf sich sitzen lassen – im vergangenen Jahr konnte der Extremsportler das Eis auf dem Baikalsee mit seinem Fahrrad nicht bis zum Ende bezwingen. Jetzt begibt sich Kulow erneut auf diese halsbrecherische Route nach Sibirien. Aber mit der Unterstützung von Stefan Schlett, der den See schon mehrmals bei Listwjanka gequert hat. Dort ist das Gewässer allerdings nur 40 Km breit und keine 650 Kilometer – die Natur wird bestimmen, wo es lang geht, sagt Kulow.

Von Norden nach Süden:
Die Route von letzten Versuch wurde umgestellt. Es wird andersherum gefahren – von Norden nach Süden über den rund 650 Kilometer langen See im südlichen Russland. Kulow und Schlett erhoffen sich davon eine etwas erträglichere Tour, denn gen Süden wird es milder. Wenn man bei bis zu minus 30 Grad überhaupt von „mild“ sprechen kann. Auch, weil die Sonne dort mehr Raum hat, sie dringt dann durch die umliegenden Gebirge auf das Festland.

Bizarre Eisformationen:
Vor einem Jahr machten Wolfgang Kulow schlechte Bedingungen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Bizarre Eisformationen versperrten den Weg gen Norden. Vergebens suchte er einen Weg, immer wieder, musste schließlich unter Lebensgefahr umkehren — und verpasste damit auch seine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn.
Dieses Mal wird er mit Stefan Schlett Bahn fahren. Wenn der Flieger am 6. Februar über Moskau in „Irkutsk„, also am Südende des Sees, landet – bringt der Zug sie in den Norden. Und auch das hat er gelernt – „Allein ist es viel zu gefährlich„. Deshalb ist dieses Mal Stefan Schlett dabei – nicht nur ein guter Freund seit vielen Jahren, sondern auch seine Lebensversicherung.

Halbinsel Swjatoi Nos:
Die ersten paar Dutzend Kilometer legen beide auf der westlichen Seite des zugefrorenen Sees zurück, bevor sie ihn das erste Mal überqueren. Am Ostufer gelangen sie zur größten Halbinsel Swjatoi Nos. In der Siedlung Ust-Bargusin wollen sie ihre Vorräte auffüllen, dann geht es weiter über den See zur größten Insel Olchon. Auf deren Nordseite ist in Khuzhir ebenfalls ein längerer Stopp geplant, bevor es ein Stück zurückgeht, vorbei am nördlichen heiligen Schamanenfelsen, und dann am Westufer weiter in Richtung Süden.
Es wird eisig, einsam und gefährlich. Menschen trifft man in der Gegend kaum, vielleicht ein paar Eisfischer. Für diese Zeit ist es jetzt mit minus 20 Grad noch zu warm. Der südliche See müsste schon längst gefroren sein – wenn nicht, wäre es das erste Mal in tausend Jahren. Momentan ist es bisher recht windstill, was das Eis weniger bewegt gefrieren lässt — und die Chance auf weniger Widerstände für die beiden Sportler vergrößert.

Denn Widerstände wird es zu genüge geben. Besonders gefährlich sind neben den eisigen Winden die durch Spannung entstandenen Risse. Sie können zehn Zentimeter bis fünf Meter breit sein. Dort, wo sich das Eis nach oben schiebt, ist mit offenem Wasser zu rechnen. Manchmal werden sie wohl auf dem Bauch nach vorn rutschen müssen, um sich die Lage genau anzusehen. Selbst Fahrrinnen von Autos — die Einheimischen kreuzen den See im Winter — geben keine Sicherheit. Sie könnten schon wochenlang nicht mehr benutzt worden sein.
Seine Ausrüstung hat Wolfgang Kulow im Detail verbessert. Sein Zelt ist noch leichter und weniger anfällig für Schwitzwasser. „Alles was feucht ist, ist Eis“. So rieseln kleine Eispartikel im Zelt immer wieder herunter und machen den Schlafsack nach gewisser Zeit unbrauchbar. Auch seine Jacke erstarrt bei den extremen Temperaturen. Bei der letzten Tour hat er täglich zwei Tassen Eis aus der Jacke befördert.

Minus 100 Grad:
Drei Paar Handschuhe hütet Kulow wie seine Augäpfel. Die sind sein Heiligtum – beim letzten Mal habe ich hundert Mal am Tag geschaut, ob sie noch da sind. Ein dünnes Paar nutzt er für Tätigkeiten, wie fotografieren, ein normales Paar trägt er regelmäßig und das dickste Paar — das rettet dann nur noch die Hände. Neben Stiefeln, die bis minus 100 Grad Kälte sicher sind, und einem Schlafsack, der auch noch auf dem Mount Everest schützen würde, sind wie üblich zwei Benzinkocher dabei.
Rund 60 Kilogramm werden die Fahrrader von Schlett und Kulow mit Gepäck wiegen. Sie werden sie etwa tausend Kilometer weit bewegen, bevor der Flieger am 15. März in Irkutsk auf die beiden wartet.
Kulow und Schlett haben schon viele spektakuläre Ausdauerwettbewerbe mitgemacht. So durchquerten sie zum Beispiel gemeinsam die chinesische Takla-Makan-Wüste. Es gibt einen Unterschied zwischen Hitze und Kälte, sagt Kulow. „In der Wüste lassen die Temperaturen zeitweise nach. So eine Komfortzone gibt es auf dem Baikalsee nicht! – Die Tour ist zu jeder Zeit extrem.“

Weiterer androgon-Artikel zu einem Baikalsee Abenteuer:
http://www.androgon.com/24858/sport/extremsport/x-baikalsee-eismarathon

Stefan Schlett:
http://www.androgon.com/23163/sport/extremsport/stefan-schlett-ein-ausnahme-extremsportler

 

Bildquelle: Stefan Schlett, Wolfgang Kulow, androgon.com, LNonline
Quelle: LNonline

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