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Paul Gauguin

17 Februar 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

pg_akg322338_381x300mmPaul Gauguin

Mit Paul Gauguin (1848 – 1903) präsentiert die Fondation Beyeler vom 8. Februar bis einschließlich 28. Juni 2015 einen der bedeutendsten und faszinierendsten Künstler überhaupt. Als einen der grossen europäischen Kulturhöhepunkte des Jahres 2015 versammelt die Ausstellung in der Fondation Beyeler über fünfzig Meisterwerke Gauguins aus den international renommiertesten Museen und Privatsammlungen.

Es handelt sich um die hochkarätigste Ausstellung, die den Meisterwerken dieses herausragenden und wegweisenden französischen Künstlers in den letzten 60 Jahren in der Schweiz gewidmet wurde; in den Nachbarländern fand die letzte grosse Ausstellung vor über 10 Jahren statt. Mit über 6 Jahren Vorbereitungszeit ist dies das bisher aufwendigste Ausstellungsprojekt in der Geschichte der Fondation Beyeler. Entsprechend erwarten wir einen Besucherrekord für unser Haus.

Die Ausstellung zeigt sowohl Gauguins vielseitige Selbstporträts, als auch die visionären und spirituellen Bilder aus seiner Zeit in der Bretagne. Vor allem stehen Gauguins weltberühmte, auf Tahiti entstandene Gemälde im Vordergrund. In ihnen feiert der Künstler seine Idealvorstellung von einer unversehrten exotischen Welt und verbindet darin Natur und Kultur, Mystik und Erotik, Traum und Wirklichkeit auf harmonischste Weise.
Neben Gemälden präsentiert die Ausstellung auch eine Auswahl geheimnisvoller Skulpturen Gauguins, welche die damals schon weitgehend verschwundene Kunst der Südsee lebendig werden lassen.
Weltweit gibt es kein Kunstmuseum, das ganz dem Werk Gauguins gewidmet ist, daher kommen die kostbaren Leihgaben aus 13 Ländern: aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien,
Grossbritannien mit England und Schottland, Dänemark, Ungarn, Norwegen, Tschechien, Russland, den USA und Kanada.

Die Leihgaben stammen aus den wichtigsten Gauguin-Sammlungen der Welt, darunter so namhafte Institutionen wie das Musée d’Orsay Paris, das Art Institute of Chicago, die Musées Royaux des Beaux Arts de Belgique Brüssel, die National Gallery of Scotland Edinburgh, das Museum Folkwang Essen, die Gemäldegalerie Neuer Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Wallraf-Richartz-Museum Köln, die Londoner Tate, das Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, das Museum of Modern Art in New York, die Nationalgalerie in Prag u.a. Insbesondere ist es der Fondation Beyeler gelungen, eine Gruppe von Werken Gauguins aus den legendären russischen Sammlungen der Eremitage in Sankt Petersburg und des Pushkin-Museums in Moskau für die Ausstellung zu gewinnen.

„Paul Gauguin ist als Künstler wie als Mensch eine unglaublich faszinierende Persönlichkeit. Wir sind glücklich, dass es gelungen ist, seine Meisterwerke aus aller Welt in Basel zu vereinen. Sogar für die Fondation Beyeler, die für ihre qualitätsvollen Ausstellungen internationalen Ruf geniesst, ist dies eine Sensation.“ so Museumsdirektor Sam Keller. Gauguins einzigartige Schöpfungen erzählen von der Suche nach dem verlorenen Paradies auf Erden, von seinem filmreifen Künstlerleben zwischen den Kulturen, bestimmt von Leidenschaft und Abenteuergeist. Kein Künstler hat auf der Suche nach sich selbst und einer neuen Kunst einen weiteren und abenteuerlicheren Weg auf sich genommen als Paul Gauguin. Nach einer in Peru verbrachter Kindheit als weltreisender Seemann der Handelsmarine, als Börsenhändler und Bohémien im Paris des Fin de Siècle, Freund und Förderer der Impressionisten, Mitglied der Künstlerkommune im bretonischen PontAven, »WG-Partner« von Van Gogh in Arles, mit seiner unstillbaren Sehnsucht nach einer Insel der Seligen, die er auf Tahiti und als Eremit auf den Marquesas-Inseln zu finden hoffte, wurde er zu einem der ersten modernen Nomaden und zivilisationskritischen Aussteiger in der Kunst. Gauguin entdeckte eine neue Form von Sinnlichkeit, Exotik, Ursprünglichkeit und Freiheit für die moderne Kunst. Viele seiner schönsten Meisterwerke aus der ganzen Welt sind nun in Basel zu sehen.
Dazu Regierungspräsident Guy Morin: „Paul Gauguin ist einer der ganz grossen Künstler! Dass seine legendären Meisterwerke [demnächst] in der Fondation Beyeler zu sehen sind, ist ein besonderes Ereignis für die Menschen in Basel und aus der Region. Eine derart bedeutende und qualitativ herausragende Ausstellung ist auch ein Beleg für den guten Ruf der Kunststadt Basel. Ihr Ruf als magnetischer Ort für die Kunst wird in langer Tradition von der Leidenschaft und Begeisterung ihrer BürgerInnen getragen. Das hervorragende Ausstellungsprogramm der Fondation Beyeler trägt seit Jahren dazu bei, diese Tradition auf Weltniveau fortzuführen. Auf die Möglichkeit, Paul Gauguins Meisterwerke aus der Bretagne und aus Tahiti unmittelbar zu begegnen, freue ich mich besonders und ich glaube, dass es für sehr zahlreiche Menschen ein unvergessliches Kunsterlebnis sein wird“.

Auch Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus, blickt der Ausstellung äusserst positiv entgegen: „Wir freuen uns sehr über dieses Ausstellungshighlight in der Fondation Beyeler, denn ein solcher Publikumsmagnet fördert den Ruf Basels als Kulturhauptstadt der Schweiz. Zudem sind wir überzeugt davon, dass die Ausstellung viele Touristen anziehen wird“.

Ein erweitertes Vermittlungsangebot rundet den Erlebnischarakter der Ausstellung abrunden: Erstmals wird es einen multimedialen Vermittlungsraum im Rahmen der Ausstellung geben, der im Auftrag von und in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler von iart entwickelt wurde. Dieser thematisiert Leben und Werk des Künstlers. Neben dem wissenschaftlichen Katalog wird eine weitere Begleitpublikation für ein breites Publikum erscheinen.

Um der hohen Anzahl von Besuchern gerecht zu werden, wird die Fondation Beyeler mit einem optimierten Service aufwarten.
Ein extra eingerichteter Gauguin-Shop wird Neues und Interessantes zum Leben und Werk des Künstlers anbieten.

Zitate von Paul Gauguin:
„… im Übrigen muss der Künstler frei sein, oder er ist nicht Künstler.“
„Die Natur ist rätselhaft unendlich und hat imaginative Kraft.“
„Die Malerei ist die Schönste aller Künste; sie ist die Summe allen Fühlens.“
„Ich liebe die Bretagne. Dort finde ich das Wilde, das Primitive.“
„Ich flüchte mich in die Wälder einer Insel Ozeaniens, um dort von Verzückung, Ruhe und Kunst zu leben.“
„Ich gehe, um Ruhe zu finden und den Einflüssen der Zivilisation zu entkommen.“
„In der Stille der schönen tropischen Nächte, den sanft rauschenden Klängen in meinem Inneren lauschen.“
„Lebe wohl, gastfreies Land, köstliches Land, Heimat der Freiheit und der Schönheit!“
„Hier in der Einsamkeit kann man wieder erstarken. Hier löst sich die Poesie von ganz allein.“
„Die Malerei ist wie der Mensch: sterblich, aber stets lebendig im Kampf mit der Materie.“

Über Paul Gauguin:

»Ich gehe fort, um ruhig zu werden, um mich frei zu machen vom Einfluss der Zivilisation. Ich will nichts anderes als einfache Kunst machen; dafür muss ich eintauchen in die jungfräuliche Natur,
nichts anderes sehen als die Wilden, ihr Leben leben, ohne jegliche Befangenheit, so wie das ein Kind tun würde, nur den Gedanken nachgehen mithilfe allein der primitiven Mittel der Kunst,
den einzig guten, den einzig wahren.« Paul Gauguin im Gespräch mit Jules Huret, 1891

Paul Gauguin (geboren 1848 in Paris; gestorben 1903 in Atuona auf Hiva Oa, Französisch-Polynesien) ist mit seinen farbenprächtigen Südseebildern als Maler einer verklärten exotischen Welt in die Kunstgeschichte eingegangen. Seine zukunftsweisenden Werke gehören zu den Ikonen der modernen Kunst, die mit ihren »reinen«, leuchtenden Farben und flächigen Formen die Kunst revolutionierten und für die modernen Künstler der kommenden Generation massgeblich wurden. Kein Künstler vor Gauguin hatte so konsequent versucht, seine Suche nach Freiheit und Glück in Leben und Kunst zu verwirklichen. Hierin liegt auch der Grund für seine enorme Popularität, die bis heute anhält. Erst im Alter von 35 Jahren entschied Gauguin, sein Leben als Börsen- und Versicherungsmakler aufzugeben und professioneller Maler zu werden. Vom Bourgeois wurde Gauguin so zum Bohemien. In den folgenden knapp zwanzig Jahren seines künstlerischen Schaffens entstand ein überaus reiches und vielseitiges OEuvre, das neben Gemälden und Skulpturen auch Zeichnungen, Druckgrafiken und Schriften umfasst. Anhand von einzigartigen Meisterwerken aus den weltweit bedeutendsten Museen und Privatsammlungen konzentriert sich die Ausstellung in der Fondation Beyeler auf die Schaffenszeit, in der Gauguin zu seinem eigenen Stil fand. Beginnend mit den richtungsweisenden Werken, die in der Bretagne entstanden sind, wird die Schau mit jenen berühmten Bildern fortgesetzt, die in Polynesien – zuerst auf Tahiti und zuletzt auf den Marquesasinseln – geschaffen wurden. Vor allem sie sind es, die die formalen Neuerungen und den inhaltlichen Facettenreichtum von Gauguins ausdrucksstarker Bildsprache vor Augen führen. Während in den Mittelpunkt der Ausstellung Gauguins einzigartige Malerei gestellt ist, erhält auch seine von der Maohikultur inspirierte Skulptur einen wichtigen Platz und wird anhand von Schlüsselwerken im Dialog mit seinen berühmten Gemälden gezeigt. Dabei liegt der inhaltliche Akzent auf Gauguins neuartiger Behandlung von Figur und Landschaft, die in seiner Bildwelt ein harmonisches Zusammenspiel eingehen.

Unzufrieden mit der Situation in der Pariser Kunstwelt, entschied sich Gauguin, die noch weitgehend urtümliche Bretagne zu erkunden, wovon er sich neue künstlerische Impulse versprach. Als er sich Anfang 1888 zum zweiten Mal im bretonischen Städtchen Pont-Aven aufhielt, fand er zu seinem ganz eigenen Stil, der als »Synthetismus« bezeichnet wird: Er verwendete leuchtende, reine Farben in starken Kontrasten und setzte klar umrissene Formen nebeneinander, die das Bild in seiner Flächenhaftigkeit betonen. Anders als die Impressionisten wollte Gauguin in seiner Kunst nicht mehr die oberflächlich wahrnehmbare Realität wiedergeben, sondern suchte nach einer tieferen Wahrheit jenseits des Sichtbaren. So wurde er zum Mittelpunkt einer Gruppe junger Künstler, die als »Schule von Pont-Aven« bekannt wurde. In der Bretagne entstanden idyllische Landschaftsbilder und ländliche Alltagsszenen ebenso wie bahnbrechende sakrale Bilder und vielseitige Selbstporträts, in denen der Künstler in die verschiedensten Rollen schlüpfte. Mit der Suche nach dem Ursprünglichen verband Gauguin vor allem die Hoffnung, seine Kunst weiterzuentwickeln; so beschloss er 1891, nach Tahiti auszuwandern. Die Südseeinsel stellte er sich als unverdorbenes tropisches Paradies vor, in dem er sich als Künstler frei entfalten konnte. Schon bald musste er sich jedoch eingestehen, dass die Realität auf Tahiti in keiner Weise seinen idealisierten Vorstellungen entsprach, hatten doch die Kolonialisierung und Christianisierung seinen »Sehnsuchtsort« bereits tiefgreifend verändert. Diese Enttäuschung versuchte Gauguin in seiner Kunst zu kompensieren, in der er die erträumte exotische Schönheit der polynesischen Landschaft und deren Ureinwohner in farbenprächtigen Gemälden und ausdrucksstarken Skulpturen feierte und sich dabei auch von den Mythen und der Bildsprache der Südseevölker inspirieren liess.

Aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen musste Gauguin 1893 Tahiti wieder verlassen und nach Frankreich zurückkehren. Auch in Paris blieb aber der erhoffte Erfolg beim Publikum aus, und so beschloss er im Sommer 1895, erneut nach Tahiti aufzubrechen. Dort entstanden wiederum zahlreiche bedeutende Bilder, in denen Gauguin seiner Idealvorstellung von einer unberührten und zugleich mysteriösen Welt in vollendeter Weise Ausdruck verlieh. Verzweifelt über seine schwierige Lebens- und Gesundheitslage und besonders über den frühen Tod seiner Tochter Aline, unternahm er in dieser Zeit einen Selbstmordversuch, an dessen Folgen er noch lange leiden sollte. Währenddessen begann die Kunstwelt auf Gauguins Werk aufmerksam zu werden, und so konnte er 1900 mit dem Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard einen Vertrag abschliessen, der ihm ein gewisses Einkommen sicherte. Auf Tahiti fühlte Gauguin sich zunehmend unwohl, waren ihm die Insel doch zu europäisch und das Leben dort zu teuer geworden. Auch suchte er nach neuen künstlerischen  indrücken. So zog er im Herbst 1901 auf die rund 1500 Kilometer entfernte Marquesasinsel Hiva Oa, die im Unterschied zu Tahiti noch etwas von ihrer ursprünglichen Wildheit bewahrt hatte. Ungeachtet seines schlechten Gesundheitszustands, seiner grundlegenden Desillusionierung und verschiedener Schicksalsschläge entstanden auch während seines zweiten Südseeaufenthalts Bilder, welche den kulturellen Reichtum wie die Naturschönheit Polynesiens bis hin zur Verklärung feierten, und dabei höchste künstlerische Vollkommenheit errangen. Wie schon zuvor auf Tahiti, setzte sich Gauguin auch auf den Marquesas für die einheimische Bevölkerung ein, was ihn in einen Konflikt mit der Kolonialverwaltung brachte, der in der Verurteilung des Künstlers zu einer Geld- und Gefängnisstrafe gipfelte. Noch bevor er die Haft antreten konnte, starb Paul Gauguin am 8. Mai 1903 im Alter von 54 Jahren krank, vereinsamt und mittellos auf Hiva Oa, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand.

So wie sie zugleich strahlende Heiterkeit und düstere Melancholie in sich vereinen, sind Paul Gauguins Bilder anziehend und rätselhaft in einem. Auf faszinierende Weise erzählen sie von der Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies auf Erden, von einem dramatischen, rastlosen Künstlerleben auf Reisen zwischen den Kulturen, bestimmt von Lebenslust und Verzweiflung, Leidenschaft und Abenteuergeist. Im Zwiespalt zwischen einer erträumten Utopie und der harten Realität scheitere Gauguin zwar, doch liessen ihn die Einzigartigkeit seiner Kunst und die Kompromisslosigkeit seines Lebens zu einem Mythos werden.

Weitere Informationen:

Fondation Beyeler, Beyeler Museum AG,
Baselstrasse 77,
CH-4125 Riehen
www.fondationbeyeler.ch/ausstellungen

Quelle: Fondation Beyeler

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