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Der Verführer par excellence

27 Dezember 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Michel Piccoli – der Verführer par excellence

Der französische Schauspieler, der heute am 27. Dezember 2015 seinen 90. Geburtstag feiert, hat auch noch mit zunehmendem Alter sein Verführer-Image nicht abgelegt, nachdem er zuvor mit nahezu allen Filmdiven des Weltkinos eine grössere Anzahl von Filmen gespielt hatte. Insgesamt kann Piccoli im Laufe seiner Filmkarriere auf mehr als 220 Filme zurückblicken.

Sein schauspielerisches Talent brachte die Regisseurin Agnès Varda in treffender Weise zum Ausdruck: „Er versteht es, seine Kunst zu verbergen, weil er die Gabe hat, sie sparsam einzusetzen“ Seine darstellerischen Fähigkeiten beruhen daher vor allem auf seinen sparsamen Gesten und Bewegungen. So genügt ihm oft ein Stirnrunzeln, ein Zupfen an der Krawatte, ein düsterer Blick, um zu erkennen, dass es immer noch ein Geheimnis im Verborgenen gibt; ein Geheimnis wie es z. B. in „Das Mädchen und der Kommissar“ in Claude Sautes Kriminalroman nicht zu lüften ist oder jene Leidenschaft, die den Maler in Jack Rivettes „Schöner Querulantin“ zum Verzweifeln bringt. In Claude Chabrols „Blutiger Hochzeit“ ist es dagegen ein Gift, das von einem Mann im Kostüm eines Biedermannes angemixt wird.

Michel Piccoli wuchs als Sohn italienischer Immigranten im Paris der 20er Jahre auf. Nach einer gründlichen Schauspielausbildung trat er an verschiedenen Pariser Bühnen auf und war auch zeitweilig Direktor des Theatre Babylone. Sein Leinwand-Debut hatte er bereits 1945, musste aber viele Jahre mit kleineren Rollen vorlieb nehmen, bis ihm 1963 der Durchbruch als Kinostar in dem Film „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard an der Seite von Brigitte Bardot gelang. Nachfolgend hat er mit nahezu allen schönen und erfolgreichen Filmdiven gespielt, wie z.B. Catherine Deneuve, Jeanne Moreau, Sophia Loren, Romy Schneider und vielen weiteren. Verheiratet war er in zweiter Ehe mit Juliette Greco, Frankreichs berühmtester Chansonette. Die Ehe hielt 10 Jahre, heute ist er mit Ludivine Clerc seit 1980 liiert. Mit Romy Schneider war er am häufigsten, d.h. in sechs Filmen auf der Leinwand zu sehen, zuletzt in „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ in Romys Todesjahr 1982. Zu ihr hatte er ein besonders gutes Verhältnis, wobei er zu bemerken wusste:“ ……Romy und ich haben das Glück, uns ohne Worte zu verstehen.“

Auch mit den größten Regisseuren seiner Zeit, wie Jean Renoir, Claude Lelouch, Agnes Varda, Claude Sautet und sogar Alfred Hitchcock hat er zusammengearbeitet, wobei ein beiderseitiger Einfluss auf das künstlerische Werk manifest wurde. Ebenso erfolgreich drehte er mit dem Surrealisten Luis Bunuel drei Klassiker der Filmgeschichte: „Tagebuch einer Kammerzofe“, „Belle de Jour – Schöne des Tages“ und „Der diskrete Charme der Bourgeoise“. Selbst 2010 spielte er noch in Italien unter Nanni Moretti in der Religions-Satire „Habemus Papam“ die Hauptrolle und sein kommendes Projekt ist ein biographischer Film über den großen französischen Regisseur „Alain Resnais“.

Wir wünschen ihm und uns allen, dass seine außerordentliche Schaffenskraft uns noch weiter erhalten bleibt.

(wz)

http://www.youtube.com/v/7pH-01SG1AE

Quelle: imageshack.us; Photonachrichten.at/märkische allgemeine

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