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The Wild Elephant Trail 2015

Photo Mar 12, 8 01 20 PM [1]The Wild Elephant Trail – 6 Tage und 210 km
Viel Hitze, keine Elefanten. Das war das Fazit von Sri Lanka. Obwohl die wilden Elefanten scheinbar meistens um uns herum waren, gesehen habe ich zumindest keinen. Wir mussten ein Camp verlegen weil scheinbar der vorgesehene Platz von einer Herde Elefanten eingenommen wurde. In einem anderen Camp sollen nachts zwei Elefanten am Rand des Camps vorbeigelaufen sein. Wir durften auch nicht das Camp verlassen wegen Elefantengefahr.
Ein paar unserer Läufer hatten da mehr Glück. Sie arrangierten eines Morgens einen kurzen Besuch in nahe gelegenem Nationalpark. Mehrere Elefanten wurden gesichtigt, wovon sogar einer das Auto angriff. Wahrscheinlich gab es Jungtiere in der Nähe. Während die afrikanischen Elefanten auch bei Tag über die Steppe marschieren scheinen sich die indischen Kollegen mehr auf das Nachtleben zu spezialisieren.
Als Trostpreis gab es wenigstens die Finisher Trophähe in Form einer Gruppe Holz-geschnitzter Elefanten.
„The Wild Elephant Trail“ ist ein Etappenlauf für 6 Tage und 210 km. Übernachtet wird in Zelten, Privathäusern und Klostern. Näheres gibt es bei www.global-limits.com

52 Läufer gingen an den Start und 52 Läufer kamen im Ziel an. Das ist erstaunlich, besonders wenn man betrachtet, dass es einige Verletzungen gab. Manche sind die ganze Strecke gegangen. 210 km meist über Sandwege an Flüssen entlang, aber auch durch Reisfelder, ein wenig Dschungel und immer mal wieder durchs Wasser oder Schlamm. Das alles unter brennender Sonne mit Temperaturen bis zu 38 Grad. Dazu Luftfeuchtigkeit um die 70%. Da musste man schon öfters mal an der Wasserflasche ziehen und eine Salztablette schlucken.
Zum Glück gab es Hilfe von einer sehr freundlichen Bevölkerung. Der Lauf fand in einer ländlichen Gegend statt, wo vor allem Reis angebaut wird. Wir konnten es nicht erklären, wie die Bevölkerung wusste, wann und wo wir durchlaufen würden. Doch da standen sie mit ihren Eimerchen voll Wasser aus dem nahen Fluss, bereit uns das kühlende Nass über den Kopf zu gießen; alles mit einem strahlenden Gesicht, von Babies bis zum Opa und der Oma. Ich habe bis jetzt bei meinen Läufen kaum so auffällig viel Freundlichkeit erlebt.
Die Landschaft war oft ähnlich aber fast immer sehr interessant mit langsam fließenden Flüssen, mit Seerosen bedeckten Seen, Hochstände über den Reisfeldern, um bei Nacht die eindringenden Elefanten zu verjagen. Immer wieder ein freundlicher Wink oder eine Hupe von einem vorbeifahrenden Tuk-Tuk, den 3-rädrigen motorisierten Rishkas. Das Motorrad ist das Haupt-Familien-Transportmittel mit einer Besatzung bis zu 4 Personen.
Zweimal haben wir in Häusern von diesen einfachen, freundlichen Leuten übernachtet. Die räumten einfach die gute Stube aus und wir breiteten dann unsere Schlafsäcke auf den Steinböden aus, natürlich unter Moskitonetzen. Das „Örtchen“ befand sich hinterm Haus und war asiatischer Art; eine gute Kraftübung für die Beinmuskeln. Zweimal wurde gezeltet. Einmal in der großen Halle eines Klosters, ein anderes Mal auf den Terrassen eines Wildschutzgebäudes.
Unser Hauptgepäck wurde von Camp zu Camp transportiert. Beim Laufen hatten wir nur leichtes Sturmgepäck – und natürlich schweres Wasser.
Verpflegen mussten wir uns selbst. Nur heißes Wasser wurde geboten. Das genügte, um unsere Backpacker-Mahlzeiten zuzubereiten. Ich war mit meiner vegetarischen Auswahl sehr zufrieden, nahrhaft und schmackhaft.
Wir verbrannten ja einige Kalorien. Die mussten erneuert werden um Kräfte zu bewahren für die 6 Tage, 210 km lange Strecke. Meist verhältnismäßig flach mit ein paar Ausnahmen. Flach bedeutet aber nicht einfach. Da ist einmal die Hitze aber auch wenig Abwechslung für die Muskeln, die es sonst beim bergauf und -runter gibt.
Zieleinlauf war oben auf Sigiriya, einem mächtigen Felsblock, der fast senkrecht aus der flachen Umgebung ragt. Den steilen Aufstieg mit um die 1600 Stufen mussten wir uns mit Mengen von Touristen teilen. Während es auf dem Land überhaupt keine Touristen gab, präsentiert sich Sigiriya als UNESCO World Heritage Site. Erstaunlich wie die Baumeister im 5. JH die steilen Wände bezwingen konnten, um Tausende von Backsteinen nach oben zu transportierten. Bis ins 15. JH diente der Fels als Königspalast und Kloster.

Nach 6 Tagen auf dem Fußboden war es wie im Paradies wieder ein weiches Bett und eine heiße Dusche im Lake Amaya Resort zu genießen. Dort war auch Siegerehrung und Abschiedsessen.

Die Sieger bei den Frauen und Männern kamen beide aus Frankreich. 22 Nationen waren vertreten – erstaunlich bei nur 52 Läufern. Die Kameradschaft unter Läufern war immer gut und ich traf außerdem mehrere Freunde von früheren Läufen wieder. Ich selbst erreichte den 16. Platz von 52 und überstand alles recht gut – keine Blasen, keine Muskelkrämpfe, nur ein kleinerer Stolperer über eine Wurzel mit leichtem Hautverlust.

Hans (HS)

 

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Bildquelle: Hans Schmid