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Inbegriff des sterblich Schönen

23 April 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Achilles – Das Ideal des epischen Helden der Antike

Der strahlende, jugendliche Held der griechischen Mythologie hat offenbar schon vor Homer existiert, wenn auch sein Name erst in der Ilias, der Sage vom trojanischen Krieg in den ersten Zeilen auftaucht:

Singe, den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus, Ihn, der entbrannt den Achaiern unnennbaren Jammer erregte;

Auf Grund der Fülle seiner herausragenden charakterlichen Eigenschaften diente er nicht nur in der Antike als eine für die jugendliche Identität bevorzugte Mannesgestalt. Dies vor allem, da er seine Bestimmung kannte – entweder lange und ruhmlos zu leben oder nur kurze Zeit, aber dafür ruhmreich im Kampfe zu enden – und sich für das letztere entschied. Er ist jung, schön und äußerst gewandt, ein gefürchteter Kämpfer, aber schwankt zwischen Unterordnung unter ein gemeinsames Ziel und größter Eigenwilligkeit. Bereits bei Homer sind diese Widersprüche in seiner Person vereinigt, indessen liegt darin auch seine besondere Lebenskraft.

Achilles wuchs als Sohn des Myrmidonen Königs Peleus in Thessalien auf, seine Mutter war die Meeresnymphe Thetis. Als Sohn eines menschlichen Vaters und einer göttlichen Mutter war er sterblich. So versuchte Thetis ihn daher unverwundbar zu machen

und tauchte ihn in den Styx, den Fluss der Unterwelt. Ein Teil seiner Ferse blieb jedoch vom Wasser unbenetzt und wurde so zu seiner einzigen verwundbaren Stelle, der Achillesferse.

Als die Griechen unter Führung von Agamemnon ihren Kriegszug gegen Troja vorbereiteten, versuchte seine Mutter Achilles zu verstecken, da dieser nach einer Weissagung vor Troja fallen würde. Daher verbarg sie ihn, als Mädchen verkleidet, in einem Palast auf Skytos. Aber Odysseus verlockte den Jüngling zur Teilnahme am Krieg, indem er weiblichen Geschenken Waffen beilegte, nach denen dieser sofort griff und damit sein Geschlecht offenbarte. Nach einem Streit mit dem Heerführer Agamemnon um die Sklavin Briseis im zehnten Jahr des trojanischen Krieges blieb Achilles grollend den Kämpfen fern. Erst nach dem Tod seines besten Freundes Patroklos und um diesen zu rächen, stürzte er sich wieder in den Kampf und tötete Hektor, den größten Helden Trojas. Bis hierher berichtet Homer in der Ilias. Von seinem eigenen Tod jedoch – durch einen von Apollon gelenkten Pfeilschuss des Paris in seine Ferse – erzählen später die in der Äneis wiedergegebenen Verse des Vergil.

Der Sage nach sollen nach seinem Tod die Musen und Nymphen den strahlenden Helden und Liebling der Götter lange beweint haben. Die Griechen verehrten ihn als Heros und weihten ihm zahlreiche Tempel: Achilles wurde um Beistand angerufen und ihm jährlich geopfert, was jeweils zu Anfang der Olympischen Spiele geschah. Selbst Alexander der Große erwies ihm die Ehre durch die Errichtung eines Grabmahls und der Darbringung von Trankopfern. In der Kunst der Antike und auch späterhin finden sich vielfache Darstellungen aus seinem bewegten Leben. Auch in der Literatur wurden verschiedene Motive aus dem Schicksal des Heroen zusammengetragen. So begann Goethe z. B. 1798/99 mit seinem Epos Achilles, von dem er allerdings nur den ersten Gesang fertigstellte. Oder bei Heinrich von Kleists Tragödie „Penthesilea“ lässt er die Amazonenkönigin mit dem Helden zusammentreffen. Neben weiteren berühmten Schriftstellern wie Shakespeare, Hölderlin und Heinrich Heine findet sich bei Friedrich Schiller die wohl bedeutendste Würdigung des Achilles in dem Gedicht „Nänie“,als Inbegriff des sterblich Schönen:

Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,

Wann er am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.

Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,

Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.

Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,

Dass das Schöne vergeht, dass das Vollkommene stirbt.

Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich,

Denn das Gemeine geht klaglos zum Orkus hinab.

(wz)

Quelle: Homer-Ilias, Vollmer-Mythologie

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