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SCOTT Rock the Top Marathon

3 August 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
©Felix Löchner

©Felix Löchner

Lang, steil, legendär….
Der Scott Rock the Top Marathon auf bekannten
und doch neuen Wegen

Vor ca. 200 Jahren begannen Menschen, die Zugspitze zu besteigen. Sie ist heute Anziehungspunkt für Bergbegeisterte aller Couleur. Vom bisher völlig unerfahrenen Touristen, der die Seilbahn nimmt, bis zum Extremsportler, der im Laufschritt in 2 Stunden auf den Gipfel eilt oder im Winter über Steilwände abfährt, sie alle trifft man dort.

Im zweiten Jahr seiner Existenz zog der Scott Rock the Top Marathon, organisiert von Plan B Events, die Extremen an. Die Zahlen hatten es in sich: Marathondistanz, kombiniert mit beinahe 4000 positiven Höhenmetern.

Team Androgon war mit 2 Läufern vertreten (Stefan Peters und Jesus Menendez)

Auf dem Campingplatz angekommen, begrüßte uns ein Läufer, der das Vorhaben direkt hinterfragte: Er sei selber Starter, aber im Freundes- und Bekanntenkreis, so erzählte er uns, ernte er nichts als Unverständnis. Aber nein, dieses sei nicht negativ gemeint, die Leute könnten nur nicht nachvollziehen, dass solch ein Vorhaben machbar sei.

Auch ich hatte ein nettes Erlebnis im Freundeskreis, als ich erzählte, dass der Lauf über die Biberwierer Scharte führte und im Finish auf die Zugspitze. Mein bergaffiner Kumpel meinte mich aufklären zu müssen: die Biberwierer Scharte gehöre nicht zum Zugspitzmassiv sondern zur Mieminger Kette.
Erst dann dämmerte es ihm: Beim Rock the Top Lauf arbeiteten sich diese Verrückten sowohl an der Mieminger Kette, als auch am Zugspitzmassiv ab.

Als erfahrene Extremsportler haben wir im Team Androgon, nicht zuletzt über unsere Kollegen, noch ganz andere Strecken erlebt. Wir hatten daher ein gewisses Vertrauen durchzukommen, wussten aber, dass es ein verdammt intensiver Tag werden würde.

Die Hiobsbotschaft traf uns allerdings noch am Vorabend: Es wird nicht auf den Gipfel gelaufen, die Wettervorhersage sei zu schlecht. Eine sehr weise Entscheidung der Rennleitung, wie sich noch herausstellen sollte. Wir waren aber zunächst am Boden zerstört: Die Alternative hieß: Keine Marathondistanz und KEIN Zugspitzgipfel.

Der RUN:
Start um 8 Uhr am nächsten Tag. Damit war Zeit genug für meine obligatorischen Honigbrote. Bereits kurz nach dem Start folgte ein steiler Anstieg und es sollte nicht der letzte gewesen sein. Für mich war das für den Lauf prägend: Steile Anstiege verliehen dem Lauf neben dem Panorama sein alpines Flair! Ein echter BERGlauf. Beim ersten Anstieg keimte auch gleich der Gedanke auf, wie lange dieser Tag doch werden würde. Es war nämlich bisher so, dass wir in die exakt entgegengesetzte Richtung der Zugspitze liefen, in dem Wissen, dort am selben Tage noch hoch zu müssen.

Alpine Aufstiege haben meistens eines gemeinsam: irgendwann geht es auch wieder hinab. Plan B hatte bei der Streckenplanung wahrlich in die Goldgrube gegriffen. Steile, technische und schöne Downhills waren keine Mangelware. Nach dem ersten davon erreichten wir den Verpflegungspunkt. Bei wunderschönem Wetter erwischte ich mich bei dem Gedanken, dass es doch heute bestimmt auf den Gipfel hätte gehen können. Die Wolken, die sich langsam auf den Zugspitzgipfel zubewegten, waren mir bis dahin noch nicht aufgefallen.

Der Weg auf die Zugspitze, den der Zugspitzlauf traditionell einschließt, wurde auch von Plan B gewählt: von Ehrwald aus, ging es über das Gatterl und die Knorrhütte aufs Zugspitzplatt. Der verkürzte Lauf würde dort auf Sonnalpin enden.

Von eben jenem Sonnalpin war ich bald nur noch wenig entfernt, so schien es mir jedenfalls. Oberhalb der Ehrwalder Almbahnen an der Pestkapelle angelangt, waren die restlichen Kilometer im einstelligen Bereich. Aber jetzt ging es auch immer steiler nach oben. Der Weg schraubte sich nach oben, bis vor dem Gatterl noch ein kurzer schneidiger Downhill folgte. Das Gatterl geschwind über einen kurzen Klettersteig überklettert kam der, meiner Ansicht nach, flowigste Teil des Laufs. Feinstes Traillauffeeling unter höchster Konzentration über große und kleine Steine bis zur Knorrhütte. Dort zog die Steigung abermals deutlich an und mit massivem Stockeinsatz keulte ich mich hoch nach Sonnalpin.

Der Wetterumschwung hat mich dann kaum noch erreicht: Schlechte Sicht und leichte Böen und etwas Nieselregen waren beim Lauf über das Zugspitzplatt alles, was ich noch abbekam. Viele nach mir sollte es deutlich heftiger mit Regen eindecken. Die Entscheidung, den Gipfel nicht erlaufen zu lassen an diesem Tage, sie war goldrichtig! Das Bergwetter hat mal wieder bewiesen, dass es tückisch sein kann. Ein verantwortungsvolles Risikomanagement gehört bei diesen extremen Belastungen absolut dazu.

Am Ende finishten Jesus Menendez und ich vom Team Androgon souverän und genossen den Zieltee im etwas wärmeren Schuppen, während es draußen nun ungemütlich wurde.

Trailer des Runs (unser Läufer kurz bei Min. 1:15 im Bild):

Unser Dank:
Unser Dank gilt Viking für die genialsten Traillaufschuhe dieser Hemisphäre und somit einen Teil zum Erfolg des androgon.com-Sportteams beigetragen haben! you guys rock!

Vaxicum Sportsalbe sei gedankt – Tut irre gut nach einem solch brutalen Renntag und die Beine sind spürbar schneller wieder fit.

Fazit und spezieller Dank:
PlanB event company hat ganze Arbeit geleistet und verdient ein umfassendes, eindrückliches Dankeschön und Lob. Die couragierte, gut begründete Entscheidung, der Originalstrecke zu entsagen, hat sich als goldrichtig herausgestellt. Bepackt mit Highlights war die Strecke sowieso schon schön und anspruchsvoll genug.
Ein Guter Marketingtrick liebe PlanB-ler: Natürlich wollen wir den Zugspitzgipfel, und kommen schon alleine deshalb im nächsten Jahr zurück :-)!

Bilder des Runs (©www.andifrank.com und ©Felix Löchner):

Quelle und Bildquelle: androgon.com (sp) | ©www.andifrank.com und ©Felix Löchner

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