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Klassiker des Horrors

6 Februar 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Edgar Allan Poe – Klassiker des Horrors

Edgar Allan Poe (1809-1849), dessen Geburtstag sich vor 2 Jahren zum 200. Mal jährte, gilt als der wohl meist gelesene und vielseitigste amerikanische Dichter, der bis heute als Lyriker, Erzähler und Kritiker einen großen Einfluss auf die Moderne auszuüben vermochte. Bekannt wurde er vor allem als Verfasser gruseliger Schauergeschichten, wie z. B. durch die phantastische Seefahrerstory „Im Malstrom“(1841).

Poe wuchs bei Eltern auf, die wandernde Schauspieler waren, so dass der Knabe rein zufällig in Boston geboren wurde. Da beide sehr früh starben, wurde er von einem reichen schottischen Kaufmann aufgenommen und erzogen, der ihm gleichzeitig das Studium an der Universität von Charlottesville in Virginia ermöglichte. Nach dem Dienst in der Armee und Militärakademie von West Point, wandte sich Poe der Redaktionstätigkeit und Literatur zu. Er heiratete 1836 seine noch nicht 14 Jahre alte Cousine Virginia, die jedoch nach 11jähriger Ehe verstarb. In vielen amerikanischen Städten suchte Poe fortan eine Heimstatt zu finden; dies scheiterte jedoch immer wieder an seinen alkoholischen Exzessen. Schließlich wurde er an einem Oktobermorgen des Jahres 1849 , völlig verschuldet und körperlich heruntergekommen, bewusstlos ins Spital von Baltimore eingeliefert, wo er kurz darauf mit erst 40 Jahren verstarb.

Entsprechend seiner absonderlichen Biographie stehen im Zentrum von Poes Schaffen die Abgründe der Seele, das Irrationale und Morbide. Viele seiner Protagonisten sind sensible Psychopathen mit diffusen Todesahnungen. Seine Gedichte sind von hoher sprachlicher Musikalität, die mit zunehmendem Alter zu höchster Meisterschaft gelangten. Besonders unheimlich erscheint sein Poem „Der Rabe“ (1845), das zudem durch eine großartige Kompositionstechnik hervorsticht. Seine Erzählungen sind darauf angelegt, in einem Zug gelesen zu werden und fanden als Kurzgeschichten ihre herausragende literarische Bedeutung. Von 1840 – 45 erschienen seine „Tales of the Grotesque and Arabesque“, in denen grausige Vorfälle, geheimnisvolle Verbrechen und okkulte Phänomene in immer neuen Gestaltungen abgewandelt werden. Mit „Der Mord in der Rue Morgue“ begründete Poe zudem das Genre der Detektiverzählung. Sein Detektiv Dupin löst seine Fälle mit einer meisterhaften analytischen Kunstfertigkeit, wie sie später von Sherlock Holmes ihre Fortsetzung findet.

Poes Werk, insbesondere die Motive des Phantastischen und Unheimlichen, gepaart mit metaphysischer Tiefe, hatten einen großen Einfluss auf die europäische Literatur des 19. Jahrhunderts, insbesondere auf die französischen Symbolisten. Ein großer Bewunderer war Charles Baudelaire, der sich auch als Übersetzer seiner Werke begeistern konnte. Darüber hinaus sind einige seiner Schauergeschichten verfilmt worden, wie z. B. „Murderers in the Rue Morgue“. Eine größere Reihe von Poes Werken wurde in den 60er Jahren unter Regie von Roger Corman mit Vincent Price in der Hauptrolle verfilmt.

Abschließend soll an Hand seines Gedichtes „Traumland“ von 1844 ein Eindruck seines Schaffens vermittelt werden – es gibt eine Beschreibung jenes Grenzbereichs der Träume und der weiter existierenden Toten wieder, die ihn ein Leben lang beschäftigt haben:

Pfade einsam und obskur,

Böser Engel dunkle Spur,

wo ein Eidolon, die Nacht,

Hoch auf schwarzem Throne wacht,

Führten jüngst mich in dies Land,

Weg von Thules trübem Rand,

Weg von Breiten wild und weit.

Voll Erhabenheit,

Außer RAUM – außer ZEIT.

……………………..

Für ein Herz, von Weh berannt,

Ists ein friedevolles Land –

Einem Geist aus Schattenhainen,

Wills wie Eldorado scheinen.

Doch wers wagt hindurchzusehen,

Darfs mit offenem Blick nicht sehen.

Niemals wird ein Rätselbild

Schwachem Menschenaug enthüllt.

So wills sein König, der beim Leben

Verboten hat, das Lid zu heben.

Drum dürfen Seelen, die hier gehn,

Nur durch geschwärzte Gläser sehn.

(wz)

http://www.youtube.com/v/FmgAsLr2bgI&feature=fvst


http://www.youtube.com/v/VFy7XidbnKw

Quellen: Hans-Dieter Gelfert: Edgar Allan Poe, Am Rande des Malstroms, C.H.Beck Verlag/Die Zeit/Illustration of Edgar Allan Poe’s The Raven by Gustave Doré (1832-1883)

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