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Ars amatoria

2 Januar 2014 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Liebeskunst

“Kennt einer in diesem Volk die Liebeskunst nicht, so lese er dieses Gedicht und sei danach ein Meister in der Liebe! Kunst steuert Schiffe, die mit Segel und Ruder angetrieben werden, Kunst lenkt leichte Wagen, Kunst muss auch Amor lenken.“

Es wird viel geschrieben über die Suche und das Finden der Menschen. Die Verwissenschaftlichung von natürlichen Gegebenheiten ist ein Phänomen unserer Zeit. Die Suche nach dem 130%igen Erfolg ist eine Jagd, die schlussendlich ins Leere führt, uns erschöpft. Wir erinnern uns, wir waren jung und unbedarft, versuchten das ein oder andere Herz zu erobern. Oft verhielten wir uns wie junge Hunde. Eilig und überhastet. Der süße Genuss blieb allzu oft versagt. Die Erfahrung hatte meist gesiegt.

Das Geheimnis eines Erfolges liegt im Dämpfen des wilden Sinnes. Ovid bereicherte uns Männer mit der Liebeskunst. Dieses kleine Büchlein, erschienen bei Reclam, ist mehr als eine Ansammlung antiquierter Liebeselegien aus der Antike.

“ Wir werden sicheren Liebesgenuß und erlaubte Heimlichkeiten besingen und in meinem Gedicht wird kein Verbrechen gelehrt.“

Liber primus „Anweisungen für Männer“ beginnt bei dem Kapitel über das „Wo“ und führt uns anhand von einzutretenden Situationen zu dem „Wie“. Das Liber secundus beschreibt die Festigung der Liebe nach dem Erreichen.

Das „Wo“: „Aber du, geh vor allem im Rund des Theaters auf Jagd: Dieses Gebiet ist ergiebiger, als du es in deinen kühnsten Wünschen erhoffst. Dort findest Du etwas zum Lieben, etwas zum Spielen, dort findest du, was du einmal berühren und was du festhalten willst. Wie Ameisen in langem Zuge dicht durcheinanderwimmeln, wenn sie ihre gewohnte Speise im körnertragenden Munde befördern, oder wie Bienen, wenn sie ihre geliebten Waldtäler und duftenden Weideplätze erreicht haben, um Blumen und Thymianspitzen schwärmen, so eilen fein herausgeputzte Frauen zu den gutbesuchten Spielen. Oft hat die reiche Auswahl mich mit meinem Urteil zögern lassen. Sie kommen, um zu schauen, sie kommen, um sich selbst anschauen zu lassen. Das ist ein gefährlicher Ort für die Keuschheit!“

Das Liber tertius ist für Frauen gedacht, aber für Männer nicht uninteressant. Erkenne das Spiel der Frauen und handle entsprechend. Die Allegorien sind so wunderbar erzählt und in den gegenwärtigen Kontext geradezu herrlich übertragbar.

Schöne Männer und Schwindler – Aber meidet Männer, die oft erkennen lassen, daß sie sich pflegen, auf Schönheit bedacht sind und sich das Haar kunstvoll zurechtlegen. Was sie euch sagen, das haben sie schon tausend Mädchen gesagt; ihre Liebe schweift umher und läßt sich nirgends häuslich nieder. Was soll eine Frau tun, wenn der Mann vielleicht eine glattere Haut hat als sie selbst und imstande ist, mehr Männer zu haben als sie?“

Ovids Lehrgedicht über die Kunst der Verführung ist, auch wenn das Bild des Eros im Wandel begriffen scheint, eine durchaus aktuelle Sichtweise. Seine feinen Bobachtungen von fast wissenschaftlicher Natur erzählen uns von vorurteilsloser Toleranz, Humor und einem Sittengemälde seiner Zeit.

(sb)

Ovid „Ars amatoria – Liebeskunst“ erschienen im Philipp Reclam jun. Verlag

ISBN-10: 3-15-000357-1 ISBN-13: 978-3-15-000357-2

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