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Die Kunst im Aufbruch

24 Mai 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Der Adler von Flandern Ernst Hofman 1918/1919, Erste Weltkrieg und die Deutschen, Krieg und Spionage, Ikarus,Regie: Carl FroelichDer Erste Weltkrieg und die Deutschen

Der Anlass war die vergangene Berlinale. Wir wollen in diesem Kontext eine Serie beginnen, die sich mit dem Thema des Ersten Weltkrieges und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft in der gesamten Breite auseinandersetzt. Film, Literatur und bildende Kunst bilden in der Zeit eine nie gekannte enge Symbiose. Die Serie soll zu einem Sujet mit der Literatur und Kunst verflochten werden. Warum? Der Erste Weltkrieg ist als eine Zäsur der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland zu betrachten. Ähnlich der Zeit nach den Befreiungskriegen entsteht eine völlige Neuausrichtung.

Wir wollen Literatur aus jener Zeit vorstellen. Von Edleff Köppen, Georg Trakl, August Stramm bis Franz Schauwecker und Ernst Jünger. Wir werden Künstler vorstellen wie Otto Dix, Max Beckmann und Franz Marc. Dieses Gesamtbild erklärt, mit welcher Tragweite dieses Ereignis die gesamte Gesellschaft erfasste und berührte.

In der beginnenden Serie stellen wir zuerst Filme vor, die einen Einblick geben in das Verhältnis der Deutschen zum Film im Genre des Kriegsfilms in den Jahren des Ersten Weltkriegs bis hin zu den 30er Jahren.

Das Kino und der Krieg

Wie reagiert das Kino auf die epochale Erfahrung des Ersten Weltkrieges und wie reflektiert es über massenhaftes Leid?

Wie verarbeitet das Kino die Erlebnisse, angesichts der Tatsache, dass die männlichen Zuschauer als Soldaten aktiv beteiligt waren? In diesen von eigenen Erlebnissen und Fiktion zusammengesetzten Bildern werden klassische Genres aufgegriffen wie Krimis, Spionage- und Abenteuergeschichten. Beteiligte wie nicht Beteiligte sollen befriedigt werden. Eine Mischung aus Spannung, Tiefsinn, Schaulust und Emotionen soll große Gefühle wecken.

„Ikarus” – „Der Adler von Flandern” ; Deutschland 1918/1919

Regie: Carl Froelich

Darsteller: Ernst Hofmann, Esther Carena, Heinz Sarnow

Frühjahr 1914. Der junge Ingenieur Ellinghaus verfällt der rätselhaften Clemence, einer femme fatale, hinter der sich eine französische Agentin verbirgt. Sie hat es auf geheime Konstruktionspläne abgesehen. Als Ellinghaus die Intrige erkennt, ist er bereits finanziell und gesellschaftlich ruiniert. Doch er verrät die Pläne nicht und beginnt in Amerika ein neues Leben. Da bricht der Krieg aus und Ellinghaus kehrt nach Deutschland zurück, meldet sich zur Armee und bewährt sich als Flieger. Beim Einsatz an der Westfront trifft er erneut auf Clemence.*

Regie Carl Froelich, Darsteller: Ernst Hofmann, Esther Carena, Heinz Sarnow

Krieg und Spionage, Melodram und Männerphantasie: Der Regisseur Carl Froelich vermischt das alles zu einem spannenden Publikumsfilm, der zugleich auf höchst merkwürdige Weise zwischen den Zeiten schwebt. Denn das Werk wurde unter dem Titel “Der Adler von Flandern” zwar noch Ende Oktober 1918 der Presse vorgestellt, als sich das Kaiserreich bereits militärisch auflöste. In die Kinos gelangte der Film aber erst am 1.7.1919 unter dem neuen Titel „IKARUS“. In den Monaten dazwischen war viel passiert: Deutschland hatte kapituliert, eine Revolution erlebt, es hatte sich eine demokratische Staatsform gegeben und im Juni 1919 den äußerst umstrittenen Versailler Friedensvertrag unterzeichnet. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse musste die frühere anachronistische Version des Films mit ihrem optimistischen Bild von deutscher Macht und Moral umgearbeitet werden. Nun steht am Schluss die Versöhnung zweier ehemaliger Feinde. Das Werk ist gleichwohl ein Zwitter geblieben: der letzte Kriegsfilm des Kaiserreichs und der erste der Republik.

Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass der Film inmitten der „Gezeiten” in die Kinos kommt, ist „Der Adler von Flandern” ein erstaunlicher Kriegsfilm. Wie auch in anderen Kriegsfilmen werden authentische Frontaufnahmen verwoben, diese werden aber gekonnt in ein Spannungsverhältnis gebracht. Er ist kein Propagandafilm im klassischen Sinne obwohl er nationale Botschaften trägt. In der Rezension der Lichtbild-Bühne lesen wir Folgendes: „Ernst Hoffmann in der Rolle des Ellinghaus stelle die Metamorphose vom Lebejüngling zum forschen deutschen Lufthelden glaubhaft dar.

Er verkörpert den echten, stolzen, mutigen Draufgänger in seiner vornehmen, rassigen Schlankheit. {…} Der Film kann zu den besten seiner Zeit gerechnet werden.”

Auffallend ist zudem die Wortwahl des Titels. „Der Adler von Flandern”. Der Adler und Flandern suggerieren eigentlich sich gegenseitig ausschließende Begriffe. Flandern erinnert mehr an die Kriegsführung ohne Bewegung und ein Ausharren unter extremsten Bedingungen, der Adler dagegen an Beweglichkeit, Beherrschung des Himmels. Zudem galten Flieger wie Oswald Boelcke, Max Immelmann, Emil Schäfer und natürlich Manfred von Richthofen durch den medial begleiteten Trubel geradezu als Stars und Publikumsmagnet. Stars, die in ihren kriegerischen Handlungen den Geist einer Nation ideal zu reflektieren vermochten. Ideale wie Ritterlichkeit und Sportsgeist standen im diametralen Gegensatz zum industrialisierten Massenkrieg, der an den Fronten herrschte.

Teil 2 der Rezension:

  • Verdun; Frankreich 1928, ein Film von Léon Poirier
  • Stosstrupp; Deutschland 1934, Regie: Ludwig Schmid-Wildy und Hans Zöberlein

(*) Programm Zeughauskino Berlin 2004, Deutsches Historisches Museum

Quelle: Deutsches Historisches Museum

(sb)

 

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