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Wissenschaft und Plagiat

27 Februar 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
Immanuel Kant, 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 ebenda, deutscher Philosoph der Aufklärung

Immanuel Kant

Wissenschaft und Ethik

Heute, wo die Diskussion um wissenschaftlich exaktes Arbeiten an besonderer Aktualität gewonnen hat, auch durch die nachträgliche Aberkennung der Promotion in Folge des Plagiatsverdachtes im Fall Freiherr zu Guttenberg, stellt sich für die Universität als höchste Instanz von Bildung und Wissenschaft die Frage nach der Ethik in der Wissenschaft mit besonderer Dringlichkeit.

Hierzu haben sich bereits 1991 in einer entsprechenden Schrift hoch angesehene Professoren und Präsidenten von verschiedenen Universitäten wie auch wissenschaftlichen Organisatoren, z. B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder Max-Planck-Instituten geäußert und ausführlich ihre Positionen zu diesem äußerst wichtigen Aspekt bezogen.

Der Herausgeber dieser Schrift „Wissenschaft und Ethik“ Hans Lenk, Prof. für Philosophie der Universität Karlsruhe, befasst sich darin in seinem einleitenden Beitrag „Zu einer praxisnahen Ethik der Verantwortung in den Wissenschaften“ insbesondere mit zwei Teilaspekten; der Frage der Wissenschafts-internen Verantwortung und die einer externen Verantwortung des Wissenschaftlers.

„Die interne Verantwortung trägt der Wissenschaftler gegenüber seiner Zunft, sie umfasst die Beachtung der Regeln sauberen wissenschaftlichen Arbeitens und fairer Konkurrenz unter dem Höchstwert der bestmöglichen objektiven Wahrheitssuche und –sicherung.

Besonders die Werte Ehrlichkeit, Objektivität, Toleranz, Zweifel an der Gewissheit und uneigennütziges Engagement bestimmen die Normen des wissenschaftlichen Handelns. Diese Idealnormen des wissenschaftlichen Ethos können für seine Stellung oder sein Ansehen ernsthafte Folgen haben, z. B. für seine Stellung oder Ansehen (Reputationsverlust) oder z. B. fällt ein wissenschaftlicher Plagiator im Allgemeinen bei der Scientific-Community in Ungnade und Isolierung, so dass seine wissenschaftliche Karriere beendet ist.

Die externe Verantwortung des Wissenschaftlers gilt es in Bezug auf die möglicherweise von seinen Ergebnissen Betroffenen zu untersuchen, wie z. B. bei Experimenten mit Menschen, die sozusagen Objekte seiner Forschung werden. Bei aller auf den ersten Blick als allgemeines Leitprinzip gegebener Freiheit der Forschung ergeben sich dennoch Einschränkungen und besondere Verantwortlichkeiten angesichts gefährlicher Forschungsbereiche, die z. B. Risiken für die Menschheit einschließen. Der Wissenschaftler kann – und das insbesondere im Bereich der Biotechnik und Gentechnologie – nicht einfach seine Hände öffentlich in Unschuld waschen, wenn er etwas entdeckt, das katastrophal für die Menschheit sein könnte. … Abschließend kann man den Wissenschaftler daher nicht von jeglicher internen und externen Moral freisprechen.“

In Abwägung dieser ethischen und moralischen Aspekte von Wissenschaft haben ähnlich wie die Mediziner Wissenschaftler einen hippokratischen Eid vorgeschlagen, der im Folgenden vorgestellt wird (aus Conference on Scientists, Disarmament and People (Buenos Aires 1988):

„In dem Bewusstsein, dass ohne ethische Steuerung die Wissenschaft und ihre Produkte die Gesellschaft und deren Zukunft schädigen oder gar zerstören können, gelobe ich, meine eigenen issenschaftlichen Fähigkeiten niemals nur für Entlohnung oder Prestige oder ausschließlich auf Anweisung von Arbeitgebern oder politischen Führern anzuwenden, sondern nur auf Grund meiner persönlichen Meinung und sozialen Verantwortlichkeit, gestützt auf mein eigenes Wissen und auf Abwägung der Umstände und der möglichen Konsequenzen meiner Arbeit, so dass die wissenschaftliche oder technische Forschung, die ich unternehme, wahrhaft im besten Interesse der Gesellschaft und des Friedens ist“.

Göttinger Universitäts-Bibliotheksgebäude in Jahr 1815

Bezugnehmend auf die eingangs erwähnte aktuelle Diskussion zum Plagiatsvorwurf gegenüber dem Deutschen Verteidigungsminister Freiherrn zu Guttenberg muss darauf hingewiesen werden, dass auf Grund der oben zitierten Aspekte von Wissenschaft und Ethik die Wissenschaft sich selbst vor Kandidaten schützen muss, die ihren hohen Standards nicht Folge leisten und dagegen verstoßen. Denn der Ruf der Wissenschaft, dem in der heutigen Bildungsdiskussion höchste Priorität zukommen sollte, wäre selbst in höchstem Maße gefährdet, wenn Plagiatsvorwürfen nicht mit Entschiedenheit nachgegangen würde.

(wz)

Quelle: Wissenschaft und Ethik, Herausgeber Hans Lenk, Reclam Stuttgart

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