Home » Interview, leben, persönlichkeiten

Männerbeben

27 März 2011 Ein Kommentar PDF Drucken Drucken

Männerbeben Arne Hoffmann

Interview mit Herrn Arne Hoffmann im Kurhaus Wiesbaden

a: Herr Hoffmann, Sie sind studierter Medienwissenschaftler und Journalist, Verfasser verschiedener Internetblogs zur Geschlechterdebatte, Preisträger der Kellmann-Stiftung für „Humanismus und Aufklärung“, Mitglied der Männerinitiative MANNdat (www.manndat.de) und seit letztem Jahr Vorstand der geschlechterpolitischen Organisation AGENS „Mann – Frau – MITeinander“ (www.agensev.de). Durch Ihre zahlreichen Bücher und mehrere Beiträge in den Medien, darunter einer Titelgeschichte im FOCUS, wurden Sie auch der breiten Bevölkerung als Vorreiter und einer der Sprecher der Männerrechtsbewegung in Deutschland bekannt. Wie kamen Sie zum Schreiben und was heißt eigentlich Männerbewegung?

AH: Ich habe schon als Student angefangen, Bücher zu schreiben, allerdings habe ich mich in meinen Anfangsjahren als Autor noch fast ausschließlich im Genre der erotischen Literatur bewegt. Meine ersten Veröffentlichungen kamen zustande, nachdem ich dem Hamburger Charon-Verlag inkognito erotische Kurzgeschichten geschickt hatte, die dann fast zu meiner eigenen Überraschung regelmäßig in Best-of-Sammlungen veröffentlicht wurden. Dieses bestätigte mir meine Leidenschaft und 1997 erschien dann bei Charon mein erstes belletristisches Buch „Neue Leiden“ unter dem Pseudonym Cagliostro. In Deutschland ist es leider schwierig, von einem Genre ins andere zu wechseln – die meisten Verleger, Lektoren, aber auch viele Leser möchten einen Autor gerne in eine bestimmte Schublade stecken und sind dann überrascht, wenn er sich auch zu anderen Themen kompetent äußert. Deshalb dauerte es ein paar Jahre, bis ich mich auch in anderen Bereichen etablieren konnte. Im wissenschaftlichen Bereich ging all meinen anderen Büchern jedoch meine 1996 veröffentlichte Magisterarbeit voraus; ihr Thema war die politische Korrektheit im Spannungsfeld zwischen Sprachzensur und Minderheitenschutz, wie sie von den USA mit leichter Verzögerung nach Deutschland geschwappt ist.

Auch die Männerbewegung ist Anfang der 90er Jahre in den USA entstanden. Ihr bekanntester Wegbereiter ist Warren Farrell mit seinem Buch „Mythos Männermacht“. Die deutsche Männerbewegung manifestiert sich in Gruppen wie Manndat, dem Väteraufbruch und der Männerpartei. Sie kritisiert eine einseitig an Fraueninteressen orientierte Geschlechterpolitik, die in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Ungerechtigkeiten zu Lasten von Männern hervorgebracht hat. Wir möchten diese Missstände bekannt machen und auf ihre Beseitigung hinwirken. Dieses soll sowohl durch Aufklärung als auch durch gesetzliche und politische Initiativen geschehen. Dabei wehren wir uns gegen eine Vereinnahmung von Begriffen wie Gleichberechtigung, Gleichstellungspolitik oder Gender-Mainstreaming durch eine rein feministische Interessenpolitik. Zu den wichtigsten Feldern gehören:

  • die massive Benachteiligung von Männern durch die Gesundheitspolitik
  • die einseitig auf die Förderung von Mädchen und Frauen ausgerichtete Bildungspolitik, im Besonderen in Kindergärten und Grundschulen
  • eine Arbeitsmarktpolitik, die die dramatische Zunahme speziell der männlichen Arbeitslosigkeit ignoriert
  • eine väterfeindliche Rechtspraxis in Familien- und Scheidungsfragen
  • der noch einseitige, gesellschaftliche Zwangsdienst für Männer (Kriegs- oder Ersatzdienst)
  • weitere Themen sind der Umgang mit den weit überwiegend männlichen Obdachlosen und einige andere mehr.

a: In Ihrem Buch „Männerbeben“ geht es zum einen um die Männerbewegung, zum anderen werden darin etliche feministische Dogmen entzaubert. Das Buch ist insofern der Nachfolger Ihres Buchs „Sind Frauen bessere Menschen“ aus dem Jahre 2001. Warum sprechen wir überhaupt von einer neuen Männerbewegung? Sind Männer wirklich an einem Punkt angekommen, wo sie gesellschaftlich benachteiligt werden, und was hat Sie bewogen, gerade diese Bücher zu schreiben?

AH: Wenn es um das Geschlechterthema geht, sprechen unsere Medien 24 Stunden am Tag ausschließlich über “Benachteiligungen von Frauen”. Das führt dazu, dass auch nur für Frauen Geschlechterpolitik gemacht wird. Es gibt zahlreiche Frauenministerien, keines für Männer, jede größere Partei hält sich einen frauenpolitischen Sprecher, keine einzige einen männerpolitischen und so weiter. Ich habe mit „Sind Frauen bessere Menschen?“ schon vor zehn Jahren einen der wesentlichen Anstöße für eine differenzierte Geschlechterdebatte gegeben als die bisherige Ideologie vom Opfer Frau und Täter Mann und bin damit auch einer der Begründer dieser neuen Form von außerparlamentarischer Opposition. In “Männerbeben” schildere ich die Kinderjahre dieser jungen Bewegung und porträtiere einige zentrale Vordenker und Pioniere, Männer wie Frauen, in mehreren Interviews. Im Schlussteil des Buches liefere ich dem Leser Anregungen, wie er diese Bewegung unterstützen und hier selbst von Bedeutung werden kann. Die Männerrechtler bilden insofern eine von mehreren politischen Bewegungen von Menschen, die sich von der offiziellen Politik nicht mehr vertreten fühlen und deren Position lange auch von den Medien ignoriert wurde.

a: Wie sehen Sie denn die Zukunft des Mannes in unserer Abendländischen Kultur? Ist der Feminismus nicht nur ein Phänomen unserer Komfort-Gesellschaft, in der alles künstlich durch Gesetze geregelt und ein „Gender-Mainstreaming“ politisch indoktriniert wird?

AH: Zu einem großen Teil ist der real existierende Feminismus in der Tat eine Dekadenzerscheinung. Man sieht das zum Beispiel gut bei der Afghanistandebatte: Zu einem Krieg in diesem Land motiviert werden sollen wir derzeit vor allem über die desolate Situation der Frauen dort, aber diejenigen, die weit überwiegend zur Sicherung der Frauenrechte in Afghanistan kämpfen und sterben, sind nicht etwa die Feministinnen, sondern die von ihnen so verhassten, angeblich Frauen unterdrückenden Männer. Mehr muss man zur Bankrotterklärung des Alice-Schwarzer-Feminismus eigentlich nicht sagen. Auch am 11. September waren die Feuerwehrleute, die ihr Leben riskiert oder gar geopfert haben, um die Menschen aus dem zusammenstürzenden World Trade Center zu retten und zu bergen, ausschließlich Männer. Und welchem Geschlecht gehören eigentlich weit überwiegend die Leute an, die sich gerade um die Katastrophensituation in den japanischen Kernkraftwerken kümmern? Demselben Geschlecht, das Melanie Haack für das ZDF in einem zeitgeistigen, aber nichts desto weniger widerwärtigen Beitrag zum 8. März (Weltfrauentag) als „überflüssig“ erklärt hat und in einer spielerischen Inszenierung als Playmobil-Figürchen von der Erdkugel kickte. Man fragt sich, was hier größer war: Haacks Männerhass oder ihr Selbstbetrug? Die feminismuskritische Professorin Camille Paglia hat einmal treffend bemerkt: „Es wird nicht mehr als eine einzige Naturkatastrophe nötig sein, damit diese ganze künstliche Welt zusammenstürzt, und plötzlich wird jeder nach den Klempnern und Bauarbeitern rufen. Nur maskuline Männer der Arbeiterklasse werden die Welt zusammenhalten.“Das ist genau das, was wir gerade in Japan erleben.

a: Das heißt, in der Bundesrepublik Deutschland wäre es genauso?

AH: Aber sicher. Wenn wir es zum Beispiel mit einer massiven, anhaltenden Wirtschaftskrise zu tun bekämen, würden sich zahllose Herabsetzungen von Männern von selbst erledigen. Wie die sogenannte Jungenkrise jetzt schon dem Wirtschaftsstandort Deutschland, aber auch unserer Demokratie immensen Schaden zufügt, erläutere ich in meinem Buch „Rettet unsere Söhne“. Der VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs berichtete im Dezember letzten Jahres, dass 72.000 offene Ingenieurstellen nicht besetzt werden konnten und dieses kostete der heimischen Volkswirtschaft jetzt schon jetzt mehrere Milliarden Euro. Fast könnte man derzeit unken: Erst wenn der letzte Mann aus dem Ingenieurwesen vertrieben worden ist, werden wir feststellen, dass wir allein mit immer neuen „Genderwissenschaftlerinnen“ keine erfolgreiche Industrienation mehr sein können. Dieser Satz ist natürlich sehr überspitzt, aber das Problem, das er umschreibt, ist sehr real. In meinem Buch stelle ich das anhand konkreter Zahlen ausführlich dar.

Raffael Zeller in Strenesse (androgon), Arne Hoffmann

a: Selbst Musikerinnen wie Ina Müller und Pat Appleton setzen sich auf ihren gerade neu erschienenen CD´s mit den Stücken „Gleichberechtigung“ und „Männer ohne Pferd“ mit diesem Thema – zu Gunsten der Männer – durchaus sarkastisch auseinander. Glauben Sie, dass sich Feministinnen oft nur selbst etwas vormachen und sich Frauen doch eher nach Harmonie oder Familie sehnen?

AH: Natürlich hat jede Frau ihre eigenen Vorstellungen und Ziele, aber gerade deshalb war es anmaßend von einigen Feministinnen so zu tun, als würden sie für alle Frauen sprechen. Und tatsächlich argumentieren viele Feminismuskritiker ja zu Recht, dass die Frauenbewegung an echter Gleichberechtigung nur sehr begrenzt interessiert ist. Feministinnen wollen zwar eine Zwangsquote, mit der Frauen Führungspositionen quasi geschenkt bekommen, statt sie sich verdienen zu müssen, aber dass Frauen hälftig zum Beispiel in den Urantagebau, die Müllabfuhr, die Abwasserkanäle und auf das Schlachtfeld gezwungen werden, verlangt keine einzige Feministin. Diese Ideologinnen wollen die Sahne in allen gesellschaftlichen Bereichen, den sauren Rahm dürfen die Männer behalten. Das ist einer der Aspekte, die den Feminismus zu einer sexistischen Ideologie machen. Im Gegensatz dazu stehen die meisten Frauen in unserer Gesellschaft wohl kaum hinter dem, was uns allen politisch verordnet wird. Das sogenannte Gender Mainstreaming wurde in Deutschland nie politisch legitimiert.

Alice Schwarzers Ikone Simone de Beauvoir sagte einmal: „Keine Frau sollte das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte völlig anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, und zwar genau deshalb, weil, wenn es eine solche Möglichkeit gibt, zu viele Frauen sich dafür entscheiden würden.“ Es handelt sich bei den Feministinnen um eine letztlich relativ kleine Gruppe von Leuten, die ihre persönlichen Interessen sehr erfolgreich als die Anliegen der Allgemeinheit ausgegeben haben.

a: Was geschieht, wenn sich unsere Komfortgesellschaft so weiterentwickelt, das weibliche Geschlecht immer stärker protegiert, Frauenquoten in allen Bereichen eingeführt und das Gender-Mainstreaming-Programm politisch weiter durchgesetzt wird? Wie wird sich der Mann entwickeln und was wird er dann noch für eine Rolle spielen?

AH: Ich glaube, viele Männer werden sich immer stärker aus der Gesellschaft ausklinken und auch von Partnerschaften zurückziehen. Das machen sie ja jetzt schon. Für die sexuelle Befriedigung suchen sie sich zunehmend im Internet, was sie sich wünschen. Schon Oswald Kolle hat vor einigen Jahren vor einer ausschließlich „onanierenden Gesellschaft“ gewarnt, und je weiter sich die Technik entwickelt, um erotische Bedürfnisse zu erfüllen, desto mehr wird sich dieser Trend verstärken. Das ist keine Unkerei; es gibt jetzt schon weltweit starke Belege für diese Entwicklung. Partnerschaften mit Frauen werden seltener werden, auch weil die jungen Männer heute die „gewarnte Generation“ sind. Bei zahlreichen Bekannten haben sie miterlebt, wie deren Partnerinnen ihnen die Treue gebrochen und die Partnerschaft verlassen haben, woraufhin deren Ex-Männer nur noch als Zahlesel missbraucht wurden, ja, oft nicht einmal mehr ihre eigenen Kinder sehen durften.Auch beim Dating haben immer weniger Männer Lust, vor den Frauen einen Schaulauf zu veranstalten und sich endlos durchtesten zu lassen, ob sie die unterschiedlichsten, oft einander widersprechenden Rollen gleichzeitig ausüben können. Das emotionale und das finanzielle Risiko wird vielen Männern zu hoch. Sollte es keine überraschende Gegenbewegung geben, werden Familie und Ehe dadurch immer weiter an Bedeutung verlieren. Das ist ja von bestimmten politischen Fraktionen auch so gewünscht.

Aber auch bei einigen Frauen ist diese Entwicklung schon in vollem Gange. So manche sucht sich den Mann oft nur noch als Samenspender aus, lässt sich als Alleinerziehende feiern, die Versorgerrolle übernimmt ja heute zum größten Teil schon der Staat und der Erzeuger des Kindes, der immer zahlen muss, ob er nun Nachwuchs wollte oder nicht. Währenddessen sitzen viele Männer täglich mehrere Stunden am Computer, um ihre Männlichkeit rein virtuell in Computerspielen wie „World of Warcraft“ zu erleben und sich dort zu bewähren. Bestätigung erhalten sie für ihre Leistungen nicht mehr von den Frauen, sondern von ihren Kumpels.

Natürlich wird es aber immer Alphatiere geben, die keine Probleme haben, eine Partnerin nach ihren Vorstellungen zu finden. Der klassische Mann mit zum Beispiel breiten Schultern, selbstbewusstem Auftreten und verantwortungsbewusstem Verhalten hat auch heute noch bei den meisten Frauen eine Vorrangstellung inne und wird immer wieder von ihnen ausgewählt. Das Rollenmodell des sogenannten „lila Pudels“, also Männer, die feministischer sein wollen als alle Feministinnen, war bei Frauen nie wirklich populär. Sich als Mann selbst zu verleugnen in der Hoffnung, dafür von Frauen mal ein nettes Wort oder gar intime Kontakte gewährt zu bekommen, ist ein Holzweg. Zu einer gleichberechtigten Partnerschaft gehört, dass beide Geschlechter ihre Anliegen klar benennen und selbstbewusst vertreten.

a: Warum glauben Sie, dass sich Männer der Unterwerfung unter den feministischen Herrschaftsanspruch dauerhaft entziehen können? Die Jugend kennt doch gar nichts anderes mehr als die vermeintlichen Ideale der sogenannten „Gleichstellung“. Die jungen Männer werden doch gar nichts vermissen, merken doch gar nicht, dass sie von der Gesellschaft schon kastriert wurden. Sie werden hauptsächlich zu Hause von der Mutter erzogen, in den Kindergärten von Frauen betreut und in der Schule fast ausschließlich von Frauen bewertet. Maximilian Pütz, mit dem Sie das Buch „Der perfekte Eroberer“ geschrieben haben, jongliert hier sogar mit einem auf den ersten Blick lustig klingenden Begriff „Dominette“ – ein Wort, welches sich wohl aus dominant, nett und adrett ableitet. Das Gegenstück ist leider der heutige Mann als „Hampelmann“.

AH: Das Wort „Dominette“ wurde nicht von Maximilian erfunden, sondern von der Schweizer Journalistin Martina Bortolani, die die Entwicklung von Frauen zu Dominas und Männern zu „Fifis“, wie sie schreibt, in ihrem Artikel selbst als bedenklich schildert. Die ersten Frauen beginnen sich schon seit mehreren Jahren vor der Entmännlichung unserer Gesellschaft zu gruseln. Nicht ohne Grund hat sowohl die Schweizer Interessensgemeinschaft Antifeminismus als auch AGENS einen großen Anteil weiblicher Mitglieder. Und obwohl die Macht der Gene nicht so absolut gesehen werden kann, wie das manche Evolutionsbiologen gerne tun, üben diese doch unbestreitbar einen starken Einfluss aus. 30 Jahre löschen nicht mehrere Jahrtausende der menschlichen DNA. Insofern überrascht es mich nicht, dass unser Buch „Der perfekte Eroberer“ sofort zum Bestseller wurde – schon zwei Tage nach seinem Erscheinen im Buchhandel ging es in die zweite Auflage! Das ist kein Zufallstreffer. Offenbar ist der natürlichste Vorgang der Welt, das Kennenlernen von Frauen, für viele Männer heute auch Jahrzehnte nach der sexuellen Revolution ein immer größeres Problem. Man könnte also mit immer neuen Baustellen, die sich einer Männerbewegung auftun, noch einige Zeit weitermachen.

(rz)

Weitere Informationen unter:

http://www.arnehoffmann.com/

Arne Hoffmann, Raffael Zeller in Strenesse (androgon) beim Interview

http://www.amazon.de/Arne-Hoffmann/e/B001I7SNK8/ref=ntt_athr_dp_pel_1

Bildquelle: www.androgon.com

Mode/Accessoires: androgon: Leder-Stiefeletten, blauer Anzug und Kaschmirpullover von Strenesse Men http://www.strenesse.com/Strenesse-Gabriele-Strehle-Men

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (15 votes, average: 4,93 out of 5)
Loading...