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Getting Tough – The Race 5.0

18 Dezember 2016 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

20161203_134739Getting Tough – The Race V

Wie jedes Jahr traf sich die europäische OCR – Community zum Abschluss der Laufsaison, am 3. Dezember 2016 im beschaulichen Rudolstadt bei Erfurt in Thüringen.

Hier fand bereits zum 5. Mal der härteste Hindernislauf Europas statt, das Getting Tough Race. Die Daten der Strecke ließen bereits einiges erahnen. 24 Kilometer mit über 1000 Höhenmetern, sowie 150 Hindernisse, wobei allein 100 auf den letzten 3 Kilometern in einem „Killingfield“ angeordnet sind. Diese müssen die Läufer bezwingen, um über den  „Walk of fame“ den Zielbereich zu erreichen.

-6,5° Celsius
Doch noch vieles mehr macht diesen Lauf zum härtesten in Europa, auch die Art der Hindernisse ist einmalig – das höchste ragt 15 Meter in die Höhe. Dazu kommen die Temperaturen. Dieses Jahr waren es knackige -6,5° Celsius zum Start und auch über den ganzen Tag blieben die Temperaturen unter 0° Celsius, die Wassertemperatur konnte man an diversen Eisschollen ganz gut abschätzen.

NVA – Sturmbahn
Bereits am Vortag, dem Tag unserer Anreise, konnte die Strecke besichtigt werden. Alle Hindernisse waren weitgehend fertig präpariert, denn am Abend vor dem großen Hauptwettkampf fand eine Sprintversion „SAN“ statt, die sich nur auf die vielen Hindernisse im letzten Teil des Laufes konzentriert. Auf einigen Hindernissen, einigen alten NVA – Panzern glitzerte der gefrorene Tau. Die Wiese, auf der traditionell der Massenstart abgewickelt wird, glich einem steinhart gefrorenem Acker und die zwei Erdwälle, die kurz nach dem Start überwunden werden sollten, erhoben sich gute 3 Meter über den 2 Meter tiefen, dazugehörigen Wassergräben. Dieser Anblick schürte einerseits die Vorfreude, war andererseits aber auch respekteinflößend. Eingepackt in dicke Winterjacken wurde die alte NVA – Sturmbahn, welche ebenfalls Teil des Laufes war, unter die Lupe genommen, um den besten Weg durch die Hindernisse zu erfassen.

Start
Am nächsten Morgen hatte sich die Temperatur kaum verändert. Der Start war für 10 Uhr gesetzt. Nach einem kurzen Marsch vom Eventgelände auf die Startwiese stellten sich die 3200 Teilnehmer in einer Reihe über die ganze Breite der Wiese auf. Ein weiteres Merkmal, welches das Getting Tough Race einzigartig macht, ist der Massenstart in einer langen Reihe in Braveheart – Manier. Nur wenige Meter hinter der Startlinie ersteckte sich ein langes Kriechhindernis gefolgt von den Erdwällen und Wassergräben. Für Stimmung sorgte eine ACDC-Coverband auf einer Bühne mitten auf der Wiese. Während die Spannung stieg, wurden die Läufer auf die Startlinie zurückgedrängt. Drei Kunstflieger rasten im Tiefflug über die Köpfe der Athleten, dann zählte eine Stimme über Lautsprecher den Countdown von 10-0… runter.

Mit einem Puls von 180
Beim Erklingen des Startsignals sprinteten alle Teilnehmer los und stürzten sich unter dem Kriechhindernis hindurch in die eiskalten Wassergräben. Da der Boden steinhart gefroren war, konnte man keinen Halt an ihm finden, um sich aus dem Wasser zu ziehen. Auch auf den Erdwällen war es so rutschig, dass es schwierig war, diese schnell zu bezwingen. Mit einem Puls von 180 starteten die Athleten in den finalen Lauf der Saison. Auf den ersten 19 Kilometern stand das Laufen im Fokus.
Eine Spezialität von Getting Tough e.v ist es, einfache Hindernisse zu multiplizieren – so ging es im Zickzack gleich mehrfach steile Böschungen hinauf, um die kalten Beine etwas anzuwärmen. Die folgenden zwei Eskaladierwände und kniehohen Holzbalken vielen kaum noch auf, denn nun hieß es Reifentragen. Nach einer ewigen Runde mit dem Reifen ging es in den Wald und an den ersten heftigen Anstieg. Dieser war so steil und lang, dass es wohl kaum jemandem gelang, ihn komplett zu laufen. Auf dem gefrorenen Boden rutschten auch die stark profilierten Trailrunningschuhe schnell weg, und selbst im sonst etwas griffigeren Laub mussten die Schritte konzentriert und vorsichtig gesetzt werden. Über schmale Wege und Trails ging es weiter durch die Wälder um Rudolstadt; teilweise auch mehrere Kilometer steil bergab. Hier konnte richtig Gas gegeben werden. Doch oft waren die Wege steinig und knochenhart. Wer nicht aufpasste konnte schnell umknicken und schwer stürzen. Eine schnelle und saubere Koordination der Füße war das A und O. Zwischendurch hieß es immer wieder krabbeln oder springen, was zusätzlich Kraft entzog. Doch schnell kam wieder der Startbereich in Sicht- und Hörweite.

Kriechen, Klettern, Hangeln
Jeder, der schon einmal mitgelaufen ist, wusste, jetzt ging es erst richtig los. Die zwei Wassergräben, die ganz am Anfang durchquert werden mussten, sollten nun von den Athleten in ganzer Länge durchwatet werden. Das hieß etwa 200 Meter durch Wasser nahe dem Gefrierpunkt laufen. Nach diesem Hindernis war jegliches Gefühl aus der unteren Körperhälfte verschwunden. Doch jetzt nur keine Pause einschieben, sonst droht die völlige Unterkühlung! Es ging direkt weiter auf die NVA – Sturmbahn. Hier wechselten sich Kriechen, Klettern und Hangeln ab. Durch weitere Wassergräben und schmale Betonrohre ging es zum Sandsacktragen. Eine große Runde, mit dicken Baumstämmen die den Weg versperrten, musste absolviert werden. Nach kurzer Laufstrecke wurde es wieder kalt. Das THW hatte neben dem Fluss große Mulden mit Wasser gefüllt und Gerüstteile hinüber gelegt, sodass man auch mit dem Kopf untertauchen musste. Doch das war nur eine kleine, mentale Vorbereitung auf das wohl härteste Hindernis das nun folgte.

Das Freibad
Im gefüllten Becken sechs Baumstämme. Unter diesen mussten die Läufer hindurchtauchen. Klingt erst einmal nicht allzu schwer, doch sobald der durch das Laufen heiße Kopf in das eiskalte Wasser taucht, versetzt man den Körper in eine vitale Notsituation. Durch den Schock der Kälte verkrampfen die Muskeln im Lungenbereich, so kann man auch nach dem Auftauchen kaum Luft holen. Außerdem schießt ein extrem starker Schmerz in den Kopf und lässt kein klares Denken mehr zu. Die größte Herausforderung ist es hier, sich selbst unter Kontrolle zu behalten und immer weiter zu machen – und das Ganze sechs Mal. Wer sich durch diesen wohl schlimmsten Freibadbesuch aller Zeiten gekämpft hat, kann von sich behaupten, den heftigsten Teil von THE RACE gemeistert zu haben, ab hier hieß es „nur noch“ immer weiter machen und nicht stoppen.

Über ein zweites Becken galt es sich zu hangeln. Die Finger waren so taub, dass es kaum möglich war, zu spüren, wie fest der eigene Griff an den Stangen ist, was somit ein sicheres Hangeln fast unmöglich macht. Über eine kleine Hindernisbahn und die erste der vielen Holzpyramiden ging es weiter. Bis zum Eventgelände, wo das Ziel wartete, hieß es wieder joggen. Spätestens hier machten sich bei vielen Läufern erste Krämpfe in der Beinmuskulatur bemerkbar. Doch die meisten Hindernisse kamen ja noch. Das Eventgelände war ein großer Platz, der gespickt war mit Hindernissen. Diverse Eskaladierwände, Traktorenreifen oder Autoreifen auf verschiedenste Art gestapelt, riesige Holzpyramiden, Stromschocks, Autowracks, Panzer, Gerüste und verschiedenste Betonplatten – und Wände stellten viele der Teilnehmer vor eine nahezu unmögliche Herausforderung.

 

Motoryacht
Die Veranstalter waren wie auch in den letzten Jahren überaus kreativ. Unter anderem musste auch unter einer großen Yacht hindurchgerobbt werden. Ein persönliches Highlight stellte eine Holzwand dar, welche nur mit einem Seil erklommen werden konnte. Durch die leistungsstarken Pumpen der THW wurde dies Wand jedoch zu einem reißenden Wasserfall. Besonders schmerzhaft wiederum war hier das Kriechen, denn oftmals war der Untergrund reiner Asphalt oder auch scharfkantiger Kies. Das gesamte Feld wurde unter den Augen hunderter Zuschauer und deren anfeuernden Rufen von außen nach innen abgelaufen. In der Mitte dann, nach unendlicher Schinderei, lag der Walk of fame. Auf diesem letzten Stück waren noch einige besonders schwere Hindernisse aus Beton aufgebaut. Die Ziellinie lag direkt hinter einem Kriechhindernis, sodass jeder ins Ziel kriechen musste. Doch das entsprach auch dem Zustand vieler Teilnehmer.

Der schönste Moment
Von 3200 Startern erreichten ca. 800 nicht das Ziel, was eine ausgesprochen hohe Ausfallquote ist. Die Dimensionen der Hindernisse, ihre Anzahl und auch die anspruchsvolle Strecke brachten auch die besten Athleten des deutschen OCR – Sports an Ihre absoluten Grenzen. Ganz zurecht verdient dieser Lauf den Titel des härtesten Hindernislaufes Europas und ist nichts für Einsteiger des Sports. Doch umso mehr versuchte der Veranstalter die Teilnehmer vor schlimmen Verletzungen zu bewahren. Überall waren Sanitäter in Mengen vorhanden, vor allem im Freibad wurden die Läufer durch viele Rettungsschwimmer abgesichert. Der schönste Moment bleibt jedoch die Überquerung der Ziellinie und das Empfangen der Medaille sowie eines heißen Tees. Wie schon in den letzten Jahren sichert sich das Getting Tough – The Race in Rudolstadt wieder den Titel des extremsten Hindernislaufes Europas. Team-androgon war auch dieses Jahr wieder begeistert vom jährlichen deutschen OCR-Highlight des Jahres und wird auch im nächsten Jahr das 6ste Mal in Folge mit von der Partie sein.

 

Fazit:
Für Verpflegung auf der Strecke war ebenfalls ausreichend gesorgt. Das Parken vor Ort, die Ausgabe der Startunterlagen, die Abgabe der persönlichen Sachen und die Unterhaltung für die Zuschauer liefen reibungslos ab. Der Sicherheitsstandard des Events, vor allem im Bereich des Schwimmbades ist auf höchstem Niveau. Die Qualität und Vielfalt der Hindernisse sucht ihres Gleichen. Das Event war wie immer ein Wettkampf der Superlative – jeder wurde wieder an seine Grenzen gebracht. Den Titel härtester Lauf Europas hat „Getting Tough“ in seiner Kategorie der ORC definitiv wieder verdient. THE RACE – ein spitzen Event!

Hiermit möchten wir uns auch noch einmal ganz herzlich bei „Markus Ertelt“ und den Jungs von Getting Tough e.v für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit bedanken. Wir wünschen allen nicht nur ein Frohes Weihnachtsfest und ein Gutes 2017, sondern weiter viel Erfolg bei der nächsten Ausgabe von Getting Tough – The Race im nächsten Jahr!

(sm)

 

Film zum THE RACE 2016 von androgon.com


Sieger bei den Herren war Hagen Brosius in einer Fabelzeit von 2:00.48h

Schnellste Frau war „Susanne Kraus“ in einer Top Zeit von 2:32:22h

Schnellstes Team war mit großem Abstand zum Nächsten „Luigi and Friends“ in einer Zeit von 11:25:42h!

Team-androgon: 2x TOP 100
Christian Kreuzer: Platz 34 2:32:01h
Bernadt Krinke: Platz 69 2:38:29h
Stefan Brendel: 2.43:44h
Sebastian Menck: 3:02:12h
Timo Schuster: 3:24:50h
Stefan Schlett: 4:41:38 h

Weitere Ergebnisse:

 

NEU: Beim „GT-SAN“ Getting Tough – The Race – SPRINT AT NIGHT – das härteste Hindernisrennen Europas in unglaublicher Kürze. Es wird „NUR“  die Schluss-Stecke mit Hindernissen in Rudolstadt am Vorabend ablaufen. Unser androgon-Mann „Timo Schuster“ hat hier auf dem 14. Platz gefinished.

Weitere Informationen und Ergebnisse unter: GT-SAN

 

 

Weitere Informationen unter:
The Race

 

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Quelle und Bildquelle: androgon.com

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