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Vater des psychologischen Dramas

3 April 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Marlon Brando in "A Streetcar Named Desire"

Tennessee Williams – Zum 100.Geburtstag des Amerikanischen Südstaatenautors

Tennessee Williams zählt nach wie vor zu den bekanntesten Repräsentanten des zeitgenössischen amerikanischen Schauspiels. Vor allem durch die zahlreichen Verfilmungen seiner Stücke mit hoch dekorierten Hollywood-Schauspielern seiner Zeit wurde er weltberühmt. Hierzu gehören z.B. “ A Streetcar Named Desire (Endstation Sehnsucht)“, „The Rose Tattoo“(Die tätowierte Rose), „Cat On a Hot Tin Roof“ (Die Katze auf dem heißen Blechdach) mit der legendären Diva Liz Taylor, die gerade verstorben ist oder „The Night of the Iguana“ mit Richard Burton.

Tennessee Williams wuchs in Columbia/Missisippi auf und erlebte dort eine glückliche Kindheit, obwohl sein Vater – wie bei Arthur Miller`s Hauptdarsteller – sein Brot als Handlungsreisender verdienen musste. 1918 zog er mit der Familie nach St.Louis in die Großstadt, wo er unter ärmlichen Verhältnissen seine Jugend verbrachte und nahezu ausschließlich unter Frauen aufwuchs, insbesondere mit seiner strengen Mutter, die aus einer Quäkerfamilie stammte und seiner psychisch kranken und emotional labilen Schwester Rose. Beide werden auch häufig in Zusammenhang mit seinen späteren Theater-Figuren gesehen.

Tennessee Williams

Das aus Puritanismus, Erwerbssucht und Lasterhaftigkeit gemischte Milieu, in dem die Familie lebte, weckte in dem Jungen schon früh den Blick für das gesellschaftlich schwierige Umfeld und gab ihm mit den Ansporn, Schriftsteller zu werden. Sein weiterer Lebensweg verlief unstet, er studierte Publizistik und Theaterwissenschaften, jobbte als Arbeiter in einer Schuhfabrik und schlug sich als Kellner und Hotelportier durch. In den 30er Jahren begann er nebenher erste Dramen, zumeist Einakter zu schreiben. Mit seinem zunächst abgelehnten Skript „Die Glasmenagerie“ erlebte er 1945 den großen Durchbruch und Erfolg. Es folgten seine noch heute berühmten Stücke „Endstation Sehnsucht“(1947) und „Die Katze auf dem heißen Blechdach“(1955), mit denen er jeweils zum Pulitzer-Preisträger avancierte. Seine Stücke befassten sich mit den allgegenwärtigen Konflikten zwischen den Geschlechtern sowie dem Widerstreit zwischen materialistischen und idealistischen Wertvorstellungen. Seine eher unspektakulären Figuren versuchen zwanghaft ihren Lebenssinn jenseits der rigiden gesellschaftlichen Moral zu finden, ohne dabei den kleinen Part vom erhofften Glück zu erlangen. Wie der Autor selbst sind seine Protagonisten verstrickt in eine Atmosphäre, die aus Selbstzerstörung, Verlogenheit und neurotischen Verhaltensweisen besteht und aus der es kein Entrinnen gibt. Schonungslos sind die labilen Charaktere ihrem unvermeidlichen Untergang geweiht.

Nachdem der Autor selbst ab Mitte der 60er Jahre in eine schwere Krise geriet, fand er immer weniger Beachtung und wurde von Misserfolgen heimgesucht. Am 23. Februar 1983 wurde er in einem New Yorker Hotel tot aufgefunden, nachdem er sich in absurder Weise an dem Verschluss eines Medikamentenfläschchens verschluckt hatte.

Tennessee Williams apostrophiert „als Vater des psychologischen Dramas im amerikanischen Drama“ hat seit seinem ersten Erfolg, dem 1944 uraufgeführten Stück „Glasmenagerie“ bis Mitte der 60er Jahre das amerikanische Nachkriegstheater geprägt sowie auch den Film in beeindruckender Weise mit beeinflusst. Er hat es verstanden, mit seinen gehaltvollen Stücken hinter die Kulisse des „American Dream“ zu schauen und an Hand seiner seelisch deformierten Protagonisten Extremsituationen auf die Bühne zu bringen, die hautnah deren Verstrickungen, Lebenslügen und –krisen authentisch werden lassen. Mit einiger Verspätung wurde durch ihn das bereits in Europa existierende psychologische Bühnen-Drama eines Ibsen oder Strindberg auch auf der Bühne der Vereinigten Staaten manifestiert.

Theaterstücke (Auswahl)

• 1941: Stairs to the Roof (Treppe nach oben)

• 1944: The Glass Menagerie (Die Glasmenagerie. Ein Spiel der Erinnerung)

• 1947: A Streetcar Named Desire (Endstation Sehnsucht)

• 1948: Summer and Smoke (Sommer und Rauch)

• 1950: The Rose Tattoo (Die tätowierte Rose)

• 1953: Camino Real

• 1955: Cat On a Hot Tin Roof (Die Katze auf dem heißen Blechdach)

• 1955: 27 Waggons Full of Cotton (27 Waggons Baumwolle).

• 1957: Orpheus Descending (Orpheus steigt herab)

• 1958: Suddenly, Last Summer (Plötzlich letzten Sommer)

• 1959: Sweet Bird of Youth (Süßer Vogel Jugend)

• 1959: Period of Adjustment (Zeit der Anpassung)

• 1961: The Night of the Iguana (Die Nacht des Leguan)

• 1963: The Milk Train Doesn’t Stop Here Anymore

• 1964: Eccentricities of a Nightingale

http://www.youtube.com/v/DiUC7IFf_bU

(wz)

Quelle: Musisches Lexikon/ Orland Fernandez/ Tennessee Williams‘ „A Streetcar Named Desire, COLUMBIA PICTURES

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