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Sportmedizin – Muskelkrämpfe

15 August 2018 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Manche Menschen haben häufig mit Krämpfen zu tun, andere fast nie. Das konnte auch in Studien beobachtet werden. Aber wie entstehen Muskelkrämpfe und was kannst du gegen Krämpfe tun?

In Kürze

Muskelkrämpfen werden durch ein Ungleichgewicht in der Aktivierung von Muskelspindeln und Golgi-Sehnenorgan verursacht.
Manche Menschen haben häufiger Krämpfe als andere. Woran das liegt kann man noch nicht sicher sagen.
Wenn ein Krampf auftritt, solltest du den betroffenen Muskel dehnen.
Vorbeugende kannst du vor allem exzentrische und plyometrische Übungen machen.

Wie kommt es zu Muskelkrämpfen?
Lange Zeit ging man davon aus, dass ein Ungleichgewicht im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt dazu führt, dass es zu einer Übererregung der Muskulatur kommt und Krämpfe entstehen. Vor allem das Magnesium wurde häufig verdächtigt. Jedoch wird eine andere Erklärung wahrscheinlicher: wenn der Muskel ermüdet, kommt es zu einem Ungleichgewicht in der Aktivität von Muskelspindeln und Golgi-Sehnenorgan. Muskelspindeln sind die Dehnungsensoren der Muskulatur und reagieren auf Dehnung mit einer Kontraktion des betreffenden Muskels. Das Golgi-Sehnenorgan ist ein Spannungssensor und hemmt die Kontraktion des Muskels bei hoher Spannung. Ermüdet der Muskel, nimmt die Aktivität des Golgi-Sehnenorgans ab und die der Muskelspindel zu (dies wurde zumindest im Tiermodel bereits nachgewiesen). Insbesondere in Positionen, wo sich der Muskel bereits in einer verkürzten Position befindet, ist die Aktivität des Golgi-Sehnenorgans reduziert. Dann kommt es zu eine Übererregung des Muskels – dem Krampf.

Wer bekommt Krämpfe?
Manche Menschen haben häufig mit Krämpfen zu tun, andere fast nie. Woran das liegt, weiß man nicht, eine genetische Komponente ist aber denkbar. Männer haben zudem ein höheres Risiko. Sicher ist aber, dass eine höhere Belastungsintensität z.B. bei Wettkämpfen häufiger mit Krämpfen einhergeht.

Wie behandelt man Krämpfe?
Wenn ein Krampf auftritt, ist Dehnen die beste Behandlung. Die beim Dehnen höhere Muskelspannung reizt das Golgi-Sehnenorgan, wodurch der Nerv des Muskels gehemmt wird und der Krampf aufhört. Ein paar wissenschaftlich untersuchte Fälle haben auch der Hyperventilation (20-30 tiefe Atemzüge/Minute) und dem Trinken von Essiggurkensaft eine Wirkung attestiert. Ob und wie diese wirken, ist aber nicht ganz klar.

Vorbeugend können vor allem exzentrische und plyometrische Übungen wirken, jedoch gibt es auch hierzu kaum Studien. Bei Sportlern die häufig an Krämpfen leiden, kann es sinnvoll sein, durch elektrische Stimulation Krämpfe zu provozieren. Die Schwelle für neue Krämpfe wird erhöht, das Verfahren ist aber nur bedingt praktikabel. Eine präventive Wirkung von Massagen, Kompressionssocken oder Kinesiotape konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Das Zuführen von Flüssigkeit und Elektrolyten hat wahrscheinlich keine Wirkung auf das Auftreten von Krämpfen. Es ist trotzdem zu empfehlen, genug Flüssigkeit und Elektrolyte während der Belastung aufzunehmen, um einem Leistungsabfall oder Elektrolytentgleisungen entgegenzuwirken.

Weitere Informationen unter: https://sportsandmedicine.com/de/

(jh) – Jonathan Häußer
Jonathan Häußer ist Arzt und angehender Bewegungswissenschaftler mit einem besonderen Interesse für die Notfall- und Sportmedizin.

 

Quellen
Nelson, N. L., & Churilla, J. R. (2016). A narrative review of exercise‐associated muscle cramps: Factors that contribute to neuromuscular fatigue and management implications. Muscle & nerve. DOI 10.1002/mus.25176

Schwellnus, M. P. (2009). Cause of exercise associated muscle cramps (EAMC)—altered neuromuscular control, dehydration or electrolyte depletion?. British journal of sports medicine, 43(6), 401-408.

 

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