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PTBS – Wenn die Seele schmerzt, ist das Leben oft eine Qual

5 April 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

BERLINER HALBMARATHON 2011, Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)androgon beim 31. BERLINER HALBMARATHON für PTBS erkrankte Soldaten

Bei schönstem Frühlingswetter und sommerlichen Temperaturen nahmen rund 25500 Teilnehmer aus 102 Nationen am 31.Berliner Halbmarathon teil. Mit drei Läufern im Startfeld mit einer Bestzeit von unter einer Stunde, zählte der von Vattenfall initiierte traditionelle Lauf auch in diesem Jahr wieder zur internationalen Spitze der deutschen Sportevents und gilt als einer der schnellsten und größten Halbmarathonläufe der Welt. Neben dem sportlichen Ereignis ziehen Livemusik, Künstler-Auftritte und weitere Spektakel immer mehr Zuschauer in ihren Bann.

Doch eines war anders als bei den letzten 30 BERLINER HALBMARATHONs!

BERLINER HALBMARATHON 2011, Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)

F. Schulz (androgon) beim Interview mit Radio Andernach

Ein anderes Motto überstrahlte diesmal das Lauf-Event und stellte ein Thema zur Schau, das immer noch nicht zur Genüge in der Öffentlichkeit Beachtung findet. Rund 150 Läufer trugen ein orangefarbenes T-Shirt durch die Metropole und wollten damit auf der 21 Kilometer langen Strecke ein Signal an alle Zuschauer richten: Unsere Stärke: Kameradschaft, Unsere Motivation: „Tu was für Dein Land“! Dementsprechend liefen zahlreiche Reservisten, Soldaten und Freunde der Bundeswehr mit einem eigens vom Berliner PTBS-Team entworfenen Laufshirt mit. Sie alle solidarisierten sich mit den erkrankten Soldaten und wollten damit auf Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) aufmerksam machen. Auch drei Reserve-Offiziere von „androgon – das Männermagazin“ beteiligten sich an dem gemeinsamen Lauf und mit einer Spende.

BERLINER HALBMARATHON 2011, Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)

S. Borger (androgon) beim Lauf

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. informierte nach dem Lauf über das PTBS-Syndrom und lud nach dem Lauf zu einer Benefizveranstaltung im Maritim-Hotel ein. Letztere war ein großer Erfolg mit rund 450 Besuchern. Ärzte und Betroffene äußerten sich während der Veranstaltung über Posttraumatische Belastungsstörungen. Höhepunkt und Abschluss des Abends sollte ein Konzert der Berliner Band BossHoss sein. „Wir machen das heute unplugged und for free“, verkündigte Boss Burns – einer der zwei Band-Leader vorab und brachten mit ihrem Country-Rock die Zuhörer in Stimmung und stimulierten sie zu Geldspenden. Eigentlicher Höhepunkt war jedoch neben einem schneidigen Auftritt des amerikanischen Botschafters, der es sich nicht nehmen ließ, selbst am Halbmarathon mitzulaufen, die Rede des Buchautors und Schauspielers Gregor Weber (Tatort-Kommissar und Reservist aus dem Saarland). Dieser erntete am Sonntagabend mit seiner Rede während der Benefiz-Veranstaltung zugunsten traumatisierter Soldaten Beifall und Bravo-Rufe, indem er eingehend auf den letzten Saarbrücker Tatort „Heimatfront“ konstatierte: „Die Soldaten haben Respekt, Aufmerksamkeit, Zuspruch, Verständnis und eine Schulter zum Trost verdient. Solange wir eine Armee haben, haben die Soldaten ein Recht darauf!“

„Wir wollen das Geld für Soldaten nutzen, die unverschuldet in Not geraten sind. Das sind eben PTBS-Erkrankte und ihre Angehörigen“, bemerkte außerdem Oberstarzt Dr. Peter Zimmermann, Mitorganisator der Veranstaltung und Leiter des PTBS-Trauma-Zentrums am Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Dort wurde im Dezember aus Spendengeldern die Einrichtung eines speziellen Ruheraums finanziert. Aufgrund dieses Erfolgs planten Zimmermann und Andreas Baasner(VdRBw) die gelungene Aktion vom Sonntag. Weitere Mitorganisatoren waren das Wachbataillon der Bundeswehr, das Stabsmusikkorps und die US-amerikanische Botschaft.

Abschließend stellte der Mitorganisator Baasner fest:“Mit dieser Veranstaltung wollen wir die Bundeswehr unterstützen, indem wir ein weiteres Zeichen für einen vorurteilsfreien Umgang mit der Krankheit PTBS setzen und damit Diskriminierungen vorbeugen. Wir wollen den Betroffenen Mut machen und die Öffentlichkeit informieren. Das ist ein klares Signal gegen eine Stigmatisierung“.

Was ist PTBS?

„Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder englisch Post Traumatic Stress Disorder (PTSD) kennzeichnet eine mögliche Reaktion eines Individuums auf ein traumatisches Erlebnis.

Als traumatische Erlebnisse gelten Naturkatastrophen, Überfälle, Vergewaltigung, Unfälle, u.ä..

Über die genaue Abgrenzung zwischen belastenden Ereignissen und einem Trauma wird in der Wissenschaft aber noch diskutiert.

Die PTBS kann sowohl bei Opfern, Zeugen oder auch Helfern auftreten. Dabei ist zu beachten, dass nicht jeder Mensch nach einem solchen Erlebnis an einer PTBS erkrankt. Neben einer gesunden Verarbeitung des Erlebten können auch andere psychische Störungen wie z.B. Depression oder Angststörungen auftreten.

In den aktuellen Konzepten müssen zur Vergabe der Diagnose PTBS alle der folgenden Kriterien erfüllt sein:

A. Erleben eines Traumas

B. Wiedererleben des Traumas

C. Vermeidung traumarelevanter Reize

D. Erhöhtes Erregungsniveau

E. Zeitkriterium

Das Wiedererleben ist gekennzeichnet durch sich aufdrängende Erinnerungen, Flashbacks, Albträume und starke psychische Belastung bei Konfrontation mit Reizen, die mit dem Erlebnis in Zusammenhang stehen.

Die Symptome können dabei so stark ausgeprägt sein, dass der Betroffene nicht mehr unterscheiden kann, ob er gerade in einer realen traumatisierenden Situation ist oder einen Flashback erleidet.

Die Vermeidung betrifft vor allem Umstände, die der Belastung ähneln, oder Reize, die mit dem Trauma verbunden sind. Sie lösen häufig das für die Patienten sehr unangenehme Wiedererleben aus. Dabei sind die Erkrankten oft nicht in der Lage, den Zusammenhang zwischen dem Reiz und der folgenden unangenehmen Reaktion herzustellen.

Einige Wissenschaftler berücksichtigen in dieser Kategorie außerdem eine Abflachung der allgemeinen Reagibilität mit vermindertem Interesse oder verminderter Teilnahme an wichtigen Aktivitäten, das Gefühl der Losgelöstheit oder Entfremdung von anderen, eingeschränkter Bandbreite der Gefühle sowie das Gefühl einer eingeschränkten Zukunft.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Unfähigkeit, sich an bestimmte Aspekte des Traumas zu erinnern.

Das erhöhte Erregungsniveau beinhaltet Schlafstörungen, Reizbarkeit und Wutausbrüche, Konzentrations-schwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit und erhöhte Schreckhaftigkeit.

Sie sind oft das für Familien, Kameraden und Helfer erste und einzige Zeichen der Erkrankung.“

Dr. Peter Zimmermann

BERLINER HALBMARATHON 2011, Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)

A. Baasner, D. Friebe (VdRBw); R. Zeller, S. Borger, F. Schulz (androgon) in Strenesse

Weitere Informationen zum Thema PTBS finden Sie unter www.ptbs-benefiz.de

und www.reservistenverband.de

Kontakt: Andreas Baasner und Claire Hughes

Fon: 030/409 986 590

E-Mail: ptbs.benefiz@reservistenverband.de

Quelle: VdRBw/Detlef Struckhof/androgon

Mode/Accessoires: Mitarbeiter von androgon in Strenesse Men http://www.strenesse.com/Strenesse-Gabriele-Strehle-Men

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