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OBSTACLE COURSE RACING EUROPEAN CHAMPIONSHIP

11 Juni 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

OCR EC 2017

Wächtersbach bei Frankfurt ist der Ort, an dem sich einmal im Jahr die Besten der Besten des Europäischen OCR – Sportes treffen, um sich miteinander zu messen. Neben zwei Startgruppen der Elite (male und female) gibt es auch diverse Startgruppen nach Altersklassen aufgeteilt. Jeder Läufer musste sich im Vorfeld in verschiedenen Qualifikationsevents qualifizieren. Zumeist ist eine Top 10 Platzierung nötig, entweder gesamt oder in den Altersklassen, um teilnehmen zu können.

Knallharte Regeln

Wer gut genug ist, um sich zu qualifizieren, hat die Ehre gegen Hindernisläufer aus Schweden, Finnland, den Niederlanden, Polen, Deutschland, England und vielen mehr anzutreten. Das Ganze auf einer Strecke, die ihres Gleichen sucht. 17 Kilometer mit einigen Höhenmetern, technisch anspruchsvolle Trails, sumpfige Waldwege und 50 extrem anspruchsvolle Hindernisse. Knallharte Regeln machen den Lauf noch deutlich schwieriger. Sogenannte „Break Obstacles“ müssen geschafft werden: Mehrere Versuche sind erlaubt, wer es nicht schafft, verliert sein Armband und ist aus der offiziellen Wertung ausgeschlossen. Bei „Panelty Obstacles“ hat der Läufer nur einen Versuch: Wenn er es nicht schafft, gibt es eine „Panelty“ Runde. Diese verläuft oft durch sehr unwegsames Gelände und variiert in der Länge, je nach Hindernis.

Elite der Männer

Um 09:35 Uhr startete die erste Startwelle, die Elite der Männer. Kurz darauf ging auch die Elite der Damen auf die Strecke. Danach konnte ich mich in den Startbereich begeben, denn als nächstes startete die erste Age Group der 16 – 24 – Jährigen. Das Feld bestand aus extrem starken Läufern aus Polen, Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden. Kurz nach 10:30 Uhr fiel, nach einer Motivationsrede von Coach Pain, der Startschuss. Im Sprint ging es, direkt nach dem Start, zu den ersten Hindernissen, den „Dragon Ropes“. Hier musste ein Seil hinauf geklettert werden bis zu einer Glocke. Anschließend ging es in hohem Tempo weiter in den Wald um Wächtersbach.

Anfangsphase

Die extrem matschigen und rutschigen Wege kosteten viel Kraft, doch in der Anfangsphase des Wettkampfes musste ein hohes Tempo gehalten werden, um sich eine gute Ausgangsposition zu erkämpfen. Der „Weaver“ war das erste Hindernis, das viel Geschick bedurfte. Hierbei mussten die Athleten immer im Wechsel über und unter horizontal liegende Stangen klettern. Über die teilweise sumpfartigen Wege ging es weiter.

Rope climb XXL

Interessant war auch der „Rope climb XXL“, hierbei war ebenfalls ein Seil zu erklimmen, allerdings mit einem deutlich größerem Durchmesser als normal. Diverse Hindernisse, wie Schlittenziehen, Sandsacktragen und Balancieren forderten weitere Kräfte ab. Nun folgte ein von vielen gefürchtetes Hindernis. Bei „Throw the Hammer“ geht es, wie der Name schon ahnen lässt, darum, einen Holzhammer aus 8 Metern Entfernung auf ein Holzschild zu werfen. Hier musste ich in die erste Panelty – Runde, da ich das Schild um wenige Zentimeter verfehlte. Mit der Zeit veränderte sich der Untergrund. Erste befestigte Waldwege mischten sich mit deutlich festerem Waldboden. Dafür kamen nun die angekündigten Höhenmeter ins Spiel, die sich weniger auf extrem steilen Passagen, sondern eher auf langgezogenen, stetig ansteigenden Wegen verteilten. Immer wieder verlief die Strecke mitten durchs Unterholz.

Panelty

Die Gefahr vom Kurs ab zu kommen, und so wertvolle Zeit zu verlieren, war hoch. Immer wieder folgten anspruchsvolle Hindernisse. Ob von Seil zu Seil hangeln oder an senkrechten Holzstäben entlang, es litt vor allem die Griffkraft. Das vorangegangene Training in der Boulderhalle kam mir hier intensiv zu gute. Besonders Hangelhindernisse mit kurzen, an Ketten hängenden Stäben sorgten bei vielen für Extrakilometer in der Panelty – Runde. Doch dann stand mitten im Wald vor uns ein Kombinationshindernis, wie es seines Gleich sucht. Zuerst musste sich über rutschige Holzbalken ein Stück nach oben gearbeitet werden, um überhaupt in die Position zu kommen in das Hindernis zu starten.

Monkeybars

Wer dies geschafft hat, musste sich erst über einige Meter an einem Seil entlang hangeln, dann einen Wechsel zu den Monkeybars schaffen. Nach weiteren Metern des Hangelns ging es über an Seilen befestigte Reifen. Auf diese folgte noch ein langes Netz, unter dem wir hindurch klettern mussten. Bei diesem „Killerhindernis“ wollte ich auf keinen Fall in die Panelty – Runde, welche passend zum Hindernis sehr lang und unwegsam war. Dieses Hindernis saugte nicht nur jegliche Kraft aus dem Körper sondern auch mental stellte es eine der größten Herausforderungen dar, nicht zuletzt durch den sehr steilen und langen Hang der sich direkt anschloss. Absolut im roten Bereich ging es endlich wieder auf einen befestigten Weg. Um weiterhin im Rennen zu bleiben, entschied ich mich für eine längere Gehpause, um wieder zu Kräften zu kommen. Schnell merkte ich, dass auch die anderen Läufer an ihr Maximum getrieben wurden, denn niemand überholte mich. Doch merkte man deutlich, dass um jeden Platz gekämpft wurde. Mehrere Mitstreiter saßen mir dicht im Nacken, welche, sobald ich wieder anfing zu laufen, ebenfalls weiter liefen, um weiter Druck auszuüben.

Die Rolle des Gejagten

Da ich nicht gerne die Rolle des Gejagten übernehme, ließ ich einen Läufer passieren und mich mitziehen. Das entspannte die Situation merklich und brachte einige Kräfte zurück. Das Ringhangeln, wo sich mit zwei Ringen in der Hand an Stäben entlang gearbeitet werden musste, lief problemlos. Doch mittlerweile machte mir mein Durst zu schaffen, aber es war keine Wasserstation in Sicht. Wieder ging es einen lang gezogenen Anstieg hinauf. Ein Streckenposten gab mir den Tipp, dass es am Ende dieses Anstieges eine Wasserstation geben würde, das brachte Motivation. Und es stimmte, nach der letzten Kurve sah ich die rettende Wasserstation.

Tire flip

Nachdem wir unseren Durst gestillt hatten, folgte ein senkrechtes Packboard und ein „Tire flip“ Hindernis. Nun war bereits wieder der Lärm vom Eventgelänge zu hören. Mit noch einmal hohem Tempo ging es in die letzten Hindernisse. An den „Flying Monkeybars“ fing ich mir noch eine unnötige Panelty – Runde ein. Dafür liefen die letzten zwei Hindernisse sehr gut. Am „Platinum Rig“, einem weiteren Kombinationshindernis, musste an verschiedenen Objekten entlang geklettert werden. Horizontale und senkrechte Stangen und einige Ringe mussten reichen, um das mehrere Meter lange Hindernis zu bezwingen. Da es sich um ein Break Obstacle handelte, musste es jeder  Läufer schaffen. Viele verloren hier sehr viel Zeit und einige auch ihr Armband, womit sie aus der offiziellen Wertung herausfielen. Reine Oberkörperkraft und viel Technik war auch beim letzten Hindernis direkt vor dem Ziel gefragt.

Final Obstacle

Das sogenannte „Final Obstacle“ war ebenfalls ein Break – Hindernis und musste geschafft werden. Erst war eine Eskaladierwand zu überwinden, anschließend musste sich an vielen, sehr dünnen, hängenden Bändern entlang gehangelt werden. Von hier ging es über ein Netz auf ein Podest auf dem eine Pause möglich war. Doch das Hindernis war grade einmal halb geschafft. Jetzt hieß es wieder Hangeln. Einige Meter an Schlaufen aus Tau, danach hingen Bierfässer von oben herab, an deren Griffen sich die Läufer festhalten sollten. Ein hohes Maß an Ruhe und Kraftreserven war hier sehr wichtig. Im Nachhinein erfuhr ich, dass sehr viele diese Kraft nicht mehr hatten und ihr Armband hergeben mussten. Verdammt hart direkt vor der Ziellinie, doch das ist OCR. Mir gelang auch dieses letzte Hindernis sehr gut und ich konnte noch einige Läufer einsammeln.

Medaille

Im Ziel war ich absolut am Ende meiner Kräfte. Die Medaille konnte ich nur schwer würdigen, das Wasser und die Banane bekamen erst einmal deutlich mehr Aufmerksamkeit. Doch nach kurzer Zeit kamen die Freude und das unbeschreiblich gute Gefühl, meine erste Europameisterschaft erfolgreich beendet zu haben. Der Kurs war auf einem sehr hohen Niveau, doch genau richtig für einen Wettkampf wie diesen. Besonders gut hat mir auch die strikte Einhaltung der Regeln gefallen, wodurch jeder Läufer gleich behandelt wurde. Bei vielen anderen Läufen ist das nicht Normalität. Um es zusammenzufassen: nicht nur die Athleten waren hochklassig, sondern der gesamte Event war auf extrem hohem Niveau. Zudem gibt es jetzt 20.000 Euro Preisgelder zu gewinnen!

Hiermit möchte sich androgon.com noch einmal ganz herzlich für die unkomplizierte Zusammenarbeit bedanken und wünschen dem OCR EC-Team weiter viel Erfolg bei den nächsten Ausgabe.

Ergebnisse:

Weiter Informationen unter: http://ocrec.eu/

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Bildquelle: androgon.com

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