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frisch, fromm, fröhlich, frei!

10 April 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Turnen OlympiaFrisch, fromm, fröhlich, frei! – 200 Jahre Turnbewegung

Nahezu jeder große Spitzensportler ging einmal hervor aus einem kleinen oder großen Turnverein des Deutschen Turnerbundes (DTB) und lernte hier von der Pike an die ersten Purzelbäume und Rolle Rückwärts mit Fleiß und Akribie sowie vielfach mit größter Begeisterung.

In diesem Jahr blickt die Turnbewegung nun zurück auf ihr 200jähriges Bestehen, nachdem der erste öffentliche Turnplatz 1811 durch Turnvater Friedrich Ludwig Jahn in der Berliner Hasenheide bei Rixdorf erreichtet wurde. Ohne den unbändigen Willen dieses zuweilen als politischen Wirrkopf bezeichneten Hilfspädagogen wäre die Turnbewegung, die heute aus 20 Landesturnverbänden mit knapp 5 Millionen Mitgliedern in ganz Deutschland besteht, gar nicht erst entstanden. Ihr zur Legende gewordener Gründer, der selbst als Erfinder des Wortes „Turnen“ seinerzeit diese neue Form von Körperertüchtigung kreiert hatte, fasste diese 1860 in seiner als Turnerbibel apostrophierten Schrift „Die Deutsche Turnkunst“ als eine praktische Anleitung für seine Turner und Anhänger mit Skizzierung der einzelnen Disziplinen als „Gehen, Laufen, Springen, Werfen, Tragen sowie Reck- und Barrenübungen“ zusammen, „die überall anwendbar, umsonst wie die Luft sind.“ Aus pädagogischer Sicht sollte darüber hinaus das Turnen von der „ Selbsttätigkeit bei den Übungen zur Selbständigkeit im Leben führen, die Bewegung an frischer Luft sollte der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leiblichkeit zuordnen“, frei nach dem Turnerwahlspruch“ Frisch, fromm, fröhlich, frei“.

Aber all zu lange währte die Turnerei zunächst nicht; nach etwa 7 Jahren war wieder Schluss. Denn wegen Jahns zu einseitig zur Schau getragenen patriotischen Gesinnung, die bis hin zur Kritik am preußischen Staat geriet, wurde von höchster Stelle her Kritik gegen das Turnen laut. Dies war besonders bedauerlich, da es nach einem ersten Höhepunkt in der Turnbewegung und Etablierung von 100 Turnplätzen allein in Preußen erfolgte sowie nach Jahn`s Initiative, gemeinsam mit den Burschenschaften das Wartburgfest im Oktober 1817 zu begehen. So wurde im Zuge der Karlsbader Beschlüsse 1819 ein Turnverbot in Preußen und allen anderen Deutschen Staaten erlassen. Darüber hinaus wurde Jahn für 5 Jahre inhaftiert, da man ihn auf Grund seiner Solidarität mit den Burschenschaften als geistigen Vater der studentischen Freiheitsbewegung sah.

Erst 1837 wurden an den Gymnasien die Leibesübungen wieder zugelassen und auch ihr Begründer einige Jahre später voll rehabilitiert, nachdem er bereits 1825 frei gesprochen worden war, aber keine pädagogische Zulassung mehr an den Gymnasien und weiteren Schulen erhielt. 1848 wurde er in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt und konnte bis zu seinem Tode 1852 auf seinem Spezialgebiet der Leibeserziehung bahnbrechend tätig sein. An der Stirnseite der ersten Deutschen Turnhalle in Freyburg/Unstrut fand er fast bestimmungsgemäß seine letzte Ruhestätte.

Der  Deutsche Turnerbund heute (Auszüge)

„Die Turnbewegung sorgt für die gesunde körperliche und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Kinderturnen ist ein vielseitiges und ganzheitliches Bewegungsangebot in sozialer Gemeinschaft, das als Grundlage für die Ausübung aller Sportarten gilt.

Die Turnbewegung übernimmt Verantwortung in der Gesundheitsförderung durch Bewegung für alle Altersgruppen. Turnen und Gymnastik bilden heute die Grundlage für vielfältige, moderne Bewegungsangebote im Gesundheitssport in den Turnvereinen und Turnabteilungen.

Die Turnbewegung war eine tragende Säule der Freiheitsbewegung und der demokratischen Entwicklung in Deutschland (1848) und präsentiert sich bis heute als Bestandteil des großen bürgerschaftlichen Engagements in den Turn- und Sportvereinen Solidarität und soziale Gemeinschaft sind prägende Elemente der Turnbewegung. Dies kommt insbesondere bei den Turnfesten zum Ausdruck, die seit über 150 Jahren als herausragende und einzigartige Veranstaltung der Turnbewegung gelten. Die Internationalen Deutschen Turnfeste mit rund 100.000 Teilnehmern – zuletzt 2009 in Frankfurt am Main – präsentieren sich als zeitgemäßes Fest der Turnkultur.

Im Mittelpunkt der Jubiläumsfeiern zu 200 Jahre Turnbewegung stehen die Turn-Europameisterschaften im April 2011 in Berlin, verbunden mit einer Ausstellung, einer Festschrift sowie der Herausgabe einer Sonderbriefmarke durch den Bundesfinanzminister. Ein Festakt im November 2011 in Berlin rundet das Jubiläumsjahr ab. Im Verlauf des Jahres sind weitere dezentrale Jubiläums-Veranstaltungen in einzelnen Landesturnverbänden in Planung. Gezeigt wird dabei die Ausstellung „In Bewegung – 200 Jahre Turnen“, die vom Deutschen Sport & Olympiamuseum Köln erstellt wird.

(wz)

Quelle: dtb/Ufa/Post

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