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The Good, The Bad & The Beauty

30 April 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
”Blurred visions and dirty thoughts
Feel out of place, very distraught
Feel something’s coming on”
(Ramones)

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„The Good, The Bad & The Beauty“ Eine Ausstellung von Ali Eckert in der Galerie Fasanen37 in Berlin

Etwas versteckt liegt sie schon, die Galerie von Udo Walz, aber das ist das Schöne an Berlin. Verlässt man die üblichen Wege des Touristen, entdeckt man Besonderheiten, die diese Stadt so ausmachen. So auch die Ausstellung von Ali Eckert. „The Good, The Bad & The Beauty“, Fotografien und Kollagen von 1994 bis 2010. Die üblichen Minimalismusvernissagen mit Menschen, die schon mit ihrem Gesamterscheinungsbild deutlich machen, welcher Trend 2134 „in“ sei, findet man nicht – auch das kein Nachteil. Entspannt sein und sich seine eignen Gedanken machen dürfen. Ein einfacher, aber durchaus nicht selbstverständlicher Ausgangspunkt. Überbordende Interpretationen, die auf Dinge verweisen, die niemand kennt, die man aber, weil zum guten Ton gehörend, trotzdem lächelnd abnickt, gibt es nicht. Wohl aber Details, die man auf den zweiten Blick entdeckt und die durchaus Spielraum lassen. So die neuinterpretierten Stillleben alter flämischer Meister „Vanitas“, die mit neuzeitlichen Begrifflichkeiten addiert wurden. Symbol und Bruch durchziehen die Kollagen.

Ali Eckert, Nadeshda Brennicke, Sven Borger in Strenesse (androgon)

Trotz der Verschiedenartigkeit zieht sich immer der Faden des Polychromen durch die Ausstellung. Überzeichnete, sphärische Atmosphäre, eine ungeheure Verdichtung von Intensität eines erlebten Rausches. Ali Eckert, Regisseur und Fotograf, versteht sein Handwerk. Nicht nur weil er gelernter Fotograf ist, sondern weil er seinen Bildern eine Lockerheit gegeben hat.

a: Du bist Regisseur und machst nun hier eine Ausstellung. Wie kommt´s?

AE: Stimmt. Ich bin Regisseur und gelernter Fotograf. Generell drehe ich Filme. Die Fotografie betreibe ich wie den Film seit Jahren. Sie gibt mir die Möglichkeit, anders aufzutreten und ich habe viel Spaß daran, Momentaufnahmen zu definieren. Ein Film ist mit einem ungeheuren Aufwand verbunden, sehr zeitintensiv. Es ist einfach entspannend, etwas in kürzerer Zeit entstehen zu lassen, ohne eine Staffage an Menschen.

a: Kurz zu Deinen Filmen. Video Kings ist jetzt ein paar Jahre her. Gibt es filmisch neue Projekte?

AE: Wie ich schon angedeutet hatte, ist es immer sehr schwierig, einen Film zu produzieren. Ich habe bereits das Drehbuch zu einer Fortsetzung von Video Kings, also Video Kings II. Auch die Darsteller von Video Kings sind wieder dabei. Fabian Busch, Wotan Wilke Möhring, eventuell auch Till Schweiger. Es wird wieder eine Neuköllner-Kiez-Komödie werden. Video Kings war auch ein ungeheures Projekt. Wir mussten mit minimalem Budget drehen, deswegen dauern diese Produktionen so lange. Der Dreh für Video Kings II soll aber dieses Jahr beginnen.

a: Zurück zur Ausstellung. Deine Personen wirken etwas skurril. Alles hat ein wenig den Habitus des Übersteigerten. Deine Bilder mit Nadeshda Brennicke und Wotan Wilke Möhring gehen ein wenig in Richtung eines Quentin Tarantino Designs.

AE: Diese Fotoserie ist eine Hommage an die sogenannten Sweat-Magazine. Diese Art von Publikationen waren für die GI’s an der Front entwickelt worden. Diese Publikationen, die ab dem Zweiten Weltkrieg bis hin zum Korea-Krieg produziert wurden, waren bei den Soldaten sehr populär. Der Ursprung war einfache Unterhaltung zur Ablenkung. Nichts mit Tiefgang. Ein wenig Comic und Abenteuer für Erwachsene. Sie ähneln in Farbgebung und Komposition an Pulp-Fiction, nicht zu verwechseln mit dem Film „Pulp Fiction“. Der Film von Tarantino greift auch dieses vergessene Genre einfach gekonnt auf. Die Fotografien sind aber keine Adaptionen in Verbindung eines Plagiates, sondern eine gänzliche Neukomposition.

Die Texte sind Zitate alter Punk Rock Songs, wie z. B. den Ramones. Trotz der Farbintensität, trotz des Zuckergusses ist der Darsteller nicht nur Abbild. Er ist ein „Charakter“, wie wir es im Film definieren würden. Damit meine ich, dass die Wirkung durch eine „innere Haltung“ steht und fällt. Eine Haltung, die optisch fassbar erscheint.

 a: In dieser Ausstellungsreihe gibt es ja eine Menge an Motiven. Wir sehen Ausschnitte eines Absturzes, wir sehen Landschaft, inmitten dessen, die Darsteller. Wussten die Darsteller um die visualisierte Komposition?

AE: Klar, aber nur verbal. Die Szene wurde natürlich besprochen und dann mussten die Akteure sie so umsetzen. Dies ist nicht einfach. Man muss sich vorstellen, dass diese Szenen fast „Blue-Screen-Charakter“ haben. Also, man steht fast alleine da und muss vor einem leeren Hintergrund, in einer fast Null-Atmosphäre ein virtuelles Gefühl nach außen transportieren. Nadeshda Brennicke und Wotan Wilke Möhring haben das einfach sehr gut umgesetzt.

a: In der Bildfolge FEMME FATALE „On The Run“ verzichtest Du gänzlich auf Personen.

AE: Diese Reihe erzählt eine Geschichte ohne die übliche „physische Präsenz“. Man muss schon ein wenig näher treten und die Details betrachten. Es gibt in jedem Bild ein Indiz, hier beispielsweise verweisen Typografie – das umgestaltete Bar-Neon-Schild – auf die Handlung. Das Schild wird nicht als Ort der Handlung definiert, sondern dient zur Findung der Geschichte. Ursache und Wirkung sind szenisch verknüpft, die zurückgelassenen Gegenstände der Hauptfigur sind die Puzzleteile, die es zusammen zu setzen gilt. Die Fragmente ergeben im Kontext der Summe die Lesbarkeit – das ist das eigentlich Spannende.

Ali Eckert hat alle Bilder dieser Ausstellung auf seiner Homepage arrangiert, ebenso Ausschnitte aus seinen Filmen. Es lohnt sich.

(sb)

Weitere Informationen: www.alieckert.de

http://www.youtube.com/v/90qg_oLXbdI

Quelle: Ali Eckert

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