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Zweites 40-Kilometer-Weserschwimmen von Rinteln nach Minden

14 November 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Zweites 40-Kilometer-Weserschwimmen von Rinteln nach Minden

Flussschwimmen – Taktikschwimmen

Marcus Reineke, amtierender Weltmeister im Eisschwimmen über 1000m in der Altersklasse 45 bis 49, organisierte dieses Jahr am 2. September (2017) das zweite Weserschwimmen über 40km von Rinteln nach Minden. Auch hier wollte ich dabei sein. Hätte ich vergangenes Jahr bereits von dem Schwimmen erfahren, wäre ich dann schon gerne dabei gewesen. Auf das Schwimmen bin ich durch Zufall gestoßen. Neben dem 15km Neuruppiner Langstreckenschwimmen wollte ich mich dieses Jahr noch einer zweiten Herausforderung stellen. So bin ich auf das Weserschwimmen gekommen. Kurzer Hand hatte ich Marcus angeschrieben und konnte noch den letzten Startplatz Nummer 35 ergattern. Nach seinen Aussagen werden in absehbarer Zukunft auch nicht mehr Teilnehmer zum Start zugelassen. 35 Teilnehmer ist gerade die Grenze, die noch zu bewältigen ist.

Jetzt war es dann soweit und es gab „praktisch“ kein „zurück“ mehr. 40km? Wie soll ich für 40km trainieren. Schwimmen, Schwimmen, Schwimmen. Im 17m Schwimmbad von Fitness First in Hamburg Altona in der Stresemannstraße bin ich eine Bahn nach der anderen geschwommen. Bis zu 600/700 Bahnen habe ich zurückgelegt. Mehrere Trainingseinheiten zwischen 5km und 12km. Sollte das aber reichen? Ja, es hat gereicht und all die Anstrengungen haben sich voll gelohnt.

Für das Schwimmen ist eine Qualifikation erforderlich:
1) Teilnahme am Weserschwimmen 2016
2) Freiwasserwettkampf über mindestens 10 km
3) mindestens 20 km bei einem 24-Stunden-Schwimmen
4) 3-Stunden-Training im Freiwasser unter Zeugen

Eines der vier Möglichkeiten musste nachgewiesen werden. Für 2) und 3) konnte ich einen Nachweis erbringen. Für 3) hatte ich leider keine Zeugen. Aber es reichte ja, nur einen Punkt zu erfüllen.

Meine Eltern und ich haben uns morgens aus Wedel auf den Weg nach Rinteln gemacht und sind um 7:00 Uhr morgens angekommen. Parkplätze direkt beim Weserangerbad an der Weser waren um die Uhrzeit genügend vorhanden. Ab 7:30 Uhr begann die Anmeldung am Eingang zum Freibad und am Ende gab es eine kurze Einweisung in die Strecke und von Marcus ein paar nützliche Tipps für ein optimales Schwimmen im Fluss. In der Mitte und 2/3 in der Außenkurve des Flusses gibt es die höchste Strömung. Ein Flussschwimmen ist ein absolutes Taktikschwimmen. Erwischt der Schwimmer nicht die richtige Strömung kann dieses schnell einen Schwimmer in wenigen Sekunden 20m-30m zurückwerfen. Auch ich sollte die Erfahrung machen.

Verpflegung:
Die Schwimmer hatten zudem noch die Möglichkeit für definierte Verpflegungsstellen auf der Strecke Eigenverpflegung in kleinen Kisten zu deponieren. Die Verpflegungspunkte waren:

1) Eisbergen, Aue / Brücke bei Kilometer 5,9
2) Veltheim, Zur Veltheimer Fähre bei Kilometer 10,8
3) Borlefzen, Campingplatz, DLRG-Station bei Kilometer 16,8
4) Vlotho, Am Fährhof bei Kilometer 20,2
5) Porta Westfalica, Zum Südlichen See bei Kilometer 25,4
6) Porta Westfalica, An der Pforte bei Kilometer 35,0

Gegen 8:00 Uhr sind wir in der Gruppe durch das Freibad auf der anderen Seite zum Start beim Kanuclub Rinteln marschiert. Letzte Vorbereitungen vor dem Start um 9:00 Uhr. Neoprenanzug zurechtzurren, mit Melkfett einschmieren, die „Restube“ Rettungsboje umschnallen, die aus Sicherheitsgründen und so auch üblich bei Langstreckenschwimmen immer am Körper getragen werden musste, und den Rucksack noch einmal kontrollieren.

Für Wettkämpfe gelten für mich grundsätzlich folgende Regeln: Die eigene Gesundheit und die der anderen ist wichtiger als alles andere. Den Wettkampf zu beenden käme als zweites und als drittes nach Möglichkeit nicht als letzter. Diesmal hatte ich mir noch ein weiteres persönliches Ziel auferlegt: Den Wettkampf in Eigenverpflegung, die ich in einem Rucksack mitnehme, zu bestreiten. Im Rucksack befand sich neben meiner wasserdichten Kamera Nikon Coolpix AW100 auch noch ein paar Müsliriegel, Gels und ein halber Liter isotonisches Getränk. Alles in allem kein Schwergewicht. Aber aus den bisherigen Trainings wird es nicht einfacher sein, mit Rucksack zu schwimmen. Es scheuert am Hals und Nacken und zieht dich doch immer leicht nach unten. Wichtig ist, dass der Rucksack am unteren Ende ein Loch hat, damit das Wasser abfließen kann bzw. sich der Rucksack nicht vollständig mit Wasser vollsaugt. Es ist aber auch möglich, die Verpflegung im Neoprenanzug oder in einer Schwimmboje unterzubringen. Letzteres hat zum einen den Vorteil, dass sie in einem Gewässer auf Dich aufmerksam macht und sie zu dem eine wasserdichte Unterbringungsmöglichkeit bietet. Im Notfall kann bei längeren Strecken dann beispielsweise das Handy oder auch der Autoschlüssel sicher aufbewahrt werden.

Um 9:00 Uhr gab es das Startsignal und die erste Gruppe begab sich in die Weser bei 19,4 Grad Celsius Wassertemperatur. Kurz dahinter die zweite Gruppe, in der ich mich befand.

Die Schwimmer wurden von ca. 10-15 Kanus begleitet, die mit Luftballons markiert wurden. Denn am gleichen Tag fand die Kanuwanderfahrt „Weserberglandrallye“ mit ca. 400 bis 600 Teilnehmern statt.

Für die Weser wurde eine „Gewässerwarnung“ für Sportboote ausgesprochen, so dass für die Teilnehmer der „Weserberglandrally“ und des Weserschwimmens keine Gefahr bestand. Dennoch waren während des Wettkampfes Boote auf der Weser unterwegs, die aber sehr rücksichtsvoll an den Schwimmern vorbeigefahren sind.

Nachdem wir im Wasser waren, haben wir direkt die Strömung gespürt. Bis zu 4km/h Strömung bringt die Weser mit sich. Die Strömung bringt auf der Strecke einen Vorteil zwischen 15km bis 20km. Der Rest muss tatsächlich geschwommen werden. Findet man die beste Strömung, kommt man am schnellsten voran. Langjährige Erfahrung im Flussschwimmen sind mit Sicherheit von Vorteil. Das Schwimmen im Fluss ist wie das Lesen eines Buches. Anhand der Wellenbewegung und Strömungen kann man schnell erkennen, wo es am schnellsten vorangeht.

Das Schwimmen war einfach nur genial. Vorbei an Wiesen, Kühen, Häusern, unter der A2 bei Bad Oeynhausen und anderen zahlreichen Brücken durch. Vorbei am Motketurm und am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Richtung Minden. Bei herrlichem Sonnenschein konnte man sich auch mal ein paar Minuten auf dem Rücken treiben lassen, die Landschaft genießen und an einem Müsliriegel knabbern.

Es gab mehrere Beobachtungspunkte für die Begleiter auf der Strecke, die sehr gut mit dem Rad oder auch mit dem Auto zu erreichen waren. Meine Eltern hatte ich an der Aue Brücke bei Eisbergen bei Kilometer 5,9 gesehen und in Vlotho bei Kilometer 20,2, wo sie es sich in der Sonne bei 14-15 Grad Celsius auf Campingstühlen gemütlich gemacht haben.

Nach 5:51:33h kam ich dann bei der Kanzlers Weide in Minden als 21. Finisher erleichtert und glücklich, es geschafft zu haben, am Strandufer an. Meine Eltern und zahlreiche andere Zuschauer und Teilnehmer erwarteten mich bereits.

Der Rücktransport zum Start wurde ebenfalls sehr gut organisiert. Es gab mehrere Autos von den Betreuern, die die Schwimmer zurückgebracht haben. Ich habe mich mit meinen Eltern auf den Rückweg nach Wedel gemacht und konnte somit auch nicht mehr am abendlichen Buffet teilnehmen.

 

Bilderauswahl:

Fazit:
Für Langstreckenschwimmer ist dieses Schwimmen ein absolutes „Muss“. Super organisiert. Sehr familiär. Marcus hat super nett und schnell auf meine Mails reagiert. Mit 75 EUR Startgebühr nicht ganz günstig. Aber das Geld ist es auf jeden Fall wert. Es gab eine der schönsten Medaillen, die ich jemals erhalten habe. Die Urkunde wurde per Post nachgeschickt. Außerdem waren im Startgeld der Rücktransport zum Start, Sonderpreise für den Streckenrekord, das abendliche Buffet, der Eintritt in das Freibad „Weserangerbad“ und eine Badekappe enthalten. Dazu kann man wirklich nichts sagen. Eventuell lässt sich Marcus überreden, ein Marathonschwimmen über 42,195km in den nächsten Jahren zu veranstalten. Ich wäre dabei.

 

Ergebnisse:
1. Fergil Hestermann (M); 1993; Niederlande; 04:52:35
2. Dèlenn van Oostrom (F);1996; Niederlande; 04:57:40
3. Malik Sehovic (M); 1974; Deutschland; 05:04:35
4. Katrin Walter (F); 1978; Deutschland; 05:12:55
5. Marcus Reineke (M); 1969; Deutschland; 05:14:14

Neuer Streckenrekord männlich!
Neuer Streckenrekord weiblich!

 

Weitere Informationen:
Marcus Reineke; marcus@ssfo.de | http://www.schwimmschule-reineke.de#

 

Quelle und Bildquelle: Marcus Reineke

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