Home » Aktuell, Extrem-Hindernislauf, Extremsport, Obstacle Course Racing, Spaß, Vorschau

OCR World Championships 2017

14 November 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

OCR Weltmeisterschaft 2017 – 4000 Starter aus 67 Nationen in Blue Mountain, Ontario 

In jedem Sport ist es das große Ziel eines jeden Athleten, sich für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren und sich auf internationalem Niveau mit Sportlern aus der ganzen Welt zu messen. Im OCR – Sport heißt das in der Regel mindestens eine Top 10 Platzierung bei international anerkannten Hindernisläufen wie „Spartanrace“, „Strong Viking“ oder „Xletix“. Wer es schafft mit einem sehr umfangreichen Training diese Hürde zu nehmen, hat die Ehre bei den Weltmeisterschaften im kanadischen Blue Mountain an den Start gehen zu können.

An dem Herbstwochenende 13. – 15. Oktober 2017 verwandelte sich der kleine Skiort Blue Mountain, Ontario, in eine OCR Hochburg. Dieser einzigartige Event bestand aus gleich mehreren Läufen – 3 Kilometer Shortcourse mit 14 Hindernissen, 15 Kilometer Hauptrennen mit ca. 50 Hindernissen und 1000 Höhenmetern, einem Teamrace und einem Wohltätigkeitslauf. Einige der weltweit schwierigsten Laufevents kommen an diesem Ort zusammen und stellen jeweils ihre besten Hindernisse, um den Kurs für die insgesamt 4000 Starter aus 67 Nationen zu der ultimativen Herausforderung zu machen. Ich stellte mich für das Team Deutschland und für das Team-androgon dem 3 Kilometer Sprint am Freitag und dem 15 Kilometer Hauptrennen am Samstag.

Das Wetter an diesem Freitag war grau aber relativ trocken. In der Nacht sanken die Temperaturen bereits auf deutlich unter 10 Grad und Regen weichte die Skipisten, auf der sich die Strecke befand, durch. Gestartet wurde in Heats mit etwa 10 Personen. Nachdem uns Coach Pain, ein Motivationsredner aus den USA, mental auf Racemodus umgestellt hatte, startete mit seinem „Conduct your Business – Go“ das erste Rennen des Wochenendes. Aus dem Stand ging es direkt einen kleinen Anstieg hinauf – der im OCR übliche extrem schnelle Start ließ sofort das Laktat in die Beine schießen. Ein kleines Stück bergab und über kleine Hürden folgte der erste, etwa 300 Meter lange, richtige Anstieg, der alle Läufer wie eine Wand abbremste. Auf der nassen Wiese war nur noch Powerhiken möglich und gab einen Vorgeschmack auf das, was uns am Folgetag auf der Langdistanz erwarten würde. Oben angekommen wartete eine zum Läufer gekippte Eskaladierwand, welche mit etwas guter Technik noch keinerlei Probleme darstellte. Nun ging es bergab zu den „Sandstorm Monkey Bars“. Klassisches Hangeln, allerdings etwas verschärft durch unterschiedliche Abstände zwischen den Stangen und teilweise beweglichen Abschnitten.

Vollgas
Weiter bergab in den Zielbereich. Die Wiese war so rutschig, das halbschnelles Laufen nicht möglich war, entweder Vollgas und kurze Kontaktzeiten mit dem Boden oder langsames Gehen. Für mich gab es nur Vollgas und so heizte ich mit den anderen Läufern, die sich für dasselbe entschieden, den Berg hinab, über eine Quaterpipe und wieder bergauf zum „Yoke Carry“ der „Green Beret Challenge“. Hier mussten wir zwei mit Sand gefüllte Säcke über etwa 200 Meter tragen, 100 bergauf und 100 bergab. Kurz darauf folgte ein für mich absolut neues Hindernis. Beim „Northman Race La Gaffe“ musste man an senkrechten Stangen etwas hinaufklettern, diese mit dem eigenen Körpergewicht bis zur nächsten senkrechten Stange kippen und anschließend an die folgende Stange wechseln.Ein Hindernis, vor dem ich großen Respekt hatte, welches jedoch ohne Probleme lief.

Wrack Bag Carry
Nun ging es weiter zum „Wrack Bag Carry“ der wieder einen steilen Anstieg hinauf und anschließend wieder herunter befördert werden musste. Durch die 25kg auf meinen Schultern schnellte der Puls hinauf und die Beine brannten. Nach diesen Strapazen folgten die ersten schwierigeren Kombinationshindernisse. Gleich zwei Hindernisse des Herstellers „Platinum Rig“ forderten enorm ausdauernde Griffkraft und sehr gute Technik. Über eine Distanz von um die 20 Meter muss sich hier an verschiedensten Griffen, Stangen und Seilen auf verschiedenen Höhen entlanggehangelt werden. Auch das Hindernis „Skull Valley“ forderte wieder die Unterarme.

Skull Valley
An Klettergriffen in Totenkopfform ging es an bewegliche Monkeybars und anschließend ein weiteres Stück an den Klettergriffen entlang. Durch mein Training in der Boulderhalle hatte ich bei den Kombinationshindernissen großen Spaß und schaffte alle im ersten Versuch. Durch das Hindernis „Floating Walls“ des „Indian Mud Run“, frei hängende und bewegliche Holzplatten mit darauf montierten Klettergriffen auf verschiedenen Höhen und über eine letzte große Wand mit einigen kurzen Seilen, genannt „The Knot“ ging es ins Ziel.

Resümee I
Voller Freude
über ein tolles Rennen mit einer, für mich guten Platzierung im vorderen Drittel, und keinen Fehlversuchen an Hindernissen, hieß es nun alles für eine gute Regeneration tun, um die schon etwas gereizten Arme und Beine auf das Hauptrennen vorzubereiten. Sauna, Fernsehen und einen riesen Topf Nudeln später stand ich am nächsten Morgen schon wieder am Start. Nun wurde es ernst. Alle Anstiege, die wir bereits am Vortag erklommen hatten, waren heute doppelt so lang und dazu kamen noch 4 weitere Berge mit mehr als der doppelten Länge.

Massenstart. Fast 300 Athleten meiner Altersklasse stürmten los. Etwa 400 Meter nach dem Start folgte der erste Berg. Ich hielt mich an meinen Plan die Anstiege ausnahmslos zu gehen und Kraft zu sparen um die Downhillparts und graden Strecken rennen zu können. Viele Läufer überholten, die meisten sah ich jedoch wenige Minuten später wieder. Der Anstieg war steiler, länger und vor allem rutschiger als erwartet. Schritt für Schritt ging es nach oben, irgendwann wechselten die meisten auf alle Viere da es zu steil zum Gehen wurde. Jeder Schritt musste gut überlegt sein, da man ansonsten den Berg hinunter zu rutschen drohte. Oben angekommen waren die Waden bereits dicht und schmerzten. Nach ein paar Eskaladierwänden folgte der erste Downhill. Wie am Vortag galt auch hier wieder möglichst kurze Kontaktzeiten mit dem Boden beizubehalten und den Berg im Sprint hinab zu rasen. Ein hohes Verletzungsrisiko, doch es handelte sich schließlich um die WM!

Over/Unter/Through
Der zweite Anstieg war sogar als eigenes Hindernis gekennzeichnet – aus gutem Grund. Ohne die vorhandenen Seile hätte wohl kaum einer das folgende „Over/under/Through“ erreicht. Über eine Wand, unter einer hindurch und durch ein Loch in einer Wand. Es folgte ein weiterer, langer Downhill, unterbrochen durch ein Kriechhindernis das mehr gerutscht als gekrochen wurde. Die „Ramp Wall“ wartete im Tal. Eine 5 Meter Wand, die nur mit Hilfe eines Seils zu überwinden war. Das Seil war bereits durch die Läufer vor mit extrem matschig, sodass es ein echter Kraftakt war, hinüber zu kommen. Und wieder ging es den Berg hinauf.

Georgian Bay
Dieser dritte Anstieg war noch länger, dafür nicht ganz so steil. Die wunderschöne Aussicht vom Berg auf die Georgian Bay konnte ich leider nur mit halbem Auge würdigen. Nun noch mehr Eskaladierwände, weiter den Berg hinauf und kriechen, ebenfalls bergauf. Bei Kilometer 4,5 schmiss ich den ersten Energiemarschmallow ein, der mir Kraft für den ersten flacheren Abschnitt gab. Hier, auf den technisch anspruchsvollen Waldtrails, konnte ich endlich richtig loslegen und sammelte bei schnellem Pace viele Läufer ein. Es folgten weitere Wände – matschig und rutschig. Dann ging es wieder bergab und über eine kleine Quaterpipe. Nun sah ich die ersten Hindernisse vom Vortag wieder. „Inverted Wall“, die gekippte Eskaladierwand und die „Sandstorm Monkey Bars“ waren wieder kein Problem und schnell bewältigt. Kilometer 7, bereits über 90 Minuten im Rennen, wieder bergauf in den vierten Anstieg.

Quaterpipe
Anschließend zurück in den Zielbereich wo eine weitere Quaterpipe auf mich wartete. Die anschließende Runde mit dem Sandsack war natürlich noch etwas länger als am Vortag und brachte die Waden fast zum Platzen. Beim Hindernis „La Gaffe“ war wieder Geschick gefragt. Dann folgte der fünfte, der letzte und der längste Anstieg des Rennens. Gut einen Kilometer ging es extrem steil bergauf. Die Beine fingen an zu kapitulieren und alles schrie nach einer Pause. Wie aus dem Nichts tauchte eine weitere Eskaladierwand auf. Das nun folgende Hindernis war mir bereits von der Europameisterschaft bekannt und in schmerzlicher Erinnerung geblieben. „Stairway to Heaven“ kostete mich dort das Hindernisband, das abgegeben werden muss, wenn ein Hindernis auch nach mehreren Versuchen nicht überwunden wird. Doch dieses Mal schaffte ich das Hindernis ohne Probleme im ersten Anlauf.

Traverse Walls

Dahinter verbargen sich die „Traverse Walls“. An Z – förmig aufgestellten Wänden waren Holzleisten montiert an denen man sich bis ans Ende der Wände vorarbeiten musste. Die bereits matschigen Fußleisten konnte ich nur bedingt benutzen, um nicht ab zu rutschen und setzte ganz auf meine Griffkraft. Geschafft! Nach einem weiteren Kriechhindernis bergauf folgte ein Kombinationshindernis des Herstellers Urban Sky, bei dem eigentlich jede Stange, die gegriffen werden durfte, in irgendeiner Weise beweglich war. Der nun folgende verhältnismäßig flache Streckenabschnitt war wieder sehr auf das Laufen bezogen.

Low Rig
Einige Eskaladierwände, eine weitere Quaterpipe und zu überkletternde Netzhindernisse stoppten immer wieder das Laufen. Unter anderem gab es auch ein „Low Rig“. Hier hangelten sich die Läufer nur wenige Zentimeter über dem Boden an Seilschlaufen entlang. Die Beine, die dabei ständig angewinkelt und auf Spannung waren, bescherten mir hier die ersten Krämpfe. Nun ging es zurück. Kilometer 12 bis 13 war ein einziger, langer Downhill der die Oberschenkel noch einmal richtig brennen ließ. Durch scharfe Kurven im Wald und kleine Steinwände hinunter ging es ins Tal. Am Ende des Berges wartete der „Rope Climb“, ein 6 Meter hohes Seil, das ich schnell überwunden hatte.

Platinum Rig
Die restliche Strecke war nun bekannt. Es folgten die Kombinationshindernisse des Vortages. Nach dem ersten „Platinum Rig“, bestehend aus Ringen und tief liegenden Monkey Bars, folgte wieder der „Wrack Bag Carry“. Die 25kg fühlten sich deutlich schwerer als am Vortag an und auch die Strecke den Berg hinauf war fast doppelt so lang. Ein letztes Mal also die Waden irgendwie auf Vordermann bringen und los. Hier ließ ich noch einmal viel Zeit liegen, denn nichts ging mehr. Doch den anderen ging es nicht anders und so quälten wir uns gemeinsam den Berg hinauf. Hinunter war eher ein rutschen als ein laufen. Nach kurzer Laufstrecke dann das zweite „Platinum Rig“ und „Skull Valley“. Nach den „Floating Walls“ und „The Knot“ lief ich ins Ziel. Meine zweite Medaille des Wochenendes konnte ich erst einmal nicht würdigen. Die viel größere Freude machte mir in diesem Moment das Wasser und ein paar Stücken Banane.

Resümee II
Mit der Zeit kam dann doch die Freude über das Geschaffte. Wieder mit einer gute Platzierung im Vorderen Viertel des Feldes und wieder kein Fehlversuch an den Hindernissen. Am Abend gab es dann noch einen Eisbecher, den man als das „last Obstacle“ bezeichnen kann.

FAZIT
Die Obstacle Course World Championships waren ein unglaubliches Erlebnis. Die Strecke war einer Weltmeisterschaft würdig und brachte selbst den viermaligen und ungeschlagenen Weltmeister Jonathan Albon ins Schwitzen. Die Hindernisse waren extrem kreativ und von Rennen aus der ganzen Welt zusammengetragen, besser kann es wohl nicht sein!

(SM) Sebastian Menck

Weitere Informationen unter: http://ocrworldchampionships.com/

Team-androgon powered  by Sealskinz

 

 

 

Bildquelle: androgon.com, Sebastian Menck

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...