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Freitod

15 Mai 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Gunter Sachs – Das Ende eines Playboys

Spektakulär wie sein Leben als Playboy – vor allem die legendäre 3jährige Liaison mit Brigitte Bardot – so spektakulär endete auch das Leben von Gunter Sachs durch seinen Suizid kürzlich im Mai dieses Jahres im Alter von 78 Jahren. Das mediale Interesse jedenfalls war wie zu seiner Blütezeit nochmals erheblich angezogen.

Dabei ist der Freitod schon seit längerem ein bevorzugtes Phänomen gerade bei Männern, insbesondere in sehr fortgeschrittenem Alter. Es stellt sich somit die Frage: soll Mann, wenn die Kräfte deutlich zu schwinden beginnen – und dies in körperlicher und geistiger Hinsicht – zu diesem letzten Mittel greifen. In einer Umfrage unmittelbar nach dem Tod des als Kunstsammler, Fotograf, Dokumentarfilmer und Lebemann apostrophierten einstigen Industriellensohnes zeigten mehr als 80 Prozent der Interviewten Verständnis für seinen Freitod.

Tendenziell lässt sich darüber hinaus ein gewisser Respekt für diese finale Tat attestieren und zwar als eine rein individuelle, wenn auch egoistische Entscheidung des Betroffenen in auswegloser Situation. Während viele seiner Altersgenossen über ihre Motive zum Suizid, der übrigens in letzter Zeit deutlich zugenommen hat, kaum etwas verlauten lassen, machte der ehemalige Playboy in seinem Abschiedsbrief seine Motive für eine breite Öffentlichkeit publik. Weil er eine „rapide Verschlechterung seines Gedächtnisses“ an sich beobachtete oder zu beobachten meinte, außerdem „ gelegentliche Verzögerungen in Konversationen“ sah er ein Schreckensbild in sich aufsteigen: Der Ex-Playboy im Würgegriff der „ausweglosen Krankheit Alzheimer.“ Aus Angst vor dem imaginierten „Verlust der geistigen Kontrolle“ erschoss er sich und wollte sich damit einen „würdelosen Zustand“ ersparen. Er habe sich daher entschlossen, der „ Bedrohung“ namens Kontrollverlust durch Selbstauslöschung“ entschieden entgegenzutreten“

Der spektakuläre Freitod des Protagonisten hat sicherlich dazu beigetragen, die Diskussion über den Suizid, Sterbehilfe und Vita, ob sie bei einer bestimmten Krankheit lebenswert ist oder nicht in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stellen. Obwohl die Deutsche Alzheimer Gesellschaft zu seinem Tod erklärte, dass auch mit Demenz ein lebenswertes Leben möglich ist – nach ihren Angaben leben zur Zeit in Deutschland 1,2 Millionen Demenzkranke, davon 2/3 mit Alzheimer – kann man zwar, wie der FOCUS bemerkt, den Freitod nicht als eine Heldentat hochstilisieren, er ist jedoch zumindest als eine mutige Entscheidung zu respektieren. Denn, wenn auch egozentrisch nimmt er doch auch ein großes Maß an Rücksicht auf die Familie und weitergehend auch auf die Gesamtgesellschaft.

(wz)

Quelle: Focus

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