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Wegbereiter der modernen Musik

27 Mai 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Gustav Mahler zum 100. Todestag: Wegbereiter der modernen Musik

Gustav Mahler, schon zu seinen Lebzeiten einer der berühmtesten Dirigenten und als Komponist neue Dimensionen in der Musik eröffnend, fand trotzdem lange Zeit wenig Verständnis für sein epochales Werk. „Die Zeit für meine Musik wird noch kommen“ war sein Resumé zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Spätestens seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts setzte dann gerade eine Mahler-Renaissance ein und er wurde zu einem der populärsten Komponisten, insbesondere durch die neue, die bisherigen Konventionen traditioneller Musik brechende, moderne Musik.

Mahler stammte aus einfachen Verhältnissen, er war das 2. von 12 Kindern eines Gastwirts, aus Kalischt, Mähren. Seine Kindheit war von der unglücklichen Ehe seiner Eltern überschattet, was wohl auch die Basis für seinen menschlich schwierigen Charakter späterhin war. Dank seiner großen musikalischen Begabung konnte er aber schon mit 15 Jahren das Konservatorium in Wien besuchen und fand nebenher Unterricht bei Anton Bruckner. Seine spätere Dirigentenlaufbahn führte ihn über viele Stationen an verschiedene Theater und Opernhäuser, u.a. über Prag, Wien, Kassel, Leipzig nach Hamburg an die dortige Staatsoper, bis er schliesslich an die Wirkungsstätte seiner bedeutendsten Tätigkeit als Dirigent und kurz darauf als Direktor der Hofoper in Wien gelangte (von 1897 – 1907). Hier revolutionierte er den Spielplan und die Aufführungen als Dirigent und Regisseur in Personalunion und inszenierte diese sozusagen in Form eines Vorläufers des heutigen Regietheaters. Nach Unstimmigkeiten und sich häufenden Intrigen gegen seine Person folgte er dem Ruf als Direktor der Metropolitan Opera in New York. 1911 kehrte er herzkrank nach Wien zurück und verstarb dort am 18. Mai des gleichen Jahres.

Mahlers imposantes musikalisches Werk umfasst insgesamt 9 Sinfonien, das Adagio einer 10. Sinfonie sowie als letztes sinfonisches Werk „Das Lied von der Erde“. Am Anfang seines Schaffens stehen die „Lieder eines fahrenden Gesellen“ ( 1883 – 1885) und 12 Gesänge aus „Des Knaben Wunderhorn“. Von seinen 9 Sinfonien sind nur die 1. und die 5. – 7. reine Instrumentalwerke; in den übrigen sind Solostimmen und Chöre mit einbezogen und weiten sich zu riesigen Kantaten aus. In der 3. Sinfonie widmet sich der Komponist der Natur, die 4. bringt das Wunderhorn-Lied von den „Himmlischen Freuden“ als Sopran-Solo. Weit verbreitet waren Malers schwermütige „Kinder-Totenlieder“ für Alt- und Kammerorchester sowie sein letztes Werk „Das Lied von der Erde, ein Zyklus“ (1911) für Tenor, Alt, Orchester und Orgel nach 6 chinesischen Gedichten.

Seine Sinfonien stehen am Ende einer Traditionskette, die vor ihm in Beethoven, Schubert und Bruckner ihre wichtigsten Vertreter hatte. In seinem Werk vollzieht sich die Erfüllung und Auflösung der Gattung Sinfonie durch Aufnahme wesentlicher Elemente anderer, vor allem vokaler Musikgattungen (Lied, Oratorium, Chor, Musikdrama), wodurch er die traditionelle Form und Satzfolge der Sinfonie sprengte, andererseits jedoch gleichzeitig zu bereichern vermochte.

Durch sein ehrgeiziges Streben nach absoluter Musik gelang es ihm, Inhalt und Form der Sinfonie ernorm zu steigern und auszuweiten. Andererseits führten seine programmatischen Erklärungen ihn in ein Spannungsfeld zwischen Programmmusik und seiner angestrebten absoluten Musik. Insgesamt war jedoch sein Einfluss auf Komponisten wie Schönberg und Webern von größter Bedeutung, so dass man ihn als Wegbereiter der modernen Musik ( Zwölftonmusik) bezeichnen kann. Dirigenten, wie Leonard Bernstein, sorgten wesentlich für seine Wiederentdeckung in jüngster Zeit. Und auch in den Musikzentren steht Mahlers 100. Todestag wiederum im Mittelpunkt des musikalischen Angebots, wie z.B. durch die Berliner Philharmoniker oder im Rahmen des Leipziger Mahler-Festivals mit der Aufführung seiner sämtlichen Sinfonien.

(wz)

Quelle: Die Zeit, Der grosse Kulturführer

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