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SkyRun Frankfurt

1 Oktober 2018 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

12. SkyRun Messeturm Frankfurt

Treppenläufe, die sich weltweit steigender Beliebtheit erfreuen, sind das ultimative urbane Abenteuer in der Vertikalen. Und nicht nur für Sportler gedacht, denen ebenerdig nicht mehr genug ist oder bei denen es geradeaus nicht so gut läuft. Treppenläufe sind die effektivste Trainingsmethode. In kurzer Zeit ist der Puls auf Anschlag, ohne dass der Bewegungsapparat orthopädisch stark belastet wird. Sozusagen ein Herz- Kreislauftraining erster Klasse. Die Mutter aller Treppenläufe ist der Empire State Building Run Up in New York (86 Stockwerke, 1576 Stufen), der bereits seit 1978 stattfindet. Towerrunning hat sich zu einer Trendsportart und mittlerweile zu einer eigenen Subkultur in der Laufszene entwickelt. Weltweit gibt es rund 200 regelmäßig veranstaltete Treppenlauf-Events mit insgesamt über 100.000 Teilnehmern, die sich in Türmen, Wolkenkratzern und auf Outdoor-Treppen in der Vertikalen austoben. Elitesportler reisen rund um den Globus, um berühmte Türme zu bezwingen und Punkte zu sammeln für den Towerrunning World Cup, ein Wertungssystem für wettkampforientierte Sportler, sanktioniert von der Towerrunning World Association (TWA).

Gottes Dreiförmigkeit nannte Architekt Helmut Jahn das 257 m hohe und 250 Millionen Euro teure Wahrzeichen Frankfurts, das von 1988 – 90 errichtet wurde. „Ein Quadrat, ein Dreieck und ein Kreis, das ist alles, was Gott uns gab“, so die Entwurfsidee. Es entstand ein quadratischer Baukörper, aus dem sich ein zylinderförmiger Kern schält, der wiederum zu einer Pyramide zugespitzt ist. Auf einer Basis von nur 41 x 41 m bietet der Messeturm auf 63 Etagen Arbeitsplätze für über 3000 Menschen und verfügt als einziges Gebäude in Deutschland über eine eigene Postleitzahl. Die „Konkurrenz“ ist nur unwesentlich höher: Der Commerzbank Tower als höchstes Gebäude in Frankfurt kommt auf 259 m. In der Liste der höchsten Wolkenkratzer Europas, die vom Lakhta Center im russischen Sankt Petersburg mit 462 m angeführt wird, steht der Messeturm auf Platz 15. Platz eins nimmt er jedoch als höchstes Treppenrennen in Europa ein.

1202 Stufen, 222 Höhenmeter, 61 Etagen, rechtsdrehend – das sind die technischen Daten des SkyRun. „Die Treppen sind geputzt, das Treppenhaus gelüftet, über 1000 Teilnehmer aus der ganzen Welt gemeldet, vier davon sogar extra aus der Mongolei angereist und drei rüstige Senioren starten in der Altersklasse M80“, verkündete Michael Lederer, Spiritus Rector und Gründer des SkyRun, bei der Pastaparty am Vorabend des Rennens in der Kantine des Messeturms. Lederer, ehemaliger Weltrekordhalter im 4-mal-1500-Meter-Staffellauf und Manager bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers im benachbarten Tower 185, konnte auch dieses Jahr wieder ein erlesenes Starterfeld vorweisen und mit einem hohen Spendenerlös für die ARQUE die unglaubliche Erfolgsgeschichte dieses Events fortsetzen. Die ARQUE (ARbeitsgemeinschaft für QUErschnittsgelähmte mit Spina bifida Rhein-Main-Nahe e. V.) ist ein Verein der die Interessen von Menschen mit angeborener Querschnittslähmung und Störung des Gehirnwasserkreislaufes vertritt.

Das Starterfeld von 1040 Läufern teilte sich in 308 nationale und internationale Einzelläufer, 95 Teilnehmer in Firmenteams, 486 Feuerwehrleute und Ersthelfer in Dreierteams und 151 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren in Fünferteams. Bei allen Teams zählten die jeweils addierten Einzelzeiten und unter den Einzelstartern wurden zugleich die 7. Deutschen Towerrunning Meisterschaften ausgetragen. Start vor dem Eingang, direkt neben dem berühmten Hammermann, der den Läufern des Frankfurt Marathons nur allzu gut bekannt ist. Die Einzelstarter wurden in 10-Sekunden-Intervallen in die monotone Einsamkeit der Treppenwelt entsandt. Firmenteams starteten im 30-Sekunden-Abstand in 5er Gruppen und die Feuerwehrmannschaften stürmten beim Fire-Fighter’s Cup jeweils zu dritt in voller Montur, teilweise mit und ohne Atemschutzgerät die Treppen hoch. Die Kinder bewältigten den halben Messeturm und hatten die Höhe von 31 Stockwerken und 620 Stufen zu meistern. Sie starteten ganz zum Schluss in der 30. Etage.

Dr. Christian Riedl von der TRG Erlangen sicherte sich mit 6:26,1 Minuten bei seiner zehnten Teilnahme am SkyRun zum sechsten Mal den Titel des Deutschen Meisters im Towerrunning und verpasste den eigenen Streckenrekord von 6:25,5 aus dem Jahr 2016 denkbar knapp. Eine halbe Minute Vorsprung hatte er auf den Österreicher Jakob Mayer (6:56,3 Minuten), der am Vortag bei der Anreise noch den Ulmer Münsterturmlauf quasi im vorbeigehen gewonnen hatte. Rang drei in der Gesamtwertung und 2. Platz bei der Deutschen Meisterschaft ging an Görge Heimann in 7:02,3 Minuten. Bei den Damen gewann Zuzanna Kielak aus Warschau in 9:26,7 Minuten, Deutsche Meisterin wurde Monica Carl von der LG Welfen in 9:28,5 Minuten. Auf dem 3. Platz dann die Vizemeisterin Anna-Lena Böckel in 9:30,2 Minuten.

Neben den Firmenteams (Sieger DZ-Bank – Runners 1 in 41:23,1 Minuten) und den Rettungskräften (das schnellste Ergebnis erzielten die Feuerwehrmänner der SkyRockets Lank mit 37:58,9 Minuten) gab Michael Lederer in Frankfurt traditionell auch zahlreichen Exoten eine Plattform. Haki Doku aus Mailand steuerte seinen Rollstuhl in einer Stunde 2568 Stufen hinunter und der Schweizer Kevin Delcò balancierte die 1202 Treppen in 51:48 Minuten im Handstand abwärts. 11 Athleten wollten es in der Kategorie „MultiClimber“ mehrfach wissen. Dabei meisterten der Frankfurter Michael Herms und Stefan Schlett aus Kleinostheim als „Kletterpartner“ gleich 15 Aufstiege und hatten damit in Summe jeweils 3330 Höhenmeter, 915 Etagen und 18.030 Stufen in den Beinen. Treppensteigen fördert einen gesunden Lebensstil, schärft den Sinn für die Nutzung im täglichen Leben und kann bis ins hohe Alter betrieben werden. Dies bewies Bernd Zürn aus Flörsheim, der erster Deutscher Meister in der Altersklasse M80 wurde und denn Messeturm gleich fünf Mal bezwang (schnellster Durchgang in 12:37,8 Minuten).

43.000 Euro standen am Ende des Tages auf dem Spendenkonto für die ARQUE. Die Mischung aus Charity und Spitzensport ist in dieser Form in Deutschland einmalig. Die Summe setzt sich aus den Anmeldegebühren der Firmenteams und der Feuerwehren zusammen. Hinzu kommen Spendengelder regionaler Unternehmen sowie kleinere Beträge von Läufern, Eltern der Kinder und anderer Unterstützer. Bei den Kindern wird kein Startgeld erhoben, sie sollen spielerisch an die vertikale Sportart herangeführt werden. Die Startgebühr der Einzelläufer wird genutzt, um die Veranstaltung auszurichten. Preisgelder für die Topathleten, welche vollumfänglich von Sponsoren getragen werden, durften erstmals dieses Jahr wegen Schikanen des Finanzamts nicht ausgeschüttet werden. Prompt blieben die Topathleten aus Osteuropa weg. Dieses unnötige bürokratische Hindernis soll bis 2019 ausgemerzt werden.

 

Im Frankfurter Zentrum stehen 31 Gebäude mit 100 m Höhe und mehr. Die Bankenstadt bietet somit ein riesiges Potential für Treppenläufe verschiedenster Art – Raum für ganze Cup-Veranstaltungen in verschiedenen Höhenkategorien und Entfaltungsmöglichkeiten für eine Hochhausliga in der Laufbewegung…

(SS) Stefan Schlett

Infos

www.skyrun-messeturm-frankfurt.com

www.towerrunning.com

 

 

 

 

 

Quelle/Bildquelle: Stefan Schlett

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