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Suche nach der eigenen Identität

13 Juni 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Max Frisch – Zum 100.Geburtstag

„Jeder- Mann erfindet früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält“, dieses Statement könnte als das zutreffende Charakteristikum für das Werk des schweizerischen Schriftstellers Max Frisch betrachtet werden, der am 15. Mai 2011 100 Jahre alt geworden wäre. Seine Romane und Dramen zählen noch heute zu den bedeutendsten Werken der deutschsprachigen Literatur. Vor allem der Mann und seine psychische Verfassung, seine Suche nach der eigenen Identität, das Spannungsfeld zwischen bürgerlicher und künstlerischer Existenz, die Erforschung des eigenen Ichs sowie die Beziehungen zwischen den Geschlechtern sind die wesentlichsten Thematiken seiner Werke.

Nach einer bürgerlich geprägten Kindheit und Jugend in Zürich entschloss sich der junge Frisch aus Begeisterung für die Schriftstellerei zunächst für ein Germanistikstudium, das er jedoch frühzeitig abbrach. Trotz bemerkenswerter guter Kritiken für sein Frühwerk, glaubte er zu dieser Zeit nicht mehr an einen Erfolg als Künstler und verbrannte in einer Kurzschlussreaktion alle seine bisherigen Aufzeichnungen. Er entscheidet sich jetzt für einen männlichen Beruf, den seines Vaters als Architekten und eröffnet nach dem Studium ein eigenes Architekturbüro in seiner Heimatstadt Zürich.

Aber das Schreiben bleibt nach wie vor seine Leidenschaft und seine künstlerische Begabung setzt sich wieder durch. Der Grundstein für sein literarisches Werk bildet das „Tagebuch 1946 – 1949“, in dem er über autobiographische Ereignisse der Nachkriegszeit reflektiert. Mit dem 1954 erschienenen Roman „Stiller“ erzielt er dann den großen Durchbruch und wird weltbekannt. Drei Jahre später erscheint mit „Homo Faber“ der nächste große Erfolg; ein Roman, der mit mehr als 5 Mill. Exemplaren verkauft wird und auch heute noch in Umfragen weit vorn liegt, wenn danach gefragt wird, welches Buch Mann am eindringlichsten verändert hat. In diesem Buch wird der allein auf die Ratio setzende Protagonist, geprägt vom technisch wissenschaftlichen Weltbild seiner Zeit, mit der unlogischen Macht des Schicksals konfrontiert und scheitert.

Seine bekanntesten Theaterstücke sind kurz darauf „Biedermann und die Brandstifter“ (1958), eine entlarvende Analyse des Spießbürgers, der das Eindringen des Bösen in seine Welt nicht wahrnehmen will und „Andorra“ (1961), ein Lehrstück in der Tradition seines Freundes Bertold Brecht, das sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzt.

In seinem letzten Roman „Mein Name sei Gantenbein“ thematisiert er nochmals in besonders drastischer Weise seine Auffassung, dass „ der Mensch sich selbst erfindet und sich die Bilder seiner Person als reine Fiktion verwendet“. Dieses assoziative Schreiben, ohne Chronologie und Kausalität, hat ihn letztlich unter die Autoren des 20. Jahrhundert und damit in die Moderne von Seiten der Kritik aufsteigen lassen , zumal die Problematisierung der Ich-Identität in der literarischen Moderne ebenfalls auf eine Handlung im herkömmlichen Sinn verzichtet.

Frisch, der sich auch in seinen Beziehungen zu Frauen lebenslang auf der Suche befand – nach dem frühzeitigen Scheitern seiner ersten Ehe mit der großbürgerlichen Gertrude von Meyenburg aus einer der reichsten Familien Zürichs – wandte er sich zuletzt immer jünger werdenden Gefährtinnen zu. Wie in seinem Roman „Homo Faber“ schließlich zu der Tochter einer früheren Geliebten, bis er sich schließlich resignierend in seinem Spätwerk „Montauk“ eingestehen musste „dass es sich verbietet eine jüngere Frau an meine Zukunftslosigkeit binden zu wollen.“

Max Frisch, trotz letzter kritischer Stimmen in der Schweizer Öffentlichkeit, erhielt zahlreiche bedeutende Preise, darunter 1958 den Georg-Büchner-Preis und 1976 den Friedenspreis den Deutschen Buchhandels. Er starb kurz vor Vollendung seines 80. Geburtstages am 4. April 1991 und gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit.

(wz)

Quelle: Fotografie von Pia Zanetti, Max Frisch in Rom 1964

 

 

 

 

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