Home » Gesellschaft, Interview, persönlichkeiten, Vorschau

Umgekehrte Diskriminierung

19 Oktober 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Umgekehrte Diskriminierung – ein Interview mit Dr. Ulfig

a: Sie befassen sich auf der Internetseite http://www.freiewelt.net/  und in verschiedenen Magazinen und Blogs z.B. http://www.streitbar.eu/qsq.html  unter anderem sehr stark mit dem Thema „Qualifikation statt Quote“. Warum ersehen Sie es als notwendig, sich mit diesem Thema verstärkt auseinanderzusetzen?

Dr. Ulfig: Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist von entscheidender Bedeutung für unser Verständnis von Gerechtigkeit. Sie betrifft die Fundamente der demokratischen Staatsordnung. Wir sollten uns entscheiden: Möchten wir, dass ein Mensch nach seiner individuellen Qualifikation oder nach seiner Gruppenzugehörigkeit betrachtet und eingestellt wird? Die Quoten-Befürworter sprechen sich für das Letztere aus. Das widerspricht meines Erachtens nicht nur der in unserer Gesellschaft herrschenden Vorstellung von Gerechtigkeit, sondern auch dem Grundgesetz. Das Grundgesetz verbietet die Bevorzugung von Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit. Hier werden die Befürworter der Frauenquote einwenden: Mit Hilfe der Frauenquote soll die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen beseitigt werden. Dabei nehmen sie an, dass diese Unterrepräsentanz eine Folge ihrer Diskriminierung ist. Es ist aber nicht nachgewiesen, dass eine flächendeckende und systematische Diskriminierung von Frauen in Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik vorliegt. Die Unterrepräsentanz kann auch eine Folge davon sein, dass sich Frauen für bestimmte Arbeitsbereiche weniger als Männer interessieren oder dass es in bestimmten Arbeitsbereichen mehr besser qualifizierte Männer als Frauen gibt.

a: Sie haben selbst im wissenschaftlichen Bereich gearbeitet. Wie sind dort Ihre Erfahrungen mit diesem Thema?

Dr. Ulfig: Die Gleichstellungspolitik, zu der Quotenregelungen gehören, wird an den Hoschulen besonders stark forciert. Die Gleichstellungsgesetze legen fest, dass Frauen bei gleicher Qualifikation solange bevorzugt eingestellt werden, bis ein Frauenanteil von 50% erreicht wird. Das läuft de facto auf eine Quotierung hinaus. Dagegen muss man Folgendes einwenden: Es existieren Bereiche in der Wissenschaft, in denen es mehr besser qualifizierte Männer als Frauen, und Bereiche, in denen es mehr qualifizierte Frauen als Männer gibt. Versucht man in den von Männern dominierten Bereichen das Geschlechterverhältnis 50:50 herzustellen, so wird die individuelle Qualifikation als das wichtigste Kriterium bei der Stellenvergabe außer Kraft gesetzt. Es zählt nicht mehr die individuelle Qualifikation, sondern die Gruppenzugehörigkeit, das Geschlecht. Männliche Wissenschaftler erhalten aufgrund der angestrebten Quote 50:50 nicht die Stellen, die sie eigentlich erhalten sollten. Die Quotierung führt somit zur strukturellen Diskriminierung von Männern.

Ein weiteres Thema ist die Arbeit von Gleichstellungsbeauftragten an den Hochschulen. Sie wachen darüber, ob Gleichstellungsgesetze eingehalten werden. Sie nehmen an fast allen Einstellungsverfahren teil und haben einen großen Einfluss auf die Praxis der Stellenvergabe. Unter anderem können sie ein Berufungsverfahren zu Fall bringen, falls sie Abweichungen von Gleichstellungsgesetzen entdecken. Ihre Arbeit stellt eine Einmischung der Politik in das akademische Leben dar und verletzt die Autonomie der Hochschule.

a: Frauen sollen bei „gleicher Qualifikation“ bevorzugt eingestellt werden. Gibt es in der Wissenschaft überhaupt „gleiche Qualifikation“?

Dr. Ulfig: „Gleiche Qualifikation“ ist in der Wissenschaft eine Chimäre, also etwas was es dort gar nicht geben kann. Zwei Wissenschaftler wäre dann gleich qualifiziert, wenn sie gleiche Rezensionen, Artikel und Bücher geschrieben, gleiche Vorträge gehalten und gleiche Veranstaltungen gemacht hätten. Ein solcher Fall ist mir aus der Wissenschaftsgeschichte nicht bekannt. Qualifikationen, die in der Wissenschaft benötigt werden, sind viel zu komplex, um in ihrem Fall von Gleichheit zu sprechen. Wissenschaftler sind immer unterschiedlich qualifiziert. Das gilt auch für andere komplexe Berufe, wie Manager, Lehrer, Ärzte, Juristen, Journalisten und Politiker.

Die Satzung „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt behandelt“ ist ein wichtiges Instrument der Quotierung und damit der Bevorzugung von Frauen. In vielen Einstellungsverfahren lassen sich nämlich aufgrund bestehender (mangelhafter) Qualifikationskriterien Qualifikationsunterschiede nur schwer feststellen. In vielen Fällen ist man gar nicht gewillt, nach weiteren oder besseren Qualifikationskriterien zu suchen. Da wo die Unterschiede schwer zu ermitteln sind, kann immer gesagt werden, dass gleiche Qualifikation vorliegt, und es kann dann schnell zugunsten von Frauen entschieden werden. Statt von „gleicher Qualifikation“ zu sprechen, sollten wir uns am Prinzip der besseren individuellen Qualifikation orientieren. Das Prinzip besagt: Eine Arbeitsstelle sollte diejenige Person erhalten, die für diese Stelle am besten qualifiziert ist, und zwar unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit.

a: Das deutsche Wirtschaftsmagazin „Wirtschaftswoche“ greift das Thema Frauenquote in ihrer Ausgabe 14/2011 mit dem Titelthema „Was tun, wenn die Quote kommt?“ auf. Natürlich lenkt die WIWO in erster Linie in die wirtschaftliche Richtung, jedoch ist unsere Gesellschaft nicht von der Volkswirtschaft zu trennen. Die WIWO spricht vom „gesellschaftlichen Harakiri“, wenn eine politische Frauenquote eingeführt wird.

Dr. Ulfig: Quoten-Befürworter argumentieren, dass die Einführung der Frauenquote die Gleichberechtigung von Mann und Frau schaffen würde. Männer und Frauen sind aber bereits gleichberechtigt. Bezogen auf die Wirtschaft heißt es: Jede Frau hat wie jeder Mann das Recht, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Dort könnte sie einstellen oder in den Vorstand berufen, wen sie möchte. Wird in bestehenden Unternehmen eine Frauenquote eingeführt, so verletzt es das Prinzip der unternehmerischen Freiheit. Es stellt eine Einmischung der Politik in die Entscheidungen von Unternehmern dar. Freie Marktwirtschaft und Quoten vertragen sich nicht. Und auch an dieser Stelle muss hervorgehoben werden: Führt man in den Vorständen eine Frauenquote ein, wird die individuelle Qualifikation als Einstellungskriterium außer Kraft gesetzt.

Immer wieder hören wir, dass der Anteil von Frauen in den Führungsetagen der Wirtschaft erhöht werden soll. Eigentlich sollte ein Unternehmer aber daran interessiert sein, den Anteil von Mitarbeitern zu erhöhen, die besser qualifiziert sind als Mitarbeiter anderer Unternehmen. Anders formuliert: Er sollte daran interessiert sein, sich die besten Leute zu holen, und zwar unabhängig von ihrer Gruppenzugehörgkeit.

Ein gebetsmühlenartig wiederholtes Argument für die Frauenquote in der Wirtschaft besagt, dass Frauen bessere Hochschulabschlüsse als Männer haben, in den Vorständen aber trotzdem unterrepräsentiert sind. Man kann hier mit Berechtigung fragen, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Die Welt ist voll von herausragenden Managern, die gar keinen Hochschulabschluss haben. Offensichtlich werden für den Manager-Job andere Qualifikationen als gute Noten benötigt.

Und schließlich hören wir immer wieder, dass eine „gläserne Decke“ Frauen daran hindert, Karriere in der Wirtschaft zu machen. Erstens lässt sich eine „gläserne Decke“ nicht nachweisen. Es lässt sich also nicht nachweisen, dass Männer Frauen Steine in den Weg legen. Zweitens arbeiten Menschen in den Vorständen nicht als Männer oder Frauen, sondern als Manager, besser: Sie arbeiten als Individuen und nicht als Repräsentanten ihres Geschlechts. In der Wirtschaft konkurrieren Individuen miteinander, nicht Geschlechter.

a: In der „Wirtschaftswoche“ geht es in der Regel um gutdotierte Manager- und Vorstandspositionen, die besprochen werden. Aber was ist mit der Quote bei den von Männern dominierten unangenehmen, gefährlichen oder schlechtdotierten Jobs wie Feuerwerker, Kanalreiniger, Fensterputzer, Gerüstbauer oder Infanterist (Soldat)? Müsste dann nicht auch hier eine Quote greifen oder werden wir es etwa mit „umgekehrter Diskriminierung“ zu tun bekommen?

Dr. Ulfig: Daran sehen Sie, dass die Quoten-Politik widersprüchlich und nicht konsequent ist. Sie ist eine reine Klientelpolitik für einen kleinen Kreis von Frauen. Von einer Quote in der Wirtschaft würde eine kleine Menge von Frauen profitieren. Das ist zum Beispiel in Norwegen der Fall, wo seit 2006 börsenorientierte Unternehmen die Aufsichtsräte zu 40% mit Frauen besetzen müssen und wo 70 Frauen, von den Norwegern spöttisch „Goldröcke“ genannt, ca. 300 Plätze in Aufsichtsräten innehaben. Die überwältigende Mehrheit von Frauen, vor allem Millionen von Frauen aus der Unterschicht, hätte überhaupt nichts von einer Quote in den Vorständen der DAX-Unternehmen. Frauenquote in der Wirtschaft ist Rosinenpickerei für Frauen aus der Oberschicht.

a: Um einem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz zuvorzukommen, wird in der Wirtschaft, laut WIWO, jetzt schon das Schreckensszenario einer durchquotierten Gesellschaft an die Wand gemalt: „Wenn die Frauenquote kommt“ so orakelt ein Headhunter, der mit der Vermittlung von weiblichen Spitzenkräften seit geraumer Zeit gutes Geld verdient, „dann diskutieren wir bald auch über eine Schwulen- , Vegetarier- oder Moslemquote“. Werden Forderungen nach weiteren Quoten erhoben?

Dr. Ulfig: Ich denke ja. Die Frauenquote in der Wirtschaft würde die Forderung nach Quoten in anderen Bereichen nach sich ziehen. In der SPD soll es eine Migrantenquote von 15% geben. Ich bin selbst Migrant, lehne jedoch Quoten jeglicher Art strikt ab. In den politischen Parteien wie SPD, Linke, Grüne und CDU/CSU gibt es bereits eine Frauenquote. Die Quoten-Politik stellt nicht nur eine Verletzung des Grundgesetzes, sondern auch der Demokratie dar. In einer demokratischen Partei darf jedes Parteimitglied für ein Amt kandidieren. Es muss sich zur Wahl stellen und wird intern von den Parteimitgliedern gewählt. Es kommt dann in ein politisches Amt, wenn es mehrheitlich von anderen Parteimitgliedern gewählt wird. Die Frauenquote verletzt dieses demokratische Verfahren. Solange sie besteht, können viele Parteimitglieder diejenigen potentiellen Kandidaten nicht wählen, die sie sonst hätten wählen wollen, weil sie Männer sind und durch die Frauenquote von der Kandidatur ausgeschlossen werden. Die Quote schränkt somit die Wahlfreiheit entscheidend ein.

a: Momentan haben wir bürgerkriegsähnliche Zustände in Tunesien, Libyen, Syrien und anderen arabischen Ländern, eine noch immer anhaltende Atom-Katastrophe in Japan …und in Deutschland wird eine Frauen-Quote in den Medien hoch und runter geritten. Geht es uns in unserer Komfortgesellschaft einfach zu gut? Sind die Quoten nicht sowieso obsolet, wenn einmal die Komfortzone verlassen werden muss und es etwas härter zur Sache geht?

Dr. Ulfig: Wenn es zu einer großen Wirtschaftskrise kommt, wird wahrscheinlich niemand mehr über die Quote ein Wort verlieren. Die Quote ist ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft, aber nicht nur. Erinnern wir uns an die Ostblockstaaten. Auch dort gab es Quoten. Am Anfang der kommunistischen Herrschaft waren es Quoten für Arbeiter und Bauern, in der Endphase des Kommunismus Quoten für Parteimitglieder. Mitglieder der kommunistischen Partei wurden überall bevorzugt behandelt. Sie hatten besondere Privilegien und wurden bei Einstellungen vorgezogen. Hinter der Quote steckt also auch eine Ideologie, die Menschen in Gruppen aufteilt und dann die eine Gruppe bevorzugt, die andere benachteiligt. Das Individuum mit seinen besonderen Fähigkeiten und Qualifikationen spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Was zählt, ist die Gruppenzugehörigkeit und nicht die individuelle Leistung. Auch der Feminismus, der die ideologische Grundlage für die Gleichstellungspolitik und die Forderung nach Quote bildet, stellt einen Kollektivismus dar. Man spricht dort von den Frauen und vergisst dabei das Individuum. Der Publizist Gérard Bökenkamp hat darüber auf unserer Internetseite einen hervorragenden Artikel unter dem Titel „Frauenpolitik in der Kollektivismusfalle“ geschrieben.

a: In einer dieser vielen deutschen Talkshows mit dem Thema „Frauenquote“ wurde kürzlich der neue SAP-Vorstand für Personal eingeladen. Keine Quoten-Frau, Frau Angelika Dammann; diese erfolgreiche Managerin, die sich ihren Status schwer erarbeitet hat, war weder für eine Quote, noch äußerte sie sich positiv darüber, dass die Politik künstlich versucht, Quoten in Unternehmen zu infiltrieren. Sie unterstrich, dass SAP als DAX-notierter Konzern keine Quoten geplant hat. Was meinen Sie, warum ist gerade eine Frau gegen die Quote?

Dr. Ulfig: Die Quote verletzt das Selbstbewusstsein leistungswilliger Frauen. Diese Frauen vertrauen auf ihre eigenen Fähigkeiten und möchten nicht wie Kinder bevormundet werden. Zweitens wirkt die Quote auf Frauen demotivierend: Warum sollten sie sich denn überhaupt noch anstrengen, wenn sie Arbeitsstellen per Quote erhalten können? Eine Quotenfrau kann ferner niemals stolz auf ihre Leistung sein. Sie schämt sich über die Unrechtsmäßigkeit ihres Aufstiegs und hat Schuldgefühle gegenüber denjenigen, die ihre Stelle eigentlich erhalten haben sollten. Darüber hinaus kann eine Quotenfrau niemals ein Vorbild für andere Frauen (und Männer) sein, denn sie hat es ja nicht aus eigener Kraft, durch eigene Leistung geschafft. Die Quote verstärkt die Vorstellung, dass Frauen es grundsätzlich alleine nicht schaffen, dass sie hilflos sind und auf den Staat angewiesen sind.

a: Die Politik hat einen offiziellen „Frauenförder-Gipfel der Bundesregierung“ eingeführt. Was sagen Sie dazu?

Dr. Ulfig: Es gibt an fast jeder Hochschule Förderprogramme, die nur Frauen vorbehalten sind, zum Beispiel das Professorinnenprogramm der Bundesregierung, mit dessen Hilfe Frauen auf Professuren gehievt werden. Diejenigen, die an diesen Programmen teilnehmen dürfen (Frauen), haben später bessere Berufschancen als diejenigen, die an ihnen nicht teilnehmen dürfen (Männer). Die einseitige Förderung von Frauen verletzt somit das Prinzip der Chancengleichheit. Die heute lebenden Männer können doch nichts dafür, dass in vergangenen Zeiten Frauen diskriminiert wurden, zum Beispiel keinen Zugang zum Universitätsstudium hatten. Der Ausschluss von Männern aus den Förderprogrammen ist ungerecht. Besonders ungerecht finde ich, dass an den genannten Förderprogrammen Frauen aus der Mittel- und Oberschicht teilnehmen dürfen, während sie für Männer aus der Unterschicht verschlossen bleiben. Menschen sollten unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit gefördert werden. Nur auf diese Weise könnten Chancengleichheit gewährleistet und Ungerechtigkeiten vermieden werden.

a: Welchen Rat können Sie uns Männern für den Umgang mit der Quotenregelung geben?

Dr. Ulfig: Zunächst sollten sich Männer trauen, Quotenregelungen öffentlich zu kritisieren. Ich habe es an der Universität immer wieder erlebt, dass Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand die Gleichstellungspolitik kritisieren, sich aber nicht trauen, ihre Kritik öffentlich zu äußern (das sagt schon einiges über den Zustand dieser intellektuellen Elite aus). Männer sollten also immer wieder öffentlich hervorheben, dass sie durch Quoten diskriminiert werden und dass Quoten dem Grundgesetz widersprechen.

Ferner habe ich oft erlebt, dass vielen Männern starke Argumente gegen die Frauenquote nicht bekannt sind. Sie lassen sich durch die mediale Propaganda für die Frauenquote manipulieren. Ich hoffe, dass ich hier einige starke Argumente gegen Quoten genannt habe. Weitere Argumente können auf unserer Seite „Qualifikation statt Quote“ gefunden werden.

Darüber hinaus möchte ich Männern empfehlen, rechtlich gegen ihre Diskriminierung vorzugehen. Ich meine hier Klagen gegen Entscheidungen von Einstellungsgremien. Dieses Mittel wird leider von wenigen Männern in Anspruch genommen, weil viele Männer die Macht des Gleichstellungssystems fürchten und nicht als Frauenfeinde gebrandmarkt werden möchten. Außerdem kostet es etwas, aber es lohnt sich, für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Ansonsten empfehle ich Männern, sich zu organisieren, sei es an einer Hochschule oder in einem Unternehmen, um gemeinsam gegen die diskriminierenden Maßnahmen der Gleichstellungspolitik vorzugehen. Eine Gruppe kann wesentlich mehr erreichen als ein Einzelner.

a: Abschließend noch eine Frage zu einem anderen noch immer aktuellen Thema, dem Medien-Spektakel „Kachelmann- Prozess“. Was sagen Sie zu dem Kachelmann- Prozess, in dem die Medien eine manipulierende Rolle spielen? Gerade Alice Schwarzer (Emma-Gründerin), die paradoxerweise bei der Bildzeitung unter Vertrag ist, inszenierte hier als Moralapostel und Scheinautorität Themen, die mit dem eigentlichen Prozess nichts zu tun hatten.

Dr. Ulfig: Mit der Beantwortung dieser Frage komme ich auf den Anfang des Interviews zurück, auf die Frage nach der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit hat meines Erachtens etwas mit Unvoreingenommenheit, Unparteilichkeit und Objektivität zu tun. Alice Schwarzer hat wie andere Feministinnen von Anfang an Partei für die Klägerin ergriffen. Als Reporterin hat sie nicht mal versucht, unvoreingenommen, unparteiisch und objektiv über den Prozess zu berichten. Sie sagte, dass ein Freispruch eine Katastrophe wäre, und zwar nicht nur für die Anklägerin, sondern auch für Millionen von Frauen. Die Frage, ob Herr Kachelmann schuldig oder unschuldig ist, ob Beweise für seine Schuld vorliegen oder nicht, hat sie offensichtlich gar nicht interessiert. Ähnlich haben sich Vertreterinnen von Frauenorganisationen wie „Terre des Femmes“ geäußert. Der Freispruch hätte eine fatale Signalwirkung auf Frauen. Sie würden sich in Zukunft nicht trauen, Vergewaltiger anzuzeigen. Entscheidend wäre dann die Auswirkung eines Freispruchs auf die Frauen und nicht die Feststellung der Schuld bzw. Unschuld des Angeklagten. Es wird eine symbolische Verurteilung gefordert, auch wenn die Beweise für die Verurteilung nicht ausreichen. Mit Recht und Gerechtigkeit hat das alles wenig zu tun.

Vielen Dank für das Interview.

Zur Person Dr. Alexander Ulfig:

Dr. Alexander Ulfig (1962) studierte Philosophie, Soziologie und Sprachwissenschaften in Hamburg und Frankfurt am Main. Er arbeitet als Autor und Publizist. Wichtigste Publikationen: „Lexikon der philosophischen Begriffe“, 1993; „Lebenswelt, Reflexion, Sprache“, 1997; „Die Überwindung des Individualismus“, 2003; „Große Denker“, 2006. Er schreibt u.a. für die Internetzeitschrift „Die Freie Welt“ http://FreieWelt.net/ und ist mitverantwortlich für die Internetseite „Qualifikation statt Quote“ http://www.streitbar.eu/qsq.html .

 

Mode/Accessoires androgon: Stiefeletten, Hose, Sakko und Hemd von Strenesse Men: http://www.strenesse.com/Strenesse-Gabriele-Strehle-Men; Bilder: M-Steakhouse, Frankfurt/Main: http://www.the-steakhouse.de/steakhouse/index.html

Weitere kritische Artikel zur Quoten-Problematik:

1) Birgit Kelle, „Eine frustrierte Frauengeneration“:

http://www.freiewelt.net/blog-2817/eine-frustrierte-frauengeneration.html

2) Michael Klonovsky, „Bitte keine Quoten-Frauen!“:

http://www.focus.de/finanzen/karriere/management/gleichberechtigung-bitte-keine-quoten-frauen_aid_523514.html

3) Norbert Bolz, „Das Doppelgeicht der Quote“:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1150530/

4) Jobst-Hubertus Bauer (Interview), „Das Ziel ist, den Menschen als Individuum zu bewerten – nicht als Mann oder Frau“:

http://www.wiwo.de/blogs/management/2011/02/03/das-ziel-ist-den-mensch-als-individuum-zu-bewerten-nicht-als-mann-oder-frau/

5) Cornelia Schmergal/Manfred Engeser, „Frauenquote bedroht Männerkarrieren“:

http://www.wiwo.de/management-erfolg/frauenquote-bedroht-maennerkarrieren-461921/

6) Monika Ebeling, „Gleichstellungsbeauftragte gegen die gesetzliche Frauenquote“:

http://geschlechterdemokratie.wordpress.com/2011/02/27/gleichstellungsbeauftragte-gegen-die-gesetzliche-frauenquote/

7) Daniel P. Pinnow, „Die Frauenquote fördert ´Nieten im Kostümchen`“:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article10870937/Die-Frauenquote-foerdert-Nieten-in-Kostuemchen.html

8: Johannes Graf von Schmettow (Interview), „Frauen ja, Kompromisse nein“:

http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EB2D8F4F2822A4960949514CB78DDAE33~ATpl~Ecommon~Scontent.html

9) Daniel Rettig/Helmut Steuer/Silke Wettach, „Club der Cousinen“:

http://www.wiwo.de/management-erfolg/club-der-cousinen-456098/

10) Ulrich Noack, Geschlechterproporz und Unternehmensverfassung:

http://blog.handelsblatt.com/rechtsboard/2011/02/14/geschlechterproporz-und-unternehmensverfassung/

11) Alexander Ulfig, „Warum wir keine Frauenquote brauchen“:

http://www.pt-magazin.de/newsartikel/datum/2011/05/10/warum-wir-keine-frauenquote-brauchen/

12) Walter Hollstein, „Frauenquote – auf Kosten der Männer“:

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:gleichberechtigung-frauenquote-auf-kosten-der-maenner/60014280.html

13) Jan Lüttringhaus, „Die Schattenseiten der Quote“:

http://www.zeit.de/2011/08/C-Quote

14) Jan-Martin Wiarda, „Das ist auch ungerecht!“:

http://www.zeit.de/2010/46/C-Maenner?page=all

15) Klaus Peter Krause, „Das Quoten-Diktat“:

http://www.freiewelt.net/blog-3218/das-quoten-diktat.html

16) Ralph Bärlingea, „Quoten: Angriff auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“:

http://ef-magazin.de/2011/05/20/2999-quoten-angriff-auf-demokratie-und-rechtsstaatlichkeit

17) Klaus Funken, „25 Jahre Frauenquote sind genug“:

http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/110614_funken_25_Jahre_frauenquote_sind_genug_korrigiert.pdf

Weitere Informationen unter: http://www.freiewelt.net/

Qualifikation statt Quote: http://www.streitbar.eu/qsq.html

Bildquelle: Gerechtigkeit als nackte Frau mit Schwert und Waage Lucas Cranach d. Ä. 1537 Öl auf Holz

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (32 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...