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Salzburger Festspiele

27 Juni 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Salzburger Festspiele 2011 – 27. Juli – 30. August

Die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele schlug am 22. August 1920, als Hugo von Hofmannsthals Moralität Jedermann in der Regie von Max Reinhardt erstmals auf dem Domplatz aufgeführt wurde. Seither etablierten sich die Salzburger Festspiele als das bedeutendste Festival für Oper, Schauspiel und Konzert.

In der vergangenen Saison feierten die Salzburger Festspiele mit einem Jubiläumsprogramm und einer großen Ausstellung das 90-Jahr-Jubiläum. Die Saison 2010 war zugleich die letzte von Jürgen Flimm künstlerisch verantwortete. 2011 leiten Markus Hinterhäuser als Intendant und Helga Rabl-Stadler als Präsidentin mit neuen kaufmännischen Befugnissen die Festspiele.

„Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken“

Für den Humanisten Luigi Nono war dies die eigentliche Aufgabe der Kunst. Ein Blick in die Festspielgeschichte zeigt, dass tatsächlich nirgendwo auf der Welt das Werk dieses philosophierenden Komponisten oder komponierenden Philosophen so atemberaubend schön und umfassend zur Aufführung gebracht wurde wie bei uns in Salzburg. Dieses Aufrütteln der Sinne, dieses Anrühren der Seele verleiht den Festspielen seit den Gründungstagen ihre wahre Kraft.

Roland Schimmelpfennig, dessen Die vier Himmelsrichtungen wir zur Uraufführung bringen werden, sagt: „Gelungene Stücke nehmen ihre Zuschauer mit, sie machen neugierig, sie stören Gewohnheiten, sie überprüfen geschmackliche Übereinkünfte, ästhetische Verabredungen, sie öffnen Ausblicke, es entstehen neue Blickrichtungen. Diese Stücke entwickeln einen Sog, sie sind unberechenbar, manchmal schwer auszuhalten und trotzdem unwiderstehlich.

 

Utopie – Melancholie

Es gibt einen Zusammenhang von Kunst und Utopie, doch dieser braucht Rahmenbedingungen, auf die Luigi Nono im diesjährigen Festspielmotto aufmerksam macht: „Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken“! Auch sollen wir „die Intelligenz“ mobilisieren und aus unserer „Verinnerlichung“ ausbrechen. Das, so Nono, sei „heute das Entscheidende“!

Nonos Prometeo stand am Anfang (1993) der Salzburger Tätigkeit von Markus Hinterhäuser und bildet auch in diesem Jahr einen Fokus. Auf Prometheus als utopische und mythologische Metapher hat sich eine ganze Tradition von Künstlern berufen und in ihm den heldenhaft revoltierenden Freidenker gesehen, der über die Tyrannei der Götter triumphierte. Ein Bogen von Emanzipations-hoffnungen, ob in Goethes Faust, in Karl Marxs und Ernst Blochs Schriften oder bei Luigi Nono. Eine faszinierende Kontinuität bis in die unmittelbare Gegenwart.

Faust auf der Suche nach dem absoluten Wissen, Don Giovanni auf der Suche nach der absoluten Liebe, Figaro und Cosi auf der Suche nach dem unfehlbaren Fehltritt. Der Makropulos-Plot berichtet vom Schrecken zeitlosen Lebens. Alles erscheint unter der Perspektive des Festspielmottos 2011 bedrückend aktuell, erhofft und befürchtet zugleich. Schließlich steckt ja in jeder Utopie ein Hauch von Melancholie: Ersehntes und nicht gelebtes Leben, nachvollziehbar nur in den „Wahrheiten“ der Kunst.

(vz)

 

Weitere Informationen unter: http://www.salzburgerfestspiele.at/

Quelle: Salzburger Festspiele

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