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Marquis de Sade

18 Juni 2019 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Marquis de Sade

Im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts beauftragte Donatien-Alphonse-François Marquis de Sade einen Künstler, seine gesammelten Schriften zu illustrieren. Diese 1797 publizierte Ausgabe enthielt 101 Kupferstiche mit Sex-Szenen, meist sadomasochistischer Ausrichtung. Für solche „Cochonnerien“ (Schweinereien) kam man damals auf direktem Weg in den Kerker, weshalb die meisten Künstler des erotischen Genres anonym blieben, was heute oft das Zuweisen der Urheberschaft erschwert.

Der 1740 in Paris geborene Marquis de Sade, ein Verwandter des französischen Königshauses, gilt heute als die personifizierte Perversion. Er wuchs bei einem Onkel auf und wurde zunächst Offizier beim Karabinier-Regiment. Nachdem er am Siebenjährigen Krieg teilgenommen hatte, veränderte sich seine Lebensführung jedoch radikal, und der Marquis verschwendete zügig sein ganzes Vermögen in Spielsalons und mit Mätressen. Daraufhin vermählten ihn seine Eltern mit einer wohlhabenden Frau, was ihn aber nicht von diversen Nebenbeziehungen abhielt.

De Sade verkehrte mit Prostituierten und soll auch seine Diener und Hausmädchen nicht nur regel­mäßig zu sexuellen Handlungen, sondern – damals noch schwerwiegender – auch zu „gotteslästerlichen“ Akten genötigt haben. Aufgrund dieses offiziell als „liederlich“ bezeichneten Lebenswandels wurde er 1765 das erste Mal eingekerkert. Ungeläutert feierte er danach weiter Orgien, zu denen er Personen nicht immer einlud, sondern manchmal auch unter Ausnutzung seiner gesellschaftlichen Stellung zwang. 1768 wurde er wegen schwerer Misshandlung und Auspeitschens einer Dame angezeigt. Eine Anklage konnte er jedoch durch Zahlung einer Entschädigung abwehren.

Als nächstes erhoben zwei Prostituierte den Vorwurf, von de Sade mit einem Aphrodisiakum für Gruppensex und Analverkehr gefügig gemacht worden zu sein. Dieses Mal musste der Marquis fliehen, er enteilte nach Italien und nahm kurzerhand seine junge Schwägerin mit. In Abwesenheit wurde er zum Tode verurteilt. 1777 kehrte er nach Paris zurück und wurde verhaftet. Das Todesurteil wurde in lebenslange Kerkerhaft umgewandelt. Während der Haft schrieb er den Großteil seiner Stücke. Um deren moralische wie religiöse Anstößigkeit wissend, versuchte er, nicht durch hohen Papierverbrauch aufzufallen und verfasste alles in Miniaturschrift. 1789 wurde die Bastille gestürmt und de Sade kam frei, aber viele seiner Aufzeichnungen wurden in den revolutionären Wirren zerstört.

Als Adeliger wollte sich de Sade den gesellschaftlichen Veränderungen nicht anpassen, er kam wieder in Haft und wurde zum zweiten Male zum Tode verurteilt. In Folge des Sturzes Robespierres 1794 entging er jedoch der Guillotine und kam endgültig aus dem Gefängnis frei, nur um einige Zeit später wegen seiner Schulden und eines Rechtsstreits in die Irrenanstalt eingewiesen zu werden – Diagnose: „Wahnhaft vom Laster besessen“. Wenigstens sein Tod 1814 war nach den Maßstäben seiner Zeit „natürlich“.

Bilderauszug:

 

Die Schriften des Marquis de Sade haben seither viel erlebt, sie wurden verboten, verbrannt, verbannt, zensiert und von namhaften Psychologen und Schriftstellern interpretiert. Dies überrascht nicht, denn sie sind komplex, enthalten anstößige Szenen zwischen allen Geschlechtern wie auch Erniedrigungen, Sodomie, Inzest und Mord, gesäumt von moralphilosophischen Erörterungen, Kirchenfeindlichkeit und Rechtfertigungen (s)eines radikalen Egoismus. In Zeiten von YouPorn allerdings liegen die Schweinereien de Sades weit unter der Erregungsschwelle, die ihr Image vermuten ließe.

 

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Quelle und Bildquelle: http://www.goliathbooks.com
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