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Dem Tod mutig ins Auge schauen

3 Juli 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Ernest Hemingway – Zum 50.Todestag

Ernest Hemingway, der erfolgreichste amerikanische Schriftsteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat wie kein anderer Autor den selbst gelebten Männlichkeitskult zum Thema seines Schaffens gemacht. So sind die Helden seiner Werke zumeist Kämpfernaturen wie Jäger, Matadoren und Kriegsteilnehmer, die seinem Motto entsprechend: “Ein Mann kann besiegt werden, aber nicht vernichtet“ dem Tod mutig ins Auge schauen. Damit wurde er, der selbst als Jäger, Fischer, Boxer sowie als standfester Trinker galt, zur männlichen Identifikationsfigur seiner Zeit und der nachfolgenden Generation schlechthin.

Hemingway wurde in Oak Park, Illinois als Sohn eines Landarztes schon früh von seinem Vater für die Jagd und den Fischfang begeistert. Nach der Ausbildung als Journalist arbeitete er als junger Reporter beim „Kansas City Star“ und meldete sich mit 19 Jahren als Freiwilliger im ersten Weltkrieg an die Front in Oberitalien, wo er als Fahrer eines Sanitätswagens bei Fossalta schwer verwundet wurde. Von seinen Kriegserfahrungen, die von Verletzbarkeit und Tod gekennzeichnet waren, ist u.a. sein Roman „In einem anderen Land“ geprägt.

Nach seiner Genesung lebte er als Reporter in Toronto und Chicago ab 1921 als Korrespondent in Europa und vor allem in Paris, wo er in der Künstler-Boheme von Gertrude Stein mit weltbekannten Autoren, wie Esra Pound, Dos Passos, Fitzgerald u.a. zusammentraf, die ihn zum literarischen Schreiben ermunterten. Mit dem Erzählband „In unserer Zeit“ (1925) wird er schnell zum zentralen Vertreter der von Stein kreierten „Lost Generation“, die das sinnentleerte Lebensgefühl ihrer Kriegsgeneration thematisierte. Auch in dem nachfolgenden Roman-Erstling „Fiesta“ (1926) verarbeitet er noch im Vorspann dieses Motto und verknüpft es mit Schilderungen von Stierkämpfen im spanischen Pamplona, an denen er selbst beteiligt war.

In dem nachfolgenden Roman „In einem anderen Land“ (1929), der ihn zu internationalem Erfolg führte und ihn endgültig als Autor von Weltrang etablierte, verarbeitet er seine eigenen Kriegserfahrungen in Italien und entlarvt das falsche Pathos von nationaler Begeisterung für den Krieg. Von 1936–1939 nahm Hemingway als Kriegsberichterstatter unmittelbar am spanischen Bürgerkrieg teil. Seine dortigen Erlebnisse und Frontberichte sind in dem Roman „Wem die Stunde schlägt“ (1940) wiedergegeben. Dieser wurde zu einem seiner größten Publikumserfolge und von der Kritik bis dahin am höchsten gewürdigt. Ein Amerikaner, der freiwillig auf Seiten der Republikaner kämpft, soll als Partisan eine Brücke sprengen und erlebt während dreier Tage vor seinem Tode in der Gemeinschaft mit der Partisanengruppe und in der Liebe zu einem jungen, von faschistischen Soldaten malträtierten Mädchen den Höhepunkt männlichen Daseins, das Inferno von Kampf, Liebe und Tod.

Von 1939 an lebte Hemingway über 20 Jahre lang mit kurzen Unterbrechungen auf Kuba, wo er sich auf eine Farm zurückzog. Mit der Novelle „Der alte Mann und das Meer“ (1952) gelang ihm nochmals ein kurzzeitiges literarisches Comeback. Für die bewegende Geschichte vom Kampf eines alten Kubaners mit einem Riesenfisch erhielt er 1953 den Pulitzer Preis und ein Jahr später den Nobelpreis für Literatur. 1960 verlässt Hemingway Kuba, im selben Jahr erscheint mit dem Gedichtband „Gesammelte Gedichte“ sein letztes zu Lebzeiten herausgegebenes Buch. Von Krankheit und Alkoholsucht gezeichnet, erschoss er sich mit 61 Jahren in seinem Ferienhaus in Idaho am 2. Juli 1961.

Würdigung seines Werkes

Hemingway prägte einen klaren, nüchternen Stil ohne jedes Pathos. Durch diese lakonische, schnörkellose Schreibweise erneuerte er vor allem die Gattung der Kurzgeschichte. Sein Werk war geprägt von einem männlichen Tapferkeitsideal, das sich in der Grenzsituation des Todes zu bewähren hatte. Sein Einfluss gerade auf die Deutsche Literatur, vor allem die Nachkriegsgeneration war groß; so versuchten z.B. Heinrich Böll, Siegfried Lenz u.a. sein Frühwerk zu kopieren, um ihren Neuanfang damit zu konzipieren. So bekannte Siegfried Lenz noch kürzlich: „Wir alle wollten wie Hemingway schreiben“. Aber auch jüngere Literaten stellen auch jetzt noch anerkennend fest, wie etwa der Preisträger der Leipziger Buchmesse Clemens Meyer (2008): „Regelrecht beeinflusst hat mich Ernest Hemingway mit seinen Kurzgeschichten und Prosastücken, wie sie stilistisch und filigraner nicht sein können.“

Neben seiner hohen Auszeichnung von literarischer Seite durch den Nobelpreis wurden die meisten seiner Werke auch erfolgreich verfilmt; hervorzuheben: „Wem die Stunde schlägt“ mit Ingrid Bergman und Gary Cooper (1943).

2012 wird ein neuer amerikanischer Film über Hemingway in die Kinos kommen. Anthony Hopkins soll in “Hemingway & Fuentes” die Rolle des Schriftstellers mimen. – Writer Ernest Hemingway befriends boat captain, Gregorio Fuentes, who inspires him to pen the famous tale „The Old Man and the Sea.“ –

(wz)

Quelle: Der große Kulturführer, Zeit

 

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