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Ein starker Geist in einem starken Körper

3 Juli 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
„Die verlorene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung“

Vor genau 200 Jahren eröffnete Friedrich Ludwig Jahn seinen ersten Turnplatz in der Hasenheide vor den Toren Berlins. Der damals noch junge Pädagoge war ein Visionär sondergleichen. Er war seiner Zeit voraus und damals schon weiter als viele heute.
Die Philosophie der körperlichen Ertüchtigung
Befasst man sich mit seinen Schriften wird einem klar, dass Turnvater Jahn alles andere wollte, als einfach nur den Körper zu trainieren. Das Turnen war deutlich mehr. Es war eine pragmatische Philosophie: Er strebte nach einem starken Geist in einem starken Körper.
Er sah bereits damals die Unausgeglichenheit der Entwicklung unserer Gesellschaft, die sich des Leiblichen zu entledigen versucht, wo es nur geht. Einer Gesellschaft, in der die Entwicklung des eigenen Körpers gering geschätzt wird. Eines Körpers, dessen Aussehen versteckt und dessen Schwäche kompensiert wird, wo es nur geht.
Die körperlose Gesellschaft
Eine bereits Jahrhunderte währende Entwicklung, die den Geist bevorzugt, ist bis heute im Gange. Die Konsequenzen eines schwächlichen und unterentwickelten Körpers sind gemeinhin bekannt und offensichtlich. Sowohl ästhetisch als auch gesundheitlich und leistungstechnisch lässt er zu wünschen übrig – ebenso wie auch der aus ihm entspringende Geist davon negativ beeinflusst wird.
In einem schwächlichen Körper wohnt kein starker Geist. Vielmehr entstehen beide erst, wenn sie ausreichend gefordert werden. Es gibt kein anderes Mittel für die Entwicklung unseres Körpers als die fordernde Tätigkeit Körperliche Ertüchtigung ist notwendig, um „die verlorene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wieder herzustellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuzuordnen.“ So schreibt es der Turnvater Jahn.
In der ganzen Lebensgeschichte eines Menschen ist es sein heiligster Augenblick, an dem er aus seiner Ohnmacht erwacht und den tieferen Sinn ausgeglichener Entwicklung erblickt. Körperkultur ist mehr als nur Muskelspielerei in den Tempeln verspiegelter Komplexbeladenheit. Es ist mehr als Narzissmus oder eine Freizeitbeschäftigung. Viel mehr… Dies gilt es zu erkennen: Körperkultur ist der einzige Weg, um zu einem ausgeglichenen Menschen zu werden. Die beste Möglichkeit, um die eigene Entwicklung voranzutreiben, das eigene Wesen zur Reife zu bringen und das eigene Potenzial zu verwirklichen.
Außerdem hat das Training noch einen weiteren angenehmen Vorteil, den bereits Turnvater Jahn hervorhob: „Männlichkeit zieht die Weiber an!“
Weitere Gedanken aus seiner Feder…
„Frisch, fromm, fröhlich, frei – ist des Turners Reichtum“
„Frisch nach dem Rechten und Erreichbaren streben, das Gute thun, das Bessere bedenken und das Beste wählen.
Fromm die Pflichten erfüllen, leutseelig und volklich, und zuletzt die letzte, den Heimgang. Dafür werden sie gesegnet sein, mit Gesundheit des Leibes und der Seele, mit Zufriedenheit so alle Reichthümer aufwiegt, mit erquickenden Schlummer nach des Tages Last und bei des Lebens Müde durch sanftes Entschlafen.
Fröhlich die Gaben des Lebens genießen, nicht in Trauer vergehn über das Unvermeidliche, nicht in Schmerz erstarren, wenn die Schuldigkeit gethan ist, und den höchsten Muth fassen, sich über das Mißlingen der besten Sache zu erheben.
Frei sich halten von der Leidenschaft Drang, von des Vorurtheils Druck, und des Daseins Ängsten.“
Gibt es da noch etwas hinzuzufügen?
„Ist dem Staat an Männern gelegen, so muss er die Jugend nicht verwahrlosen lassen.“
Sowohl pädagogisch als auch soziologisch gesehen ein wahres Wort. Unsere Jugend besitzt eine große Freiheit und das ist auch gut so. Leider mangelt es ihnen an Vorbildern und so wissen sie oftmals nicht, wo hin mit ihrer Zeit und welches Potenzial in ihnen schlummert. Es ist Aufgabe unserer Gesellschaft, hier andere Inhalte zu platzieren als drittklassiges Fernsehen, Fast Food und Computerspiele.
So droht unsere Jugend zu verkümmern. Sie verweichlicht an den mangelnden Anforderungen unserer auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft. Fettleibigkeit, Schwäche und selbst Wohlstands-Diabetes werden immer mehr zur Norm in den Kindergärten und Schulen. Ebenso wie auch viele Pädagogen zwar studiert sein mögen, aber ebenso wenig vorbildhaft sind. Und auch die Bundeswehr zieht in Einklang mit; wurde früher noch regelmäßig marschiert 30, 25 oder 20km, hat man die Strecken für die Leistungsabzeichen auf 6 und 12km herunter gesetzt. Mehr ist dem Deutschen wohl schon lange nicht mehr abzuverlangen. Und bald wird auch der deutsche Polizist einen Schwächeanfall bekommen, wenn er den Fahrstuhlknopf drücken muss.
Menschen kann man erzählen, was man will. Sie hören einem nicht zu. Sie sehen nur, wer da vor ihnen steht und große Reden schwingt und wenn er nicht genau das darstellt, was er auch predigt bzw. was auch wirklich beachtenswert ist, dann verlieren seine Worte jegliche Kraft. So ist es auch mit unserer Jugend. Sobald Sie einen Blick in die Flimmerkiste oder die Zeitung wirft, erblickt sie Heuchelei, Lug, Trug und Korruption. In der Schule mangelt es ebenso an Autoritäten. Wem sollen sie noch vertrauen? Zu wem können sie aufsehen?
Also sprüht es an jede Wand: „Neue Männer braucht das Land.“ Die derzeitigen Berühmtheiten sind jedoch weit davon entfernt, diesem Ideal wirklich zu entsprechen. Unser Land brachte Größen wie Goethe, Nietzsche, Beethoven, Humboldt oder Max Schmeling hervor. Nun sind es Bohlens und Gottschalks. Sind wir auf dem richtigen Weg?
„Ein kernfester Leib ist notwendig zum Ringen mit dem kernfaulen Zeitalter.“
Wie recht er auch damit hat. Wer in unserer Zeit nicht seine Moral, seine Würde und seinen Anstand verlieren möchte, der muss in sich selbst ruhen, der muss stark sein und nicht wie eine Fahne im Wind nach der vorherrschenden Meinung flattern. Er muss Rückgrat beweisen, Vorbild sein, seinen eigenen Weg gehen. Er muss einen starken Geist mit einem starken Körper vereinen.
„Man trägt ein göttliches Gefühl in seiner Brust, wenn man erst weiß, daß man etwas kann, wenn man nur will.“ Amen
(cz)
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