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Schlagseite MannFrau

7 Juli 2011 Ein Kommentar PDF Drucken Drucken

Schlagseite – MannFrau kontrovers

Die letzten 30 Jahre haben die Welt von Mann und Frau grundlegend verändert. Nach Erreichen der formalen Gleichberechtigung von Mann und Frau entwickelte sich der Feminismus zu einer Staatsideologie. Es kamen Forderungen auf nach Auflösung der klassischen Rollenidentität von Mann und Frau in Gesellschaft und Familie.

Einseitige Frauenförderung ging einher mit einer Männerabwertung. So geriet die Geschlechterdebatte allmählich – gepaart mit einer fortschreitenden Polarisierung – in eine Schlagseite. Die Folgen dieses ideologischen Feminismus blieben bisher in weiten Bereichen ein Tabu-Thema in der Öffentlichkeit. Die Autoren dieses Buches wollen dieses Tabu aufbrechen. Sie zeigen die gesellschaftlichen, psychosozialen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen auf und geben beispielhaft Lösungsansätze.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Feminisierung in der Sprache und an Schulen, sowie der diskriminierenden „Gleich-Stellung“ von Frauen an Hochschulen und im Kulturbetrieb. Am Ende kommt Hoffnung auf: die Zeit nach dem ideologischen Feminismus ist in ihren Konturen zu erkennen.

Das Buch enthält Beiträge von Gerhard Amendt, Adorján F. Kovács, Astrid von Friesen, Dieter Katterle, Günter Buchholz, Bernhard Lassahn, Christian Hausen, Birgit Kelle, Peter Tholey, Alexander Ulfig, Gerd Riedmeier, Peter Döge, Monika Ebeling und Arne Hoffmann.

Das Buch will provozieren. Ein neues MITeinander zwischen Mann und Frau ist längst überfällig.

Eckhard Kuhla (Hrsg.)

Verlag Klotz GmbH und Sich -Verlag, Band 3 der Reihe

MannFrau im Dialog

 

Einführung

Eckhard Kuhla

Die Wurzeln

Heute präsentiert sich, so Arne Hoffmann, die Frauenbewegung als „gigantische Erfolgsstory“ im Gegensatz zur Männerbewegung, die in der Öffentlichkeit kaum ein Thema war und ist. Die Frauenbewegung und der spätere Feminismus zielte immer auf die Besserstellung des eigenen Geschlechts ab, begleitet von der Herabsetzung des Männlichen (Misandrie). Der Kampf für die eigenen Rechte wurde sogar unterstützt mit Aufrufen zur Gewalt gegen Männer, und Eindringen in die Privatsphäre nach dem Motto „Das Private ist politisch!“.

Ein solches Erscheinungsbild ist von der Männerbewegung nicht bekannt. So ordnet Hoffmann sie mehr dem staatskritischen Liberalismus zu und den Feminismus mehr dem Sozialismus.

Die Folgen

Die Folgen des Feminismus für unsere Gesellschaft gehören zu den großen Tabuthemen unserer Gesellschaft:

– Zu den gesellschaftlichen Folgen äußert sich Gerhard Amendt: Ihm geht es um die Auswirkungen des organisierten Feminismus und dessen Gang durch die Institutionen. Dieser sei „weitgehend der Wahrnehmung durch die Allgemeinheit entzogen“.

Das Patriarchat war und ist der „Kampfbegriff des Feminismus“. Männlichkeit wird als der Inbegriff des Bösen benannt. Die Abwertung des Männlichen in Schulen, Lehrbüchern und Universitäten wird von Jungens nachweisbar als Missachtung empfunden.

Den „kollektiven Zustand des „Opferseins“ erreichten die Feministinnen über die Ikone der allein erziehenden Mutter nach dem Motto: „Alleinerziehung als Selbstbefreiung“. Dieser Ikone ist so ziemlich alles erlaubt, insbesondere, was die Entfremdung der Kinder – meistenteils vom Vater – betrifft. Diese Entfremdung durch ein Elternteil ist für Amendt ein „Verhalten mit Missbrauchscharakter“. Im Bereich von Partnerschaft und Familie habe der „Feminismus weitreichende politische Verwüstungen hinterlassen“. Amendt resümiert: „Ideologie tritt zunehmend an die Stelle von Realitätsverständnis…… Dem Feminismus steht das Platzen der Blase unmittelbar ins Haus“

– Zu den psychosozialen Folgen des Feminismus nimmt Dieter Katterle in einem Interview mit Astrid von Friesen Stellung: Katterle befasst sich insbesondere mit den Folgen für Scheidungskinder. Jedes Scheidungskind trägt erhebliche Hypotheken zeitlebens mit sich. So seien z. B. 9 von 10 jugendlichen Straftätern sind vaterlos aufgewachsen. Wie Amendt sieht Katterle schwerwiegende Folgen besonders für die Jungen, sie „brechen uns weg“. Sie erfahren, „Kinder auf Vorbehalt“ zu sein „Die Not und der Schaden entstehen aus einer emotional geladene Weltanschauung und einer Bevorzugung des …..weiblichen Geschlechts,…die hineinrecht in die rechtswillkürlichen und fehlerhaften Entscheidungs- und Beurteilungsprozessen“. Das Krankheitsbild bei Scheidungskindern geht über von einer “frühen Störung“ in „zunehmend erwachsen geprägte…. Persönlichkeitsstörungen,…. meistenteils ausgeprägt als Identitätsstörungen.“ Und:“ …der Löwenanteil der im Trennungskrieg geschädigten Kinder ist von der weiblichen Seite aus zu verantworten.“ Aber auch die ausgegrenzten Eltern leiden, ihre Arbeitsfähigkeit geht zurück.

Von Friesen fügt hinzu: Frauen verlören die Freude an ihrer Weiblichkeit, denn sie finden keinen adäquaten Partner und Männer verlören die Freude an ihrer Männlichkeit.

– Zu den volkswirtschaftlichen Folgen der Ehescheidungen: Peter Tholey wundert sich über die mangelhafte Datenlage der Armutssituation von Trennungsvätern. Die Ursache läge in der Unterhaltsberechnung durch die Familiengerichte: Trennungsväter werden, so Tholey, „künstlich reich gerechnet“, mit der Folge erhöhter Unterhaltszahlungen. Wenig bekannt ist außerdem, dass für die Statistik ihre Unterhaltszahlungen den eigenen Konsumausgaben zugeordnet werden. Mit einer derartigen Zuordnung fallen Trennungsväter statistisch gesehen nicht unter die Armutsgrenze. Realiter treiben aber die Unterhaltszahlungen Trennungsväter in die Armut. Das Verhältnis zu ihren Kindern leidet immens darunter – abgesehen davon, dass in den meisten Fällen der Umgang zum Trennungsvater erschwert, wenn nicht unterbunden wird.

Ein weiteres weithin unbekanntes Phänomen ist der Wechsel der Trennungsväter vom Leistungsträger zum Leistungsempfänger. (In den USA trifft das bereits für ca. 30% der ehemaligen Leistungsträger zu). Tholey schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden durch die zusätzlichen Leistungsempfänger im zweistelligen Milliardenbereich pro Jahr.

Gerd Riedmeier erweitert die Betrachtung auf die alleinerziehenden Mütter. Sein Ansatzpunkt ist die öffentliche Wahrnehmung: Alleinerziehende Mütter genießen hohe mediale Aufmerksamkeit, die Nöte betreuender Väter werden hingegen gesellschaftlich tabuisiert. Dabei sind etwa 42% der Alleinerziehenden auf staatliche Zuschüsse angewiesen und die Defizite in der psychischen Reifung durch Alleinerziehung der betroffenen Kinder werden kaum in Betracht gezogen. Riedmeier sieht Änderungspotentiale besonders in einer Neudefinition der Aufgaben von Jugendämtern.

– Zu den Folgen für unsere Wahrnehmung von Kultur: Adorjan Kovacz beschreibt die „Gender-Offensive“ an den Hochschulen. Wenig beachtet von der Öffentlichkeit begann die Offensive mit Einrichtung von Gleichstellungsbeauftragten und 2007 die Verabschiedung des Programms der Bund-Länder-Kommission, insgesamt 200 neue, unbefristete Stellen für Professorinnen. Das hatte Folgen für den Wissenschaftsbetrieb.

Kovacs zeigt die Folgen anhand von Beispielen auf: Im 100. Geburtsjahr von Tolstoi hebt eine feministische Biografie die Leistung seiner Ehefrau über die des russischen Dichters. „Es ist wie eine späte Rache der Genderforscherinnen an der übermächtigen Schöpferkraft dieses Mannes“, so Kovacs. – Ein weiteres Beispiel: Eine Ausstellung „Impressionistinnen“ 2008 in Frankfurt zeigt, so der Veranstalter, dass die „Impressionistinnen oft besser waren, als ihre männlichen Kollegen“. Für Kovacs hat das alles eine banale Erklärung: Die vielen, neu eingerichteten Genderlehrstühle müssten so ihre Berechtigung nachweisen. Für die Wissenschaft sei das eine systematische Verfälschung, „man kann auch Betrug dazu sagen.“

– Zu den Folgen für unseren täglichen Sprachgebrauch: „Früher wurden die „Geschlechter noch als komplementäre Entsprechung aufeinander bezogen“, meint Bernhard Lassahn. ihm fällt auf, dass sich die „Geschlechterapartheid“ mehr und mehr durchgesetzt hat. Am deutlichsten in der Sprache. Er nennt Beispiele: Die Floskel „Wählerinnen und Wähler“ würde ein nicht vorhandenes Getrenntsein betonen. Aber nicht immer: Am Wahlabend hören wir nur den Prozentsatz der „Nichtwähler“ und nicht den der „Nichtwähler und Nichtwählerinnen“. Es würde sich sowieso nicht um ein Problem zwischen Männern und Frauen im Allgemeinen handeln, denn in anderen Sprachräumen gibt es Männer und Frauen, und die haben dieses Problem nicht. Im Übrigen sei der Passivmodus verdächtig beliebt. “Die Schuld einer Täterschaft verteilt sich auf so viele Schultern wie die Verantwortung im Sozialismus.“ Würde man einen Täter benennen können, so Lassahn, „könnte man das Problem sofort lösen“.

– Zu den gesetzlichen Folgen äußert sich Christian Hausen: Die Grundaussage der Genderideologie, dass das Geschlecht ein kulturelles Produkt sei, verstößt gegen den

Artikel 1 des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar“). Sie steht außerdem im Widerspruch zum jüdisch-christlichen Menschenbild. Mehrere Gesetzesverletzungen betreffen den Artikel 3 („Mann und Frau sind gleichberechtigt“). Zum Beispiel das Bundesgleichstellungsgesetz, dass das aktive und passive Wahlrecht für Männer in den Bundesdienststellen untersagt. Diese erlaubte „positive Diskriminierung“ findet sich wieder in der Bevorzugung von Frauen bei Personalentscheidungen. – Alle Bestrebungen, die klassische Familie aufzulösen widersprechen Artikel 6, der die Familie unter den besonderen Schutz des Staates stellt.

Die Gleich – Stellung

„ Wir wollen eine Frau haben“, dieser Satz habe sich bei Bewerbungsverfahren an den Hochschulen fest etabliert, so Alexander Ulfig. Er basiert auf der Regelung, „bei gleicher Qualifikation muss der Frau Vorrang gegeben werden“. Ulfig hat die Erfahrung gemacht, dass die Quotierung zur strukturellen Benachteiligung von Männern führen würde. Das Problem liegt in der Bewertung der „Qualifikation“. Er schlägt eine Qualifikationsforschung vor, die er mit entsprechenden Forderungen untermauert.

Ebenso kritisiert Günter Buchholz die derzeitigen Bewerbungsverfahren an den Hochschulen. Sie gingen von einem Nachfrageüberhang bei Frauen aus, demzufolge Qualifizierungsverfahren vonnöten seien. Die Realität sieht aber anders aus: trotz intensiver „Suchprogramme“ würden nicht genügend qualifizierte Frauen gefunden. Die Folge: die Stellen werden überwiegend, nach einer starken Verzögerung, mit zweitrangigen Frauen besetzt. Eine weitere unvermeidbare Folge: befähigte junge Männer und Frauen ziehen andere, leichter erreichbare Positionen in der Wirtschaft vor. Buchholz schlägt stattdessen eine angebotsorientierte Frauenpolitik vor. Diese müsse sich mehr an den Bedürfnissen von jungen Familien orientieren.

Monika Ebeling reflektiert ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte im Hinblick auf die Einbeziehung von Männern und Jungen. Kritisch hinterfragt sie die Genderpolitik der letzten Jahre, die das Männliche abwertet. Sie schildert die Folgen einer solchen Politik auf die Jungen. Sie müssen erfahren, dass das Weibliche besser sei als das Männliche. Das heißt für die „moderne“ Jungenpädagogik: „Das Selbstbewusstsein der Jungen gilt es zu domestizieren“. Dass domestizierte Männer für Frauen keine attraktiven Partner sein können, wird häufig dabei übersehen. Ebelings Stimmungsbild der Szene der

Gleichstellungsbeauftragten zeigt: „Man findet keine Kristallisationspunkte mehr, auf die sich viele Frauen einigen könnten“ Der Generationswechsel ist voll im Gang.

Gender Mainstreaming ist ein negativ besetzter Begriff in der Geschlechterdebatte. Peter Döge führt das auf die „gleichheitsfeministische Engführung….des Gender – Begriffs“ zurück. Er erweitert den Begriff auf die Wertung der unterschiedlichen Tätigkeiten, Kompetenzen und der unterschiedlichen Lebensmuster von Frauen und Männern. Mit dieser Betrachtungsweise konnte er in Regierungsprojekten nachweisen, dass die „de iure – Gleichberechtigung keineswegs verhindert, dass Frauen und Männer de facto im Zugang zu Ressourcen benachteiligt werden“. Peter Döge sieht in dem Werkzeug des Gender Mainstreaming die Möglichkeit, vielfältige Beteiligungsmuster zu thematisieren.

Die Perspektiven

Der Beitrag „The Misandry Bubble“ aus „The Futurist“ fasst seinen Ausblick zusammen: „Überall in der westlichen Welt werden Männer unterbewertet und Frauen überbewertet, es herrscht eine allgemeine Misandrie. Das führt zu einer Entwicklung, unter der speziell Frauen zunehmend leiden werden, und es lässt sich zwingend voraussagen, dass es später spätestens bis zum Jahre 2020 zu einem Platzen der Blase kommen wird.“ Es sei offensichtlich geworden, dass die Frauen, denen man ein Maximum an Privilegien zugestanden hatte, ihrer Gesellschaft nichts zurückgeben und dass sie auch zu ihrem Fortbestand wenig beitragen.

Für die jungen Frauen resümiert Birgit Kelle: „Wir sind heute an einem Punkt angelangt, an dem Frauen ihre Rechte einfach leben“. Und: „Wir wollen keine Quote, seht her, wir schaffen es auch so!“. Für dieses Selbstbewusstsein biete der Feminismus heute keinen „positiven Grundkonsens“ mehr. Vor allem, weil die Alt-Feministinnen nicht begriffen haben, dass „wir Frauen heute gerne mit Männern leben“. Kelle regt es auf, dass der alte Feminismus vorgibt, für „die Frauen“ zu sprechen. Er habe es geschafft, einer ganzen Generation Frauen einzureden, welches das richtige Leben zu sein hat. Genau genommen sieht die Masse der Frauen tatenlos zu, wie sich die „Diktatur des Patriarchats gerade in eine Diktatur des Gender Mainstreams umwandelt“. Sie erlebe kaum Widerstand von Männern auf ihrem Lebensweg als Mutter, aber massiven von Frauen.

Berufspräferenzen ausbilden“ (Amendt). Bezüglich der psychosozialen Folgen meint Katterele: „Wir brauchen versorgungspolitisches Handeln…… Runde Tische reichen da nicht“. Ulfig schlägt das „Prinzip der besseren individuellen Qualifikation“ für die Berufungsverfahren vor. Schließlich stellt Amendt – quasi als Leitidee – fest, dass dem „feindselig gefärbten Gegeneinander des Feminismus der Prozess der gemeinsamen Konfliktlösung, eben ein MITeinander, entgegengesetzt werden muss.“

Inhalt

I Analysen

Gerhard Amendt: Über die gesellschaftlichen Auswir-kungen des Feminismus

Peter Tholey: Wenn’s um Geld geht; Der Schaden für die Wirtschaft, das Rechtssystem, Kinder und Väter

Adorján F. Kovács: Neu gelesen, neu gesehen, neu gehört; Wie sich die Wahrnehmung der Kultur verändert

Astrid von Friesen: Im Gespräch mit Dieter Kattele „Geschlechterideologie und Kinderelend“

Günter Buchholz: Personalpolitik an Hochschulen,  Eine Kritik der nachfrageorientierten Frauenpolitik

Bernhard Lassahn: Wir lügen ohne es zu merken

Christian Hausen: Ein auf Unredlichkeit fußendes Gedan-kengebäude

Birgit Kelle: Der alte Feminismus hat uns nichts mehr zu sagen

II Perspektiven

Alexander Ulfig: Frauenquote in der Wissenschaft – Über eine diskriminierende Maßnahme und ihre Überwindung

Gerd Riedmeier: Wie kommt die Ein-Eltern-Familie aus der Sackgasse?

Peter Döge: Wer die Macht hat, muss nicht lernen; Bericht aus den Höhen und Tiefen lang-jähriger Gender-Beratung

Der „Futurist“ wird vorgestellt; Die Männerfeindlichkeits-Blase

Monika Ebeling: Gleichstellungsarbeit,  Ein Stimmungsbild heute

Arne Hoffmann: Männer- und Frauenbewegung – Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Perspektiven

(rz)

Quelle: Verlag Klotz GmbH und Sich -Verlag

Bildquelle: Caspar David Friedrich, Mann und Frau den Mond betrachtend um 1830-1835

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