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Krise des Vertrauens

24 Juli 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Krise des Vertrauens

Wie bereits zuvor in der Manöverkritik des Philosophen Habermas zur politischen Lage der Nation  vom 17.4.2011 auf diesem Portal dargestellt, hat sich die Krise des Vertrauens von Seiten unserer Bürger in die nationalen politischen Eliten noch weiter verschlechtert. Dies, obwohl sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland mittlerweile nach Ausbruch der Wirtschaftskrise deutlich gebessert hat; für die Unternehmen, wie auch für die Bürger. Dennoch herrscht nach Meinung des Mitglieds der Chefredaktion des Stern Hans-Ulrich Jörges eine permanente Krisenstimmung vor; insbesondere ist mit dem Stichwort „Wutbürger“ die entsprechende Reaktion gegen Politik und Medien sehr treffend charakterisiert.

Die Glaubwürdigkeit der Parteien erscheint erschüttert und es herrscht zunehmend eine allgemeine Sprachlosigkeit vor. So werden z. B. Ursache und Folgen der Euro-Rettung von den maßgeblichen Politikern dem Bürger vorenthalten bzw. nicht ausreichend erklärt. Daraus resultierend ergibt sich nach einer kürzlich durchgeführten Umfrage zum Vertrauens der Bürger in maßgebliche Organisationen des Staates folgendes Bild:

46 % vertrauen uneingeschränkt den Gewerkschaften, den Banken nur 26 %, den Sparkassen dagegen 49 % , den Parteien 18 %, der Presse 45%, der katholischen Kirche 21 %. Demgegenüber genießen Polizei, Professoren und Ärzte einen Bonus von 75 – 80 % und auch der jeweilige Arbeitgeber kommt mit 75 % erstaunlich gut davon – offenbar jedoch nur gegenüber mittelständischen und Familienbetrieben nicht aber zu Managern.

 

Allgemein herrscht die Meinung vor, dass die Parteien nur noch von oben gelenkt werden und es wenig Möglichkeiten gibt für das einzelne Parteimitglied, seine Vorstellungen in die Diskussion einzubringen. Regierungsentscheidungen werden in informellen Zirkeln getroffen und nicht im Kabinett; die Parlamente sind nur noch dazu da, das abzusegnen, was die Regierung beschließt. Veränderungen werden als Zumutung angesehen; Hartz IV als Bedrohung mit sozialem Abstieg betrachtet. Während früher Veränderungen mit großem Engagement mit Demonstrationen von jungen Leuten und Studenten erstritten wurden, zeigt sich heute eher der Einsatz von älteren Bürgern, die gegen Neuerungen auf die Straße gehen. (s. Projekt Stuttgart 21).

Stern Redakteur Jörges macht nachfolgend einige Vorschläge, mit denen er aus dieser Vertrauenskrise herauszuführen gedenkt und folgendes postuliert:

  • Das Gefühl wirtschaftlicher Sicherheit muss mit Nachdruck vermittelt werden.
  • Die „Zivilgesellschaft“ muss wachsen und gleichzeitig das Engagement des einzelnen Bürgers sich verstärken.
  • Die direkte Beteiligung an der Politik muss gefördert werden; die Parteien sollten von unten her sich neu konstituieren und das Mitspracherecht der einzelnen Parteimitglieder gefördert werden.

Selbst Altkanzler Kohl, der sein wichtigstes Projekt „Europäische Einigung“ mittlerweile gefährdet sieht, schaltet sich jetzt noch einmal in die Diskussion um eine klare Führung in Regierung und in seiner Partei ein und fordert eine eindeutige Positionierung für Europa und den Euro. Es bleibt zu hoffen, dass endlich entsprechende Schritte von der Kanzlerin und Regierung unternommen werden, um das verlorene Vertrauen der Bürger in ihre Regierung und darüber hinaus in die Europäische Union wieder herzustellen.

(wz)

 

Quelle: HUMANITÄT

Bildquelle: „Integrale Politik“ Ken Wilber

 

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