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Deutscher Meister im Downhill 2011

28 August 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

androgon im Interview mit dem frischgebackenen Deutschen-Meister der Masters-Klasse 2011, Fabian Arzberger. Der 32 jährige fährt seit 8 Jahren scharfe Wettkämpfe.

a: Fabian, wo fand dieses Jahr die Deutsche Meisterschaft statt?

Diese Jahr war Bad Wildbad Austragungsort der Deutschen Meisterschaft. Gleichzeitig war es auch der dritte von vier Läufen zum Deutschen IXS-Downhill-Cup.

a: Was ist das Besondere für Dich an diesem Veranstaltungsort?

Bad Wildbad ist in meinem Augen die technisch anspruchsvollste Strecke in Deutschland. Hier geht es richtig zur Sache, massive Steinfelder und auch sehr verwurzelte Stücke die vor allem bei Nässe sehr anspruchsvoll zu fahren sind. Außerdem bin ich hier mein aller erstes Downhill-Rennen gefahren und bin auf der Strecke schon immer gut zurechtgekommen.

a: Hast Du mit solch einem guten Abschneiden gerechnet?

Letztes Jahr wurde ich Vize-Meister, das Jahr davor Trize-Meister. Und da mir die Strecke in Wildbad sehr gut gefällt, wusste ich, dass ich es schaffen kann. Vielen Dank an dieser Stelle auch an mein Team ‚BIKE ‚N STYLE – Heidelberg‘ das mich sehr gut unterstützt hat.

a: Wie lang ist so eine Downhill-Strecke? Und was ist charakteristisch?

Die Strecke in Bad Wildbad ist 2,4 Kilometer lang und hat ca. 230 Höhenmeter. Mit 17 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten und ehemaligen Masters-Weltmeister Stefan Herrmann, konnte ich nach 3:34 Minuten das Ziel erreichen. Neben vielen Wurzeln und Steinfeldern gibt es hier auch Sprünge und Kanten die überwunden werden müssen. Charakteristisch für Bad Wildbad ist die Breite der Strecke. An vielen Stellen bieten sich dadurch viele verschiedene Möglichkeiten den Streckenabschnitt zu bewältigen.

a: Wie genau läuft so ein Downhill-Rennen ab?

Generell ist es dem alpinen Ski-Sport sehr ähnlich. Es ist eine vorgegebene Strecke (ausschließlich bergab) zurück zu legen. Wer am schnellsten ist, hat gewonnen. Eigentlich ganz einfach. In der Regel geht so ein Rennen das ganze Wochenende. Freitags ist freies Training in dem die Fahrer zunächst zu Fuß die Strecke besichtigen können. Danach kann auf dem Rad trainiert werden. Samstag morgens ist nochmals Training und nachmittags der sogenannte ‚Seedingrun‘, in dem die Startreihenfolge für das Rennen am Sonntag festgelegt wird. Außerdem gibt es hier meist schon Punkte für die Gesamtwertung des Cups. Am Sonntag Morgen ist ein erneutes Training und mittags findet dann das scharfe Rennen zur Deutschen Meisterschaft statt. Die schnellsten Fahrer starten dann immer am Schluss.

a: Was macht einen guten Fahrer aus? Über was für Fähigkeiten muss er verfügen?

Viele verschiedene Komponenten machen einen guten Downhill-Fahrer aus:

Motorische Fähigkeiten wie Koordination und Gleichgewicht spielen eine wichtige Rolle um das Sportgerät auf hoher Geschwindigkeit kontrolliert zu bewegen. Natürlich muss die Fahrtechnik und die Beherrschung des Rades stimmen um nicht die Kontrolle über das Rad zu verlieren. Sprünge, Kurven und Steilabfahrten müssen bei maximaler Geschwindigkeit gemeistert werden.

Konditionelle Fähigkeiten wie Ausdauer, Schnellkraft und Kraftausdauer sorgen dafür, dass der Fahrer auch nach mehreren Trainingsfahrten immer noch fit ist. Kraftvolle Antritte und dynamisches Fahren fordert den Sportler ungemein. Lässt die Kraft nach, steigt das Risiko Fahrfehler zu begehen und zu stürzen.

Mentale Stärke ist von enormer Bedeutung, da es sich hier um eine risikobehaftete Sportart handelt. Auch unter Erfolgsdruck muss der Fahrer in der Lage sein seinen Rennlauf optimal zu absolvieren. Es ist schwierig maximal schnell zu fahren, aber dennoch keine Fehler zu machen.

Die Erfahrung spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle. Der Fahrer muss im Training die schnellste Linie für sich finden. Diese ist nicht für jeden gleich. Oft ändern sich die Streckenverhältnisse auch von Tag zu Tag, so dass man immer schauen muss, wo ist denn meine schnellste Linie.

a: An welche Fahrrad-Komponenten werden besondere Anforderungen gestellt?

Stabilität aller Bauteile: Alles am Rad muss ein Rennwochenende überstehen können. Das Gewicht ist aber ebenso wichtig, da ein leichtes Bike besser zu beschleunigen und auch wendiger ist. Ein modernes Downhill-Bike wiegt zwischen 16 und 19 kg.

Federung: Um die starken Bodenunebenheiten auszugleichen und die Fahrsicherheit zu erhöhen, besitzen Downhill-Räder sowohl am Vorderrad wie auch am Hinterrad ca. 200mm Federweg. Die Federung ist oftmals vielfältig einstellbar.

Bremsen: Es kommen nur vollhydraulische Scheibenbremsen zum Einsatz. Sie gewähren eine hohe Bremsleistung unter allen Witterungsbedingungen.

Reifen: Sehr großvolumige und stabile Reifen verhindern Plattfüße und Beschädigungen durch scharfkantige Steine. Je nach Witterung und Bodenbeschaffenheit kommen unterschiedliche Profile und Gummimischungen zum Einsatz.

Schaltung: Es wird nur ein Kettenblatt gefahren. Somit stehen 9 oder 10 Gänge zur Verfügung. Eine Kettenführung verhindert das Abspringen der Kette.

a: Welche Ausrüstung benötigt Mann um diesen Sport auszuüben?

Da beim Downhill die Ausmaße eines Sturzes fatale Folgen haben könnten, werden Helm und Protektoren getragen. Der Helm schützt vor groben Schlägen auf den Kopf und die Protektoren für Knie, Ellbogen Rücken und Brust schützen vor Prellungen und Knochenbrüchen. Mittlerweile wird auch sehr oft mit einem Nacken-Schutz gefahren, der die Halswirbelsäule schützen soll.

a: Wie hoch ist das Verletzungsrisiko?

Ja, Downhill Mountainbiking ist kein Ponyreiten. Die Verletzungsklassiker sind Hand- und Schlüsselbeinbrüche. Manchmal kommt es jedoch auch zu schlimmeren Knochenbrüchen. Todesfälle sind jedoch äußerst selten und dann hervorgerufen durch äußerst unglückliche Umstände.

a: Was ist als nächstes geplant?

Renntechnisch wird dieses Jahr nicht mehr viel passieren. Ich habe gerade in Heidelberg meine Mountainbike-Schule ‚RidingStyle‘ eröffnet und werde damit genug zu tun haben. Außerdem will ich auch die Zeit mit meiner wunderbaren Familie genießen. In der nächsten Saison werde ich aber auf jeden Fall versuchen meinen Titel zu verteidigen. Welche Rennen dann noch eingeplant werden ist bisher nicht ganz sicher.

A: Was ist unter einer Mountainbike-Schule zu verstehen? Was bietest Du an?

Ähnlich wie in einer Ski-Schule biete ich verschiedene Kurse zur Verbesserung der Fahrtechnik und der Fahrsicherheit an. Kurse in Heidelberg wie auch in den umliegenden Bikeparks wie z.B. in Beerfelden sollen in unser Programm aufgenommen werden. Vom Hobbybiker bis zum Leistungssportler sollte für jeden etwas zu finden sein. Wenn nicht, wird ein entsprechender Kurs individuell konzipiert. Meine Freundin Solveig Lindgren wird die Kurse für die weiblichen Teilnehmerinnen durchführen.

a: Was genau kann man denn bei Dir lernen?

Grundlegende Techniken wie effektives Bremsen, Auf- und Absteigen im Gelände, Kurven-Fahren und auch fortgeschrittene Techniken wie ‚Bunny-Hopp‘ und ‚Wheelie-Fahren‘ können erlernt werden. Ebenso wird das Überwinden von Hindernissen in einem Bikepark wie Sprünge und Drops erlernt. Ebenso soll auch ein natur-und sozialverträgliches Verhalten im Wald vermittelt werden. Und natürlich kommt der Spass beim Fahrrad-Fahren nicht zu kurz. Nähere Informationen zu den Kursen gibt es unter www.ridingstyle.de

(rz)

 

 

Interview: Mode/Accessoires androgon: Stiefeletten, Hose und Hemd von Strenesse Men: http://www.strenesse.com/Strenesse-Gabriele-Strehle-Men

Helm-Kamera: GoPro HD Hero von urban:trends GmbH: http://www.camforpro.com/

Bildquelle: Thomas Dietze www.extreme-pics.de; androgon

 

RidingStyle – Ride with Style NO1 von RogerRobert auf MTB-News.de

http://videos.mtb-news.de/videos/view/15902

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