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Krieg und Frieden

18 März 2015 Ein Kommentar PDF Drucken Drucken

Hanteln – Um der Hantel zu begegnen, gibt es der Wege zwei: Krieg und Frieden

Sowohl im Kampf gegen die Hantel, als auch in der unzertrennlichen Einheit von Hantel und Körper können maximale Lasten erfolgreich bewältigt werden. Es liegt bei Dir selbst, welcher Weg der Deine ist. Du solltest jedoch beide kennen, ausprobieren und Dich für denjenigen entscheiden, der sich auch für Dich entscheidet.

Der Krieg ist der Vater aller Dinge

Bereits Heraklit wusste von der schöpferischen Seite des Kampfes zu berichten. Auch Du kannst enorme Kräfte in Dir entfesseln, wenn Du der Hantel nicht gleichgültig, wie ein deprimiertes Faultier, sondern in voller Angriffsbereitschaft gegenübertrittst. Solange Du sie noch nicht bezwungen hast, ist sie schließlich ein Mahnmal Deines Versagens, Deiner Schwäche. Letztendlich ist es gleich, ob man ein Gewicht nicht heben kann, oder es noch nie gehoben hat. In beiden Fällen hat man darin versagt, es zu tun.

Getreu dem Motto Bertolt Brechts: Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren. Nur wer kämpft, kann gewinnen. Also was liegt näher, als dem maximalen Gewicht auf dem Schlachtplatz der Entscheidung zu begegnen, den Kampf gegen seine Last aufzunehmen und deren Widerstand und somit die eigene Schwäche siegreich zu überwinden?

Ein schweres Gewicht hebt man schließlich nicht einfach so. Man muss es angreifen und attackieren, so wie ein gigantischer Hai seine Beute attackiert: Mit totalem Fokus und absoluter Kompromisslosigkeit. Man bewältigt es ebensowenig einfach so, wie der Hai seine Beute einfach so aufschnappt. Man muss es cm für cm bezwingen, bekämpfen, killen. Es geht um Leben und Tod: Um das Leben Deiner Stärke und den Tod Deiner Schwäche.

Vereint gegen den Feind

Solange zwischen Dir und der Hantel der Kampf tobt, sollte in Dir selbst Frieden herrschen. Wenn Dein gesamter Körper nämlich nicht gegen die Hantel, sondern auch noch gegen sich selbst kämpfen muss, wie soll er da maximale Lasten bewegen können? Wenn man nun jedoch ganz genau wird, dann kämpfst Du überhaupt nicht gegen die Hantel, sondern vielmehr gegen die Schwerkraft. Die Hantel selbst ist nur das Mittel der Schwerkraft, der Schlachtplatz der Entscheidung.

Wie wäre es nun, wenn Du Dir einen Heimvorteil sicherst und die Hantel zu Deinen Gunsten einsetzt? Sie ist absolut geradlinig. Du kannst ihr vertrauen. Nutze ihre Stärke für Dich. Mache sie zu Deiner Stärke. Mache sie selbst zu einem Teil von Dir, von Deinem Körper. Auf diese Weise findet die Konfrontation nicht zwischen Deinen Händen und der Hantelstange statt, sondern viel weiter draußen. Du erweiterst Dein eigenes Territorium durch den Pakt mit der Hantel um die Hantel selbst. Wenn Du erstmal soweit bist und die Hantel kein Feind mehr ist, dann wirst Du viel besser mit ihr arbeiten können und wenn Du besser mit ihr arbeiten kannst, dann wirst Du auch ihre Last besser beherrschen können. Schließlich ist es einfacher und direkter, mit dem eigenen Körper zu arbeiten, als mit irgendwelchen Werkzeugen. Doch dafür musst Du die Trennung zwischen euch aufheben. Also werde zur Hantel. Dann wird die Hantel auch zu Dir.

Es wird sich lohnen. Das Gefühl ist unbeschreiblich: Angefangen vom Griff, der so nahtlos in die Hantel übergeht, als wäre sie mit Deiner Hand verwachsen oder verschweißt, bis hin zu ihrer hundertprozentigen Kontrolle, entsteht der unabwendbare Eindruck einer unteilbaren Einheit. Das Ganze hat einen enormen Effekt zur Folge: Die Hantel selbst als fremdes Objekt scheint völlig zu verschwinden. Es ist so, als würde man eine ganz natürliche Bewegung einfach nur unter enorm erhöhter Schwerkraft ausführen, ohne dabei überhaupt auch nur eine Hantel in der Hand oder auf dem Rücken zu haben. Diese besondere Art der Wahrnehmung hat einen bedeutenden Effekt, von dem sehr viele profitieren können: Die meisten Athleten lassen sich nämlich nicht nur von der Last an sich beeindrucken, sondern vor Allem auch von dem äußerlichen Eindruck, einer überaus schwer beladenen Hantel.

Wenn diese zum Bersten mit 20er-Scheiben bestückt ist, dann kann man von diesem Eindruck schon einmal kalte Füße bekommen. Dabei ist es meistens genau diese Furcht vor dem Eindruck, den schwere Gewichte auf einen machen, die einer der Hauptgründe der eigenen Schwäche sind. Die Furcht vor dem eigenen Versagen lebt aber in der Zukunft. In der Gegenwart hat sie nichts zu suchen. Man muss sie irgendwie loswerden. Wer entschlossen handeln will, darf nicht mehr zweifeln.

Wer in der Handlung zweifelt, ist mental schwach und wird somit auch körperlich schwach sein. Es entscheidet nämlich nicht nur das Potential der körperlichen Kraft, sondern vor Allem auch das mentale Verhältnis zu der Hantel, wie stark man in der Praxis wirklich ist, wie viel des eigenen Kraftpotentials man freisetzen kann.

Oft liegt die eigene Schwäche nicht im Körper, sondern im Geist begründet. Der Körper spiegelt sie nur wieder. Viele folgen dann jedoch dem Irrweg, dass sie diese Schwäche auf rein körperlicher Ebene beheben wollen. Sie gleichen einem geistig beschränkten Menschen, der Schmutz von seiner Stirn wegwischen möchte, aber einzig und allein auf dem Spiegel herumwischt, in dem er sich und seine beschmutzte Stirn erblickt. Ihm mangelt es an Abstraktionsvermögen. Er wird den Schmutzfleck erst dann aus seinem Spiegelbild entfernen können, wenn er erkennt, dass sein Spiegelbild zwar real, aber nur eine Erscheinung ist, deren Ursache in ihm selbst begründet liegt. Er muss lernen, wegzusehen, um wirklich hinsehen zu können. Auch der Schwerathlet wird die durch Zweifel verursachte Schwäche seines Körpers nur dann loswerden können, wenn er erkennt, dass diese körperliche Schwäche nur eine Erscheinung seiner mentalen Schwäche ist und auch nur dort behoben werden kann.

Nicht alle, aber viele Schwächen des Körpers sind somit nur Erscheinungen und nur derjenige, wird sie zu Stärken machen können, der ihre Ursachen ausfindig machen und beheben kann. Man könnte die Furcht vor dem gewaltigen Gewicht nun z.B. ablegen, indem man sich vorstellt, dass man nur eine extrem schwere Hantelstange ohne Gewichtsscheiben heben würde. Der Anblick einer leeren Stange dürfte schließlich weniger Zweifel in einem Menschen hervorrufen, als die voll beladene Stange. Obwohl das Gewicht zwar gleich ist, wird derjenige, der es hebt somit stärker sein, als wenn er sich von der Erscheinung einer schwer beladenen Hantel mental beeinflussen ließe. Zwischen Körper und Last vermittelt immer der Geist. Wenn er schwach ist, dann wird auch der Körper schwach sein und die Last stark.

In der bereits vorgestellten Vorgehensweise der Identifizierung mit der Hantel liegt jedoch der wahre Schlüssel um zweifelsfrei heben zu können. Zweifel und Furcht hat man schließlich hauptsächlich vor allem, was einem fremd ist. Zumeist ist es jedoch die Fremdheit selbst und nicht das dahinter stehende Objekt, das die Zweifel in einem schürt. Schließlich weiß man noch nicht, ob man das Fremde beherrschen kann oder von ihm beherrscht wird. Jedes mal, wenn man einen neuen Maximal-Rekord im Training oder Wettkampf aufstellt, kann es zu dieser Konfrontation mit dem Fremden kommen. Dies solltest Du jedoch verhindern und dies wird Dir nur dann gelingen, wenn Du die Hantel zu einem Teil von Dir selbst machst. Nicht gegen sie kämpfst Du, sondern nur gegen ihre Last unter dem Einfluss der Schwerkraft. Irgendwie haben nämlich fast alle vor großen und eindrucksvollen Hanteln Angst, aber nicht vor der Schwerkraft. Sie lassen sich von Erscheinungen beeindrucken. Schlussendlich liegt es an Dir, ob Du nun in Training und Wettkampf im friedlichen oder kriegerischen Verhältnis zu Deiner Hantel stehst. Meiner Meinung nach solltest Du jedoch lernen, Dich den Ursachen zuwenden, indem Du mit den Erscheinungen Deinen Frieden schließt. Nur so werden sie Dich nicht negativ beeinflussen. Auf diese Weise können sie sogar produktiv auf Deine Leistung einwirken.

Wer hätte schlussendlich gedacht, dass etwas so träges wie eine schwere Hantel Dich indirekt stärken kann, indem Du Dein Verhältnis zu ihr veränderst? Dies ist jedoch der Fall. Viele der Zweifel und Hemmungen, die uns Menschen daran hindern, unser Potential zu nutzen und wahrhaft große Leistungen zu vollbringen, liegen nämlich nicht in der Welt, sondern nur in unserem Kopf begründet. Der Wille zur Kraft lässt grüßen.

(cz)

Bild: Grieche bei scheinbarer Armübung mit zwei Hanteln – Kopiezeichnung eines antiken Vasenbildes.

 

 

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