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Stoffwechselseminar

12 September 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Die ersten 10 sec. einer Bewegung

Trainierter Stoffwechsel – mein Power-Garant

Fragen an Herrn Dr. med. Ziegler zum bevorstehenden Stoffwechsel-Seminar, Samstag, 24. 09. 2011, 0900 – ca. 1700 Uhr, Polar Electro GmbH Deutschland in Büttelborn, Nähe Groß-Gerau.

Nur wenige Themenbereiche werden in der modernen (Sport-)Wissenschaft nach wie vor so kontrovers diskutiert wie die positive Beeinflussbarkeit der wichtigsten Stoffwechselvorgänge im menschlichen Organismus.

Dieses eintägige Seminar bietet Ihnen die optimale Gelegenheit, aktuelle Forschungsergebnisse und etablierte Erkenntnisse rund um die Themenbereiche Stoffwechsel und Gesundheit, Stoffwechsel und Sport sowie Stoffwechsel und Fitness besser zu verstehen, zu vertiefen und so für Ihre Gesundheit und Ihre sportlichen Aktivitäten nutzbar zu machen. Das Seminar befasst sich mit den Grundlagen des Energiestoffwechsels, zeigt Wege auf zur Aktivierung und Optimierung des (Fett)- Stoffwechsels und damit auch zum angestrebten Wunschgewicht. Ergänzt wird dieses inhaltliche Kompaktpaket durch die passenden Ernährungstipps.

Im Einzelnen kommen folgende Themenschwerpunkte zur Sprache:

• Stoffwechsel-Sünden und ihre Konsequenzen

• Fettstoffwechseltraining – von der Aktivierung zur Optimierung

• Der Fett-Check in der Praxis

• Ernährung in Balance

• Mein täglicher Ernährungsfahrplan

• Bewegung und Aktivität im Alltag

• Diskussionsforum mit Dr. med. Rudolf Ziegler

androgon: Herr Dr. Ziegler, als bundesweit bekannter Sport- und Ernährungsmediziner beschäftigen Sie seit Jahren mit den Themenschwerpunkten Gesundheit – Fitness – Ausdauer. Ihrer Agenda zum Polar-Seminar konnte ich Stichpunkte wie „Wunschgewicht“, “effektives Stoffwechsel-Training“, „mehr Leistung durch Ernährungsoptimierung“ oder „pulsgesteuertes Lauftraining – klassisch und modern“ entnehmen. Weshalb sind gerade Stoffwechsel und Ernährung für Sport treibende Menschen so ein wichtiges Thema? Gleichzeitig möchte ich eine konkrete Frage aus dem Sportleralltag vorab stellen, ohne dem Seminar etwas vorwegnehmen zu wollen. Ich denke meine Frage wird den Themenkonvolut an vielen Seiten anreißen und tangiert gleichzeitig einen sicherlich für viele Sportler und aktive Männer wichtigen Themenbereich.

 Wie hoch ist bei meinem Training im anaeroben Bereich (Laufen und Radfahren mit überwiegend 160-180 Pulsschlägen, Durchschnittspuls bei ca. 155) der Anteil der Fettverbrennung? Zur Bestimmung von Puls und Kalorienverbrauch verwende ich einen Polar-Herzfrequenzmesser RS300X. Das Modell gibt je nach Intensität des Trainings einen Fettverbrennungsanteil im anaeroben Bereich von 25 bis 30% an. Liegt nicht vielmehr der Anteil der Fettverbrennung hier bei nur 0 und 5%?

Dr. Ziegler: Ganz allgemein hängt das Ausmaß der Fettsäuren-Verbrennung bei der Energiebereitstellung während Muskelarbeit zunächst einmal von der genetisch festgelegten Muskelfaserzusammensetzung ab. Die im Rahmen dieser genetischen Vorgabe durch Trainingsinput in der beanspruchten Muskulatur induzierten stoffwechselbezogenen Anpassungsprozesse sind dann der zweite wichtige Faktor. Beim Normalbürger ohne sportartspezifisches Talent findet sich üblicher Weise ein Verhältnis von 50 zu 50 hinsichtlich der Verteilung von roten Muskelfasern (aerob arbeitend, sogenannte Typ I-Fasern) und weißen Fasern (schwerpunktmäßig anaerob arbeitend, sogenannte Typ II-Fasern). Beim „geborenen“ Sprinter dominieren die weißen, beim „geborenen“ Marathonläufer dagegen die roten Fasern. Diese Konstellation beschreibt gleichzeitig auch die als Talent bezeichneten privilegisierenden Stoffwechsel-Faktoren.

Der „fifty-fifty-Bürger“ (50 % rote und 50% weiße Fasern) muss jetzt aber nicht gleich resignieren nach dem Motto: Bei mir ist sportlich sowieso „kein Blumentopf zu gewinnen“. Ganz im Gegenteil, bei ihm geht es doch in erster Linie um gesundheitlich sinnvolle Fitness und nicht um Höchstleistung, was mit jeder Faserverteilung realisierbar ist.

Wie muss man sich nun bei einem durch Sport induzierten Energiebedarf in der Skelettmuskulatur das Zusammenspiel von Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel vorstellen und welche Schlüsse sind hieraus für die Sportlerpraxis zu ziehen:

Grundsätzlich versucht unser Körper immer den einfachsten Weg zu gehen, was für die Energiebereitstellung bei körperlicher Aktivität bedeutet: Im arbeitenden Muskel wird zunächst einmal auf die Verbrennung von Kohlenhydraten (Glukose) gesetzt. Das gilt zumindest zu Beginn eines jeden Ausdauer- oder Kraftausdauertrainings und relativ unabhängig von der Belastungsintensität. Warum dies: Nun, die energetische Verwertung von Glukose geht biochemisch-physikalisch viel leichter vonstatten als der Umsatz von Fettsäuren, da Glukose im Ggs. zu Fettsäuren wasserlöslich und daher im Blut und in den Zellen leichter transportabel ist. Desweiteren läuft der Zuckerumsatz schneller ab, was im Fachjargon als höhere Energieflussrate bezeichnet wird, nicht zu verwechseln mit der Tatsache, dass der Kaloriengehalt von Fett größer ist als der von Zucker. Last but not least fungiert die energetische Umsetzung von Zucker bei drohender Energienot in der Zelle auch als Notfallreaktion ohne Sauerstoffverbrauch (sogenannte anaerobe Glykolyse), was die Energieflussrate im Vergleich zur aeroben Glykolyse nochmals beschleunigt. Der Pferdefuß dabei: Der hier umgesetzte Zucker kann nicht vollständig in Energie (ATP), Wasser und Kohlendioxid umgesetzt werden, was den bekannten Laktat-Anstieg im arbeitenden Muskel provoziert und im Blut messbar wird. Diese Energiebereitstellung ist in hohem Maße unrentabel (Zuckerreste bleiben als Laktat übrig). Entsprechend provoziert der Laktat-Aufstau ab einer gewissen Höhe eine mehr oder weniger vollständige Blockade des gesamten Energiestoffwechsels. Unerfahrenen Ausdauersportlern ist dieses biochemische Phänomen in der Praxis sicherlich schon als „der Mann mit dem Hammer“ begegnet. Im Klartext: In diesem Energiestoffwechsel geht gar nichts mehr. Vermehrte Laktat-Produktion dient also als Indikator für unrentable Energieproduktion und damit als Schutzfaktor vor chronisches Überpacing.

Was kann jeder Sportler aus diesen Stoffwechselzusammenhängen für sich herausziehen: Sportanfänger bzw. für den Wiedereinsteiger nach langer Zeit der Sportabstinenz: In allen Ausdauersportarten ist es das A und O dem Energiestoffwechsel „Beine zu machen“. Das geht am besten durch eine Kombination aus konsequent betriebener Alltagsaktivität und gezieltem Ausdauertraining. Wir sollten also im Alltag, so oft es geht, zu Fuß oder per Rad unterwegs sein, stets die Treppe anstatt Rolltreppe oder Fahrstuhl benutzen usw. Genetisch sind wir übrigens ausgelegt für ein tägliches Minimum von 20 Kilometern zu Fuß, um unsere wichtigsten Organsysteme fit und jung zu erhalten. Diese Alltagsvorgabe reicht aber beim Sporteinsteiger nicht aus, um effektiv in der Fettverbrennung unterwegs zu sein. Dafür notwendig sind regelmäßige Walking-, Jogging-, Lauf-, Schwimm- oder Rad-Einheiten, ca. 3-4mal pro Woche. Dann gewinnt der Fettstoffwechsel wieder an Bedeutung und entlastet durch gesteigerte Energieflussrate zunehmend die Zuckerverbrennung. Beachten Sie hier bitte folgendes diagnostisches Problem: Ausbleibender Laktat-Anstieg im Rahmen einer Laktat-Leistungsdiagnostik im unteren Intensitätsbereich ist nicht gleichbedeutend mit einer ausgeprägten Fettverbrennung, da es ja auch bei der kompletten Zuckerverbrennung (aerobe Glykolyse) zu keiner Laktat-Produktion kommt. Quintessenz: Der Energiestoffwechsel stellt kein Schubladen-Prinzip dar, nach dem Motto „je niedriger das Tempo (die Intensität) um so höher die Fettverbrennung“. Einzig und allein das individuell gegebene bzw. erreichte Trainingsniveau unter Zugrundelegung der genetisch festgelegten Muskelfaserzusammensetzung bestimmt die Proportionen zwischen Zucker- und Fettverbrennung. Über die Entwicklung des Morgenpulses (gemessen gleich nach dem Aufwachen und im Liegen) besteht übrigens eine hocheffektive und zudem einfach zu handhabende Überwachungsmöglichkeit zur Überprüfung der Fettstoffwechseleffektivität. Faustregel: Je niedriger der Morgenpuls umso besser ist der Fettstoffwechsel drauf. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, diese Zusammenhänge mittels Überprüfung des sogenannten zu checken. Der OwnIndex entspricht in guter Annäherung der aktuell entwickelten maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit als Bruttokriterium der Ausdauerleistungsfähigkeit. Bei bestimmten Polar-Herzfrequenzmessern ist dieses OwnIndex-Modul in die Software integriert.

Wie sieht das Ganze jetzt beim „Ausdauer-Profi“ aus: Hier besteht in der Tat eine klare Abhängigkeit zwischen gewählter Intensität und Ausmaß des einbezogenen Fettstoffwechselquantums zur sportartspezifischen Energiebereitstellung. Somit wird sicherlich auch der von Ihnen in Ihrer Frage angesprochene Fettanteil von 25 bis 30 Prozent selbst im anaeroben Bereich nachvollziehbar und verständlich. Anaerober Bereich heißt eben biochemisch nichts weiter als die Tatsache, dass die aktuell gewählte Intensität energetisch nicht allein über die aerobe Zuckerverbrennung und die Fettverbrennung (die aus biochemischen Gründen ja ausschließlich nur aerob abgewickelt werden kann) bedient werden kann. Ein gewisser Anteil (je intensiver die Belastung umso größer) muss daher zusätzlich über die anaerobe Glykolyse bereitgestellt werden, um die lebensnotwendige Energiekonstanz in der beanspruchten Zelle zu garantieren. Dieser Anteil an anaerober Glykolyse (bei gleicher Belastungsintensität von Person zu Person unterschiedlich hoch je nach Qualität der aeroben Trainiertheit und der jeweilig vorhandenen Muskelfaserzusammensetzung) ist dann im Blut überprüfbar über die Höhe des gemessenen Laktat-Anstiegs.

androgon: Vielen Dank Herr Dr. Ziegler, für diese doch sehr aufschlussreichen und ausführlichen Informationen. Ich hoffe unsere Leser sind jetzt noch neugieriger auf Ihr Seminar und ihre Tätigkeitsspektrum geworden. Auch wir sind schon sehr auf ihr Seminar am 24. September 2011 gespannt und wünschen Ihnen und allen Beteiligten vorab schon einmal viel Spaß und Erfolg!

Seminar-Anmeldung unter: http://www.garantiert-richtig-trainiert.info/stoffwechselseminar

Weitere Informationen unter: http://www.polar.fi/de

 

Dr. med. Rudolf Ziegler – berufliche Vita:

• Medizinisches Staatsexamen 1976 (J. Gutenberg Universität Mainz)

• Allgemeinmedizinische Weiterbildung in verschiedenen Krankenhäusern der medizinischen Grundversorgung in Jugenheim, Groß-Gerau, Darmstadt und Landstuhl sowie Stabsarzt-Tätigkeit bei der Heeresfliegerstaffel 1 in Hildesheim (1976-82)

• Facharztausbildung für Anästhesie und Intensivmedizin (1982-90), anschließende Tätigkeit als Funktionsoberarzt (1988-90), jeweils im Kreiskrankenhaus Heppenheim/Bergstraße

• Erwerb des Sportarzt-Diploms (1985) und der Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ (1986)

• Ärztlicher Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße (seit 1990)

• Dozent für Gesundheitsprävention und Ernährungsmedizin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Bamberg (seit 2008)

• Zertifizierter Burn-out-Berater (seit 2011)

 

Quellen: Polar Electro-Deutschland / Laufreport / www.sportdoktor-ziegler.de

Bildquelle: Die ersten 10 sec. einer Bewegung. VISPORT

Die ersten 10 sec. einer Bewegungverbrennt unser Körper die im Muskel gespeicherten energiereichen Phosphate. Wer sich immer nur kurz bewegt kommt nicht in den Fettstoffwechsel

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