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Generäle ohne Armee

16 Oktober 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Der zaghafte Versuch mit der Ehre

Der Verteidigungsminister ist nicht zufrieden. Warum, fragt der geneigte Leser, ist der Oberbefehlshaber der Bundeswehr in Friedenszeiten nicht glücklich? Ja, wenn der große Wurf nicht wäre, namens Bundeswehrreform. So ist die Reform der Bundeswehr, Teil – wer weiß das schon – in Friedenszeiten eingeschlagen wie seinerzeit die Geschosse der Bismarck in die Munitionskammer der HMS Hood. Wie wir wissen, überlebten den Untergang der 1418 starken Besatzung lediglich drei Seeleute. Ähnlich verhält es sich mit den Freiwilligen in Deutschlands Streitkräften. Es melden sich zu wenige und von denen, die sich melden, „kündigen“ zu viele in ihrer Probezeit. Jetzt kann gerade die ältere Generation mit gestählter Brust behaupten, dass die Brut zu weich ist und zudem kein Durchhaltevermögen und keine Ideale mehr besitzt. Dies ist zum Teil richtig, doch ist die Freiwilligengeneration auch das Kind der älteren Generation. Die Erziehung zum ungezügelten Individualismus straft nun eine Gesellschaft, die einmal Wert auf die Solidargemeinschaft legte. Der eigene Vorteil muss genutzt werden. Schnell und eben kompromisslos. Da bleibt keine Zeit für das Allgemeinwohl, sei es nun Wehrdienst oder Zivildienst.

Aber auch die Bundeswehr sollte umdenken. Man muss sich in Zukunft Gedanken machen, wie und vor allem wen man in die Streitkräfte holt. Schaut man sich die Streitkräftewerbung an, so ahnt man oft nicht, ob es sich um Streitkräfte handelt oder um eine uniformierte Servicegesellschaft.

Eine Armee zieht ihr Selbstverständnis auch aus der Tradition. Davon hat die deutsche Armee viel. Fokussiert man sich lediglich auf den militärischen Widerstand von 1944 und die nach dem Kriege entstandene Philosophie der „Inneren Führung“ , so ist dies nicht ausreichend. Was ist mit den Befreiungskriegen, der preußischen Heeresreform?

Man muss den Freiwilligen deutlich machen, dass der Dienst in den Streitkräften mehr ist, als das Überbrücken der Arbeitslosigkeit. Im Rahmen der Bundeswehr wird eine Kombination aus solider Ausbildung mit angemessenem Gehalt und gleichzeitiger militärischer Schulung ermöglicht. Dies eröffnet die Chance zur Integration des Militärs in das zivile Leben. Darüber hinaus wäre eine Identifikation mit dem eigenen Land als Ausbilder und Arbeitgeber erreichbar. Eine Identifikation, die den einzelnen motiviert, dem Land auch etwas zurück zu geben. Aber die Bundeswehr tut sich schwer mit Patriotismus. Doch was auch in der Bundeswehr lange verpönt war und ist, wird wieder ein Bestandteil werden, auch wenn die Empörung der Gesellschaft nicht ausbleiben wird. Leben ohne Widerstand ist vielleicht angenehm aber nicht lebenswert.

(sb)

 

Bildquelle: Postkarte

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