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Hier stehe ich, ich kann nicht anders

6 November 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Martin Luther – Gedanken zur Reformation

Mit seinem aus innerster Überzeugung geäußerten Wort „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“! leistete Martin Luther den zu seinerzeit höchsten Autoritäten, Kaiser Karl V. und Papst Leo X. Vor fast 500 Jahren Widerstand und leitete damit das Zeitalter der Reformation ein, womit er gleichzeitig das Tor zur Neuzeit weit aufstieß. Das kulturgeschichtliche Ereignis der Reformation hatte sich mit dem lutherischen Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg aus Anlass der zweifelhaften Geschäfte mit dem Ablasshandel der katholischen Kirche manifestiert und führte zur Befreiung des Menschen aus deren Vormundschaft mit einem geradezu revolutionären Akt. Es begann somit die neuzeitliche Orientierung des Menschen, der jetzt nur noch seiner eigenen Gewissensentscheidung Folge zu leisten hatte.

Luthers Werdegang und seine wichtigsten Schriften

Martin Luther wird am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Nach dem Schulbesuch wird er von seinen Eltern 1498 auf das Franziskaner- Stift in Eisenach geschickt, wo er eine musikalisch-poetische Ausbildung erhielt. Von 1501 – 1505 studiert er an der Universität Erfurt und erhält den Magister für Philosophie. Nach der Promotion beginnt er das Studium der Rechtswissenschaften, tritt aber gegen den Willen seines Vaters in das Kloster der Augustiner in Erfurt ein und wird zum Priester geweiht.

1506 tritt er in die Klosterschule zu Wittenberg ein, um Theologie zu studieren; er promoviert 1509 und beginnt an der Universität in Wittenberg eine Lehrtätigkeit. In diese Zeit fällt Luthers reformatorisches Denken sowie die Anfänge seines Bruches mit der römisch-katholischen Lehre.

In seinen Vorlesungen ab 1515 postuliert er ein neues Verständnis der Rechtfertigung des Menschen allein aus der Gnade Gottes. 1517 verfasst Luther seine 95 Thesen, die sich kritisch mit dem Ablaßhandel auseindersetzen; er wird von Kardinal Albrecht daraufhin in Rom angezeigt und es kommt 1518 zu einem Ketzerprozeß ins Augsburg, der jedoch ohne Ergebnis verlief.

1520 wird zum Jahr seiner reformatorischen Kampfschriften:„An den christlichen Adel Deutscher Nation“, „Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „ Von der Freiheit eines Christenmenschen“. 1521 verhängt Papst Leo der X. den Kirchenbann über Luther. Auf dem Reichstag zu Worms wird er nachfolgend mit der Reichsacht belegt; er findet jedoch Exil auf der Wartburg in Eisenach, wo er als Junker Jörg unerkannt bleibt und ab 1521 das Neue Testament in die deutsche Sprache übersetzt. Dieses wird später in großer Auflage verbreitet und mit dem Alten Testament (übersetzt 1534) als Lutherbibel herausgegeben.

1525 heiratet Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora und wendet sich damit demonstrativ gegen das Zölibat und das sakrale Sakrament der Ehe. Im gleichen Jahr erreichen die landesweiten Bauernaufstände auch Thüringen und Sachsen; aber Luther stellt sich aus Obrigkeitsgründen gegen die Bauern und ihren Anführer Thomas Müntzer. 1534 erscheint die vollständig ins Deutsche übersetzte Lutherbibel. 1545 verfaßt der Reformator seine letzte Streitschrift: „Wider das Papstum zu Rom“.

Am 18. Februar 1546 stirbt Martin Luther in Eisleben.

Würdigung von Luthers Wirken

Mit der Erkenntnis, daß der Mensch allein durch den Glauben an die Gerechtigkeit Gottes (Sola Fide) sich frei gegenüber allen Autoritäten und Institionen fühlen kann, fand Luther den außerordentlichen Kampfesmut für die gerechte Sache und forderte am 31.Oktober 1517, dem heutigen Reformationstag mit seinem Thesenschlag , die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche. In Wirklichkeit initiierte er an diesem Tag die Reformation und damit eine welthistorische Umwälzung, d.h. die Spaltung der Kirche und die Begründung des Protestantismus. Denn seine Thesen verbreiteten sich dank der Erfindung des Druckverfahrens in Windeseile über ganz Deutschland und alle Welt erhoffte sich nun die bereits lang ersehnte Reform der katholischen Kirche, der sich diese jedoch trotz ihrer vermeintlichen ökumenischen Bestrebungen bis heute entzogen hat.

Die Lehre von der Freiheit und Mündigkeit des Menschen und insbesondere die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache schufen die Grundlage für eine weitreichende Bildung des Volkes. Es lernte Lesen und war beim Verständnis der Bibel nicht mehr allein von der kirchlichen Deutung abhängig. Luther wurde damit zum meist gelesenen Autor des 16. Jahrhunderts, indem er die Bevölkerung mit der eigenen Sprache zu erreichen suchte und selbst bemerkte:“ Man muß dem gemeinen Mann aufs Maul schauen, dann verstehen sie es und merken, daß man Deutsch mit ihnen redet“.

Übertragen auf die heutige Moderne kann Luther dank seines aufopfernden Einsatzes für gerechte politische und klerikale Verhältnisse als eine Symbolfigur für die Jugend und darüber hinaus für allgemeine Zivilcourage herangezogen werden. Er hat beweisen können, daß es sich lohnt für seine Überzeugung einzutreten und damit in der Lage ist, Hierarchien und Scheinautoritäten in ihre Schranken zu verweisen. Gerade in der heutigen, besonders durch ökonomische Zwänge bedrängten westlichen Welt, wäre eine wie von Luther bewiesene klare Konzeption gepaart mit dem entsprechenden Mut angezeigt, um die zurzeit immer bedrohlicher sich entwickelnde Krise in den Griff zu bekommen.

(wz)

Bildquelle: Ausschnitt aus dem Titelblatt der Lutherbibel von 1534

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