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Hochfrequenztraining

19 September 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Die Philosophie auto-regulierten Hochfrequenztrainings

Jeden Tag trainieren? Muss das wirklich sein? Nein… Das einzige, was man wirklich muss, ist sterben. Alles andere ist freiwillig, bleibt uns selbst überlassen, liegt in unserer eigenen Verantwortung. Da stellt sich schnell folgende Frage…

Was lohnt sich zu machen und was nicht?

Lohnt es sich, täglich zu trainieren, wenn man etwas in Form kommen und einige Kilogramm Muskelmasse aufbauen, ansonsten aber seine Zeit sparen will? Nein. Wer aus rein kosmetischen Gründen und der allgemeinen Fitness wegen trainiert, der wird auch mit niederfrequentem Training zufriedenstellende Resultate erreichen – wie auch so viele andere zuvor.

Lohnt es sich, täglich zu trainieren, wenn man den eigenen Körper nur als besseren Durchlauferhitzer für den eigenen Geist ansieht? Nein…

Wer so denkt, der wird stets immer nur so leben, dass er gerade so nicht stirbt. Fast Food, Kaffee, Nikotin, Alkohol und eine gute Krankenversicherung erscheinen da vollkommen ausreichend.

Ist auto-reguliertes HFT das einzige Trainingssystem um groß und stark zu werden? Absolut nicht. Es gibt viele gute Vorgehensweisen, um eine weit überdurchschnittliche Entwicklung zu erreichen. Tatsächlich ist es sogar so, dass Systeme sekundär sind. Worauf es wirklich ankommt, ist der Athlet, der es durchführt: Jedes System ist immer nur so gut, wie der Mensch, der es mit Leben erfüllt.

Wann lohnt sich HFT denn überhaupt?

Für viele Menschen ist das Training an sich reine Mühsal, eine nervige Notwendigkeit, um einen schönen, großen und starken Körper zu erlangen. Viele greifen zu kosmetischen und pharmazeutischen Hilfsmitteln, um sich den harten Weg der körperlichen Vervollkommnung zu erleichtern.

Der Körper ist für sie nur ein Aushängeschild des Geistes. Ein selbsterschaffenes, personifiziertes Kunstwerk, das durch Blut, Eisen und Schweiß erschaffen wurde – zum Ruhme der eigenen Persönlichkeit. Dahinter steht das verbreitete dualistische Denken der westlichen Welt: Der Körper sei nur eine sterbliche, formbare Hülle und in diesem hause unsere gar göttliche, unsterbliche Seele.

Eine Beschäftigung mit dem rein Körperlichen gilt als narzisstisch, als Zeitverschwendung, als profan. Wen interessiert schon die sterbliche Hülle? Einzig die Tiefe des Geistes sei beachtenswert und wer sich doch um die Oberflächlichkeit des Körpers kümmert, der ist entweder ein Künstler des eigenen Fleisches (ein BBler), um sich in der Disco oder auf der Bühne zu präsentieren, im horizontalen Gewerbe tätig oder einfach nur ein fehlgeleiteter Mensch, der nicht in unsere Gesellschaft passt.

Unsere vergeistigte Gesellschaft

Der körperlichen Entwicklung wird in unserer Gesellschaft kaum Bedeutung beigemessen – allenfalls für kommerzielle Interessen und zur Freizeitbeschäftigung darf sie herhalten. In der Schule kaum beachtet, in der Ausbildung/im Studium minimiert und im Beruf vollkommen verdrängt, im „Ruhestand“ ein Fremdwort.

Wenn man sich schon zu einem Training hinreißen lässt, dann muss es so effizient wie möglich sein, maximalen Spaß und Fortschritt bringen und zu lange dauern sollte es schon gar nicht. Schließlich gibt es ja wichtigeres zu tun. Zu oft sollte es auch nicht stattfinden, denn es ist ja eher Zwang denn Lust, was uns dazu bewegt. Gesundheitliche Probleme, ästhetische Mängel und Wunschvorstellungen treiben uns voran und wollen schnellstmöglich erreicht sein. Wir gehen mit stark ökonomischen Maßstäben an die Sache heran.

Irrungen und Wirrungen

Das Problem an dieser Denke ist, dass der „Dualismus“ (also die Trennung von Körper und Geist) zwar sehr gut in unser christlich geprägtes Abendland und in die Lebensweise unserer Gesellschaft passt, dass sie jedoch zu kurz greift und zudem – wissenschaftlich betrachtet – mehr als nur strittig ist.

Der Irrglaube, dass unser Körper nur ein biologisches Vehikel sei, um unseren edlen Geist durch die irdischen Tage zu geleiten, lässt sich durch unzählige wissenschaftliche Indizien in Frage stellen. Es gibt überhaupt nicht „den Geist“ an sich. Unsere individuelle Persönlichkeit entwickelt sich beständig weiter. Wir verändern uns jeden Tag durch das, was wir erleben, neu lernen und denken. In unseren Kindertagen wollen wir die Welt erkunden, in unserer Jugend kritisieren wir sie, in unseren Erwachsenen-Phase wollen wir sie beherrschen und verändern und je älter wird werden, desto mehr akzeptieren wir sie, fahren uns fest und wollen schlussendlich nur noch unsere Ruhe vor ihr haben. Früher war ja eh alles besser.

In der gleichen Zeit entwickelt sich auch unser Körper – mit erstaunlichen Parallelen zu seiner geistigen Entwicklung. Er wächst auf, lernt viel, kommt in die Pubertät, strotzt nur so vor Kraft und Tatendrang, wird dann ruhebedürftiger und labiler, bis er schlussendlich altersschwach wird. Sind Körper und Geist vielleicht doch nicht so stark voneinander getrennt? Ihre Entwicklung verläuft zumindest ähnlich.

Wie ist es mit Schäden bestimmter Gehirnareale – sog. Läsionen? Defekte, erkrankte oder sich in Zersetzung befindliche Gehirnareale führen zu eindeutigen geistigen Persönlichkeitsveränderungen. Demenzkranke, Epileptiker, Synästhetiker, Savants, um nur einige zu nennen, weisen deutliche geistige Defizite bzw. veränderte Fähigkeiten auf. Sie spiegeln neurologische Defekte und Abnormalitäten auf geistiger Ebene wider. Ist der Geist evtl. doch nicht so stabil und losgelöst von unserem Körper, wie gemeinhin angenommen wird?

Was ist mit unseren alltäglichen Erfahrungen, die uns die untrennbare Verflechtung geistiger und körperlicher Prozesse unmissverständlich vor Augen führen? Stellen Sie sich bitte einmal kurz vor, wie sie in ein saftiges Stück frischer Zitrone beißen! Läuft Ihnen nicht sofort der Speichel im Mund zusammen? Haben Koffein, Nikotin, Zucker und Alkohol nicht auch deutliche Auswirkungen auf ihren Geist? Fühlen Sie sich etwa nicht sensibel und verletzlich, wenn Sie nach einem Verkehrsunfall schwer verletzt in den OP gerollt werden oder wenn Sie durch eine schwere Grippe ans Krankenbett gefesselt sind? Wird ein Junkie nicht von der geistigen Verzweiflung zerrissen, wenn er sich auf kaltem Entzug befindet? Spüren wir nicht, wie der eigene Geist immer ruheloser und schwächer wird, wenn wir uns mit allerlei Verpflichtungen in Beruf, Gesellschaft und Familie überhäufen und kaum noch zur Ruhe kommen? Entsteht umgekehrt nicht eine wachsende, rastlose Unzufriedenheit in uns, wenn wir ein tristes Leben führen, in dem Chipstüten, Dosenbier und schlechtes Fernsehprogramm die einzigen „Herausforderungen“ sind? Sind die wissenschaftlich belegten körperlichen Veränderungen durch Hypnose, Meditation und Placebo-Effekt ohne Gewicht?

Der Monismus als Alternative

Sind Körper und Geist nicht vielleicht deutlich stärker miteinander verknüpft, als es uns der Dualismus glauben machen will? Wäre nicht vielmehr ein „Monismus“ angemessener, der uns bewusst macht, dass unser Geist der Geist eines biologischen Lebewesens ist, das sich in evolutionärem Wettstreit befindet? Dass dieser Geist sich als höheres „Organ“ entwickelt hat, das seinem Träger deutliche Überlebensvorteile beschert? Ist der Geist vielleicht nur ein besonders komplexer Aspekt unseres Körpers?

Schlussendlich sind das alles metaphysische Fragen, da die empirischen Naturwissenschaften noch nicht so weit sind, hier Klarheit hineinzubringen. Die Indizien sprechen jedoch für sich und wer einen klaren Verstand sein eigen nennt, der wird auch zu dem Schluss kommen, dass der menschliche Körper viel mehr ist als nur ein Gebrauchsgegenstand für den Geist.

Der menschliche Körper

…birgt enormes Potenzial. Ziemlich sicher ist er nicht nur der Ursprung des menschlichen Geistes, er beeinflusst dessen Entwicklung und Gemütszustand enorm. Je nachdem, wie wir unseren Körper behandeln, so wirkt sich dies auch auf unseren Geist aus. Vernachlässigen und schaden wir diesem, so auch jenem. Fordern und trainieren wir ihn hingegen, so auch den Geist.

Wollen wir somit ein erfülltes, glückliches und höher entwickeltes Leben führen, so dürfen wir den Körper nicht an der kurzen Leine halten, mit Füßen treten und kaum beachten wie einen ungeliebten Schoßhund. Wir müssen ihm ausreichend Aufmerksamkeit widmen. Dürfen ihn nicht zu sehr vernachlässigen. Denn wenn wir ihn vernachlässigen, so wirkt sich dies auch negativ auf die Entwicklung und den Zustand unseres Geistes aus.

Eine vollkommene Entwicklung

…wird niemand anstreben können, der Körper oder Geist vernachlässigt. Dafür sind beide zu sehr miteinander verbunden. Natürlich ist die Entwicklung des Geistes deutlich komplexer und bedarf auch entsprechend mehr Zeit und Aufwand. Aber kommt der Körper bei den meisten Menschen nicht doch arg zu kurz? Einmal Tennisspielen am Wochenende und alles ist wieder gut? Am Abend ein Stückchen Obst und die Ernährungssünden des Alltages sind vergessen? Machen wir es uns da nicht zu leicht?

Wer kann heutzutage von sich behaupten, dass er einen guten Draht zu seinem Körper hat? Wer hat eine gute Haltung? Ist frei von Schmerzen? Kann noch sauber sprinten, springen sowie Liegestütze und Klimmzüge ausführen – ganz zu schweigen von freien, sauberen Kniebeugen? Wer hat Kondition, Kraft und ein ästhetisches Äußeres? Und was mit am wichtigsten ist: Wer hat überhaupt noch ein gut trainiertes Nervensystem? Wer ist dazu fähig, seinen Körper koordiniert zu bewegen und einzusetzen? Selbst das richtige Hinfallen bei Stürzen beherrscht heutzutage kaum noch jemand. Wir entfremden uns unserem Körper immer mehr. Seine Fähigkeiten verblassen, sind nur noch ein Schatten seines Potenzials.

Der Schatten des Wohlstandes

Unser hochentwickeltes medizinisches System, die pharmazeutischen Möglichkeiten, die vielseitigen Dienstleistungen und auch die Bekleidungsindustrie erleichtern es uns, unsere körperlichen Defizite auf solch hohem Niveau auszublenden und zu verdrängen, dass es in unserer Gesellschaft alles andere als gut für unsere Körper aussieht. Natürlich sind Medizin, Pharmazie Hilfeleistungen und Kleidung bedeutende Stützen unserer Gesellschaft und nicht wegzudenken. Aber vielen Menschen machen sie es zu leicht, den körperlichen Verfall auf die leichte Schulter zu nehmen.

Wohlstandsdiabetes, Bandscheibenvorfall, Osteoporose, Blutverfettung, Herz-Rhythmus-Störungen, Adipositas… Zivilisationskrankheiten hier… Unfähigkeiten dort. Aber für all dies gibt es einen Arzt, ein Medikament, eine Dienstleistung oder ein Kleidungsstück, um das Problem zu beseitigen bzw. zu kaschieren. In Wirklichkeit doktern wir jedoch nur an Symptomen herum. Die Ursachen bleiben unberührt – wodurch sich das System selbst verstärkt.

Diese körperlichen Ausfallerscheinungen (mitsamt ihrer geistigen Folgeerscheinungen) sind zu einem gewichtigen Anteil der dualistischen Denkweise zu verdanken, nach der wir die Belange des Körpers nicht so ernst zu nehmen haben. Kein Mensch jedoch, der seinem Geist zur Erfüllung verhelfen möchte, sollte seinen Körper derart drastisch ausblenden. Und an diesem Punkt kommt HFT ins Spiel.

Die Philosophie hinter HFT

Auto-Reguliertes Hochfrequenztraining richtet sich an jene Menschen, die bereit sind, ihren Körper zu fördern und zu stärken. Es spricht Menschen an, die bereit sind, diese Herausforderung anzunehmen. Menschen, die ernst- und gewissenhaft an ihrer körperlichen Entwicklung arbeiten wollen, um auch ihre geistige voran zu bringen, um Erfüllung anzustreben.

Wer dieses Unterfangen wirklich ernst nimmt, bei dem ist es mit ein paar Trainingseinheiten pro Woche und einer fahrlässigen Ernährung nicht getan. Stressige Effizienzgedanken sind hier fehl am Platze. Es geht vielmehr darum, dem Körper und seiner Entwicklung einen festen Platz im Leben zu geben. Ausgewogenes Training und eine ebensolche Ernährung – reguliert im Sinne der jeweiligen, momentanen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Zielvorstellungen – sollten fest im Alltag verankert werden, zur Selbstverständlichkeit werden wie auch das tägliche Schlafen und Zähneputzen.

Das tägliche Training sollte dabei nicht zu einseitig durchgeführt werden. Abwechslung ist wichtig und notwendig für eine umfassende Entwicklung von Leistungsfähigkeit, Körperbeherrschung und Ästhetik. Beim HFT kann man durchaus Schwerpunkte setzen. Zu eingleisiges Fahren sollte man vermeiden. Es geht um eine ausgeglichene Entwicklung und um diese voranzubringen, ist einiges an Aufmerksamkeit, Einsatz und Zeit notwendig.

Nicht jede einzelne Bewegung muss den ultimativen Wachstumsreiz setzen. Vielmehr geht es darum, den Nutzen jeder noch so kleinen Tätigkeit zu verstehen. Es geht darum, den Wert körperlicher Bewegung an sich zu erkennen. Darum, eine lupenreine Technik in der Bewegungsausführung zu erlernen, die Körperbeherrschung zu verbessern, die Haltung und Atmung zu verfeinern und die Konzentrationsfähigkeit des Geistes zu schulen – wie man es z.B. auch seit vielen Hundert Jahren im Tai-Chi Chuan übt. Eine solche Auseinandersetzung mit der körperlichen Seite unseres Lebens erleichtert es, sich auf das Wesentliche im Leben zu besinnen.

Es kommt nicht immer nur auf den äußeren Kampf gegen einen Gegner oder die Hantel an. Die meisten Athleten bremsen ihre Entwicklung selbstverschuldet aus, da sie zu oberflächlich an ihr Training heran gehen. Stets gilt es auch, den inneren Kampf zu beherrschen und zu üben. Gegen die eigenen Schwächen, Unfähigkeiten und Abschweifungen.

Ganzheitliche Entwicklung bezieht sich nicht nur auf die Muskulatur des Athleten allein. Sie ist deutlich komplexer. Selbst erfolgreiches Muskeltraining lebt davon, eine möglichst umfassende Kontraktion in der Zielmuskulatur zu bewirken. Dies ist nur scheinbar eine Sache des Trainingsgewichtes. Vor allem geht es jedoch darum, sich in den Muskel hineinfühlen und ihn bewusst maximal kontrahieren zu können. Das Gewicht ist im Bodybuilding nur ein Mittel, um dem Geist bei der Kontraktion auf die Sprünge zu helfen.

Die Wertschätzung natürlichen Potenzials

Von regelmäßigem Training kann man sehr viel über das Leben und auch sich selbst lernen – wenn man bereit ist, die damit verbundenen Auswirkungen auf Körper und Geist von einer höheren Warte aus zu betrachten. So lernen wir, dass alles Lebendige und Potenzialreiche am (angemessenen) Widerstand, an der fordernden Tätigkeit wächst – so wie auch unsere Fähigkeiten, Stärken und Beziehungen. Und dass im Umkehrschluss all das, was durch Benutzung abnutzt, weder Potenzial noch Leben in sich trägt und nur tote Materie ist.

Die Entscheidung, welches von beidem erstrebenswerter und wertvoller ist, mag jedem selbst überlassen sein. Leidigerweise ist unsere Gesellschaft nicht nur dualistisch ausgerichtet und verkennt den Wert und das Potenzial des Körpers. Sie ist auch noch grundlegend materialistisch eingestellt. Sie lebt für den Konsum und die Anhäufung materieller Güter. Wir arbeiten nicht nur, um das eigene Leben zu gewährleisten, sondern, um die eigenen Kaufkraft zu erhöhen. Getreu Tyler Durden machen wir Jobs, die wir hassen, und kaufen dann Scheiße, die wir nicht brauchen. Und all das empfinden wir dann auch noch als wichtiger als die Entwicklung von Körper und Geist.

Für mich

…ist die materielle Welt zwar durchaus funktional, aber sie trägt keinen tiefere Bedeutung in sich. Dinge sind Mittel zum Über-Leben und keine Gottheiten. Sie haben einen Preis, aber keinen Wert. Wahrhaft wertvoll ist das, was durch Forderung wächst und nicht daran kaputt geht: Also wir Menschen selbst! Unser Charakter, unser Körper und unsere Beziehungen zu anderen Menschen.

(cz)

 

Quelle:http://www.flickr.com/photos/mdezemery/2355219051/sizes/m/in/photostream/

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