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Max Beckmann – Drei Ausstellungen

4 Dezember 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Max Beckmann – Drei Ausstellungen

Ohne jede Absprache haben nahezu gleichzeitig drei Städte Max Beckmann (1884 – 1950), den großen deutschen Maler des 20. Jahrhunderts bedeutende Ausstellungen aus seinem fulminanten Werk gewidmet, die sich in wunderbarerweise miteinander ergänzen.

In Leipzig, seiner Geburtsstadt zeigt das Museum der Bildenden Künste einen repräsentativen Querschnitt von seiner Porträtkunst mit dem Titel „Von Angesicht zu Angesicht“. Seiner Landschaftsmalerei widmet sich das Kunstmuseum in Basel bis Ende Januar 2012 und das Frankfurter Städel befaßt sich mit „Beckmann und Amerika“ mit seiner letzten Schaffensperiode aus einem selbst gewählten Domizil in den USA. Hier findet der Maler nach Verlassen seiner New Yorker Wohnung mit 66 Jahren sein Lebensende. Während zur gleichen Zeit ein paar Straßen weiter im Metropoliten Museum of Art die Besucher eines seiner Selbstbildnisse erstmals als US-Künstler betrachten können und er zugleich als Jahrhundertkünstler seine internationale Anerkennung fand.

In der dieser Tage eröffneten Schau in Leipzig zeigt sich der Künstler in seiner ganzen Vielschichtigkeit und stilistischen Breite. In den 50 Gemälden und 100 Arbeiten auf Papier zu seiner Porträt-Malerei sind vornehmlich Personen dargestellt, die im Leben und Schaffen von Beckmann eine besondere Rolle spielten, dabei in besonderem das Beziehungsgefüge zu seiner Familie, seinen Frauen und zu seinem großen Bekanntenkreis. Besonders beeindruckend ist dabei das vom Modern-Art Museum ,New York ausgeliehene Hauptwerk, das „Familienbild“, das den Künstler etwas missmutig dreinblickend zeigt mit dem Rücken seiner ersten Ehefrau zugewandt und mit seinen in Berlin lebenden Familienangehörigen. Ein Szenarium, das in seiner Beziehungslosigkeit – jeder erscheint für sich allein zu sein – sehr bedrückend wirkt. Von seiner Frau Minna Beckmann – Tube, einer gefeierten Sängerin, ließ er sich später scheiden und heiratete mit Mathilde von Kaulbach, eine seiner späteren Hauptfiguren in den Gemälden, die auf Grund ihrer reizvollen femininen Ausstrahlung die männlichen Blicke auf sich zu ziehen vermochte. Eine ebenso herausragende Rolle spielen seine Selbstbildnisse. in denen er in höchst unterschiedlicher Weise auftritt – von sehr selbstbewusst, über ernüchtert, und melancholisch bis von Selbstzweifeln gequält.

In der 2. Ausstellung im Kunstmuseum Basel werden 70 Gemälde gezeigt, in denen sich Beckmann vor allem mit der Landschaftsmalerei befasst. Im Mittelpunkt stehen dabei besonders Ansichten von der Küste und dem Meer, wobei er offenbar die Musik des „Brüllenden Meeres“ zu tiefst genossen hat. Als Augenzeuge dieser Szenerie bleibt der Maler stets gegenwärtig, indem er von der Hotelterrasse, der Strandpromenade oder aus dem Strandkorb auf die anrollenden Wassermassen blickt. Nach Meinung der „Zeit“ hat Beckmann „die Küste stets als Zone des Übergangs gemalt, wo sich Ewiges und Heutiges berühren, Urlaub und Urzeit, das Mondäne und das Mythische, deren Zusammentreffen ihn zeitlebens faszinierte und zum Leitmotiv seines Schaffens wurde“.

Seine Landschaften sind vor allem Erinnerungsbilder an seine vielen Reisen. Er malte sie bis 1933 im Frankfurter Atelier und nach seinem Umzug bis 1937 in Berlin. Dann musste er sich vor den Nationalsozialisten ins Amsterdamer Exil zurückziehen, wo er während des Krieges seine Südfranzösischen Landschaften, die sogenannten „Sehnsuchtsbilder“ schuf, vielfach nach Postkarten – Motiven.

Dem Schaffen seines letzten Lebensabschnitts widmet sich die 3. Ausstellung im Frankfurter Städel Museum. Max Beckmanns in Amerika entstandenes Spätwerk ist erstmals Thema einer monografischen Sonderausstellung, die unter dem Titel „Beckmann & Amerika“ vom 7. Oktober 2011 bis 8. Januar 2012 im Frankfurter Städel Museum gezeigt wird. Mit insgesamt 110 Exponaten, darunter 41 Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle, Druckgraphiken und Skulpturen, gibt die Schau einen umfassenden Einblick in die faszinierenden letzten Lebens- und Schaffensjahre des bedeutenden Künstlers. Max Beckmann lebte und lehrte ab 1947 in St. Louis und schließlich in New York, wo er 1950 starb. Für den Künstler gingen diese entwicklungsgeschichtlich einschneidenden Jahre in Amerika mit Aufbruch und Weiterentwicklung einher. Mit Departure aus dem MoMA, The Beginning aus dem Metropolitan Museum of Art in New York sowie den Argonauten aus der National Gallery of Art in Washington ist es dem Städel gelungen, allein drei der insgesamt neun vollendeten Triptychen von Max Beckmann nach Frankfurt zu holen. Sie gelten als die Höhepunkte in Beckmanns OEuvre. Für Frankfurt am Main, wo Max Beckmann von 1915 bis 1933 lebte und an der Städelschule arbeitete und lehrte, ist das Ausstellungsprojekt von besonderer Bedeutung: Das Städel kann einen reichen Bestand an Gemälden, Zeichnungen, Druckgraphiken und Skulpturen Beckmanns vorweisen und hat bislang eine Reihe von Ausstellungen zu spezifischen Themen und Abschnitten seines Werks gezeigt

(wz)

Weitere Informationen:

http://www.staedelmuseum.de/sm/index.php?StoryID=1306

http://www.art-magazin.de/kunst/46122/max_beckmann_ausstellung

 

Max Beckmann
Die Landschaften
Kunstmuseum Basel
4.9.2011 – 22.1.2012
Max Beckmann
Von Angesicht zu Angesicht
Museum der bildenden Künste
Leipzig
17.9.2011 – 22.1.2012
Max Beckmann & Amerika
Städel Museum Frankfurt am
Main
7.10.2011 – 8.1.2012

Bildquelle:  Max Beckmann: „Argonauten“, 1949-50, Öl auf Leinwand, Mittelbild: 205,8 x 122 cm, linker und rechter Flügel: 184,1 x 85,1 cm (Foto: © 2011: Image courtesy of the National Gallery of Art, Washington)

Max Beckmann (1884-1950)
Frau mit Mandoline in Gelb und Rot, 1950
Öl auf Leinwand, 91,9 x 140,2 cm
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Pinakothek der Moderne, München
Foto: © bpk | Bayerische Staatsgemäldesammlungen
© VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Max Beckmann (1884-1950)
The Town. City Night, 1950
Öl auf Leinwand, 164,5 x 190,5 cm
Saint Louis Art Museum, Bequest of Morton D. May
© VG Bild-Kunst, Bonn 2011
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